Sportlos

Wisst ihr warum ich in letzter Zeit so wenig über Sport schreibe? Ich Trainer-Mutti, ich? Weil die Mutti überwiegt. Exorbitant, möchte ich fast sagen. Aber dafür schlage ich lieber noch einmal nach, was das Wort in der direkten Übersetzung bedeutet. Check. Jo. Stimmt! Damit kloppe ich dann auch gleich das „Motivations-Shirt“ vom Titelbild in die Tonne. Solche Shirts braucht eh‘ kein Mensch, kann man sowieso nur spiegelverkehrt lesen, wenn man es trägt. Außerdem hat es mir auch nicht geholfen gegen den Alltag anzukommen. Auch wenn ich es Tag und Nacht getragen hätte. Is‘ so. Da lacht der Alltag nur.

Winke. Winke. Sport. Da lacht der Alltag nur, wenn ich mal kurz daran denke, ob ich heute aufs bellicon komme und schickt meine Tochter vor. Die regelt das dann schon für ihn.

Dabei ist es mir ein innerlicher Graus sportlos zu sein. Und ich weiß, nun bäumen sich die „Disziplin-Stimmen“ gleich auf und erzählen, dass etwas Sport am Tag immer möglich wäre. Was ist „etwas“?? Ich habe viel Arbeit. Viel Kind. Und dann zum Ausgleich „etwas“ Sport? Nun sitze ich hier und sage mir: „Nur noch höchstens 14 Jahre!“ Und ich weiß, nun kommen die wirklich tollen Mamis, die sagen, man muss doch die Zeit genießen, sie geht so schnell vorbei. Ihr liegt sicher alle richtig, aber ich kann nur genießen, wenn ich innerlich ausgeglichen bin, oder? Damit meine ich leider auch meine Kinder genießen. Ich bin nämlich leider ein Frau-Mutter-Mensch, kommt also neben Mutter noch was anderes vor und ich schätze mich selbst sehr. Aber das sollte sowieso jeder tun, damit man sich eben auch seine kleine Krafttankstelle erhält und sich selbst sagt, wenn ich mir etwas Gutes gönne, dann überträgt sich das auch auf die anderen.

Dieser Ansatz scheint aber in der real existierenden Welt irgendwie utopisch zu sein?! Oder doch nicht? Ich sehe, gerade in den Social Medien viele, die das doch hinbekommen. Gut, ich bin der Meinung bei denen fällt dann ein Faktor in der Gleichung aus. Kinder, Job, Haushalt, Leben. Oder es gibt einen „volle Stunden“ Kita-Gutschein? Oder eine Ganztages-Nanny? Oder eine Putzfrau? Irgendwo dazwischen liegt sicher das Geheimnis.

Bild nachgestellt aus alten Zeiten. My coffee, my trampoline and I oder was ich eben noch so schönes zum trainieren genommen habe.

Aber zurück zu meiner Sportlosigkeit. Ich gebe ehrlich, ehrlich zu, es fängt an mich mehr als nur zu nerven. Hier muss ich aufpassen, denn Sport kann auch eine Sucht sein. Aber trotzdem möchte ich hier ein positives Wort für die Bewegung sprechen. Denn ich bin überzeugt, wir alle brauchen sie. Um uns gut zu fühlen, um uns ausgeglichen zu fühlen und ja, auch um unseren Körper gern zu haben.

Eine kleine Erklärung:

Mental hilft Sport Stresshormone und ja, sogar Aggressionen abzubauen. Zeitgleich werden durch die Bewegung Glückshormone ausgeschüttet, die uns ein Hochgefühl vermitteln. Ja, kann man auch durch Schokolade und Drogen bekommen. Aber mal ehrlich???? Wenn man die Wahl hat, entscheide ich mich doch wohl in dem Fall für Sport.

Wir kommen damit schon zum nächsten Punkt. Je mehr Muskelmasse wir aufbauen, um so mehr arbeitet unser Stoffwechsel. Das heißt, die Schokolade von vorher, kann man sich dann immer noch nach dem Sport reinziehen. Vielleicht nicht direkt nach dem Sport, weil man es sich dann ein wenig mit dem Nachbrennwert verscherzt, aber trotzdem würde ich behaupten, dass das Schokolädchen einfacher vom Körper verbrannt wird, als wenn man nur die Schokolade nimmt, so ganz ohne Sport. Während sich die Muckis an unseren Fettreserven laben können, gehen wir mit einem Kraft-Ausdauer-Training schön an die Kalorienverbrennung.

Nun komme ich aber zum nächsten Punkt, der für mich als der wichtigste erscheint. Was ich vorher so salopp mit „um uns gut zu fühlen“ beschrieben habe, heißt konkret „um uns gesund und fit zu fühlen“. Durch Bewegung können wir etlichen Krankheiten vorbeugen oder sie lindern. Bewegung führt dazu, dass Gelenkflüssigkeit produziert wird. Dass Muskulatur, die uns im Alltag hilft, aufgebaut wird. Dass wir dehnbar und beweglich bleiben. Und sich unsere Kondition verbessert. Außerdem kann man Fehlhaltungen, die durch Bewegungsmangel entstehen, etwas entgegen setzen. Das heißt in Gebrauchssprache übersetzt, man kann Gelenken, die Chance geben gut „gepuffert“ zu sein und nicht so schnell zu verschleißen. Man hat kein Problem Dinge oder schwere Kinder zu tragen. Man kommt ohne Probleme ans oberste Regalbord. Man keucht sich nicht die Treppe hoch und ist eben einfach ein bisschen fitter.

Ihr seht schon, ich liebe Sport, aber die Zeit und der Alltag drehen mir einen Strick. So ist es nun, dass ich zwar jede Mami verstehe, die sagt, sie schafft es nicht zum Sport zu gehen, aber es beruhigt mich auch nicht, dass ich nicht alleine bin. Denn meine Sportauszeit ist und war schon früher meine Auszeit vom Alltag. Und so ein Mami-Alltag kann schon ein Bärinnen-Job sein. Gerade da sollte man doch zu einer Auszeit kommen. Und ich spreche hier von täglich!

Halbe Sachen mag ich eh‘ nicht. Und ja, ja, das Wort utopisch fiel schon weiter oben. Ich weiß. Aber mal ganz ehrlich, jeder Arbeitnehmer hat seine Pause. Und dann Wochenende. Also? Noch Fragen?

Schnell weg! Ich hab nen Kurs und darf mich sportlich bewegen. Whoop Whoop!

Von täglichem Sport oder überhaupt Sport bin ich zur Zeit ganz weit weg. Blöd ist, dass ich mittlerweile schon regelrecht ausgehungert danach bin. So wird das ganze natürlich zu einem dumpfen Kreislauf, den man unterbrechen sollte und muss. Da freue ich mich dann doppelt und dreifach auf meinen Kurs, den ich geben darf. Denn der ist ein fester Punkt in der Woche und steht als Arbeit. Versteht sich. Deshalb kann und darf der als Termin eingehalten werden. Wenn es jetzt noch einen Termin gibt, in dem mal nicht gearbeitet, sondern nur mitgemacht wird… ein Träumchen. Ich bin für solche „Termine“ jeden Tag die Woche. Ob es jetzt um eine Sporteinheit, wie bei mir geht, oder ob eine andere Mami einfach mal gern ein Buch lesen, ins Kino gehen, in die Badewanne, zur Kosmetik, zum Friseur oder was auch immer möchte.

Ach ja, und mein bellicon daheim? Da darf ich gerade nicht drauf ohne meine Tochter. Dann nehme ich mir eben das bellicon im Kursraum. In diesem Sinne freue ich mich auf Euch. Ob als Teilnehmer oder Leser.


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