Stop and Go. Und der Plan und die Realität.

Zwei Aussagen, die einen als Mama schon in der Schwangerschaft einholen. Doch darüber nachzudenken kam mir erst bei der Kitaeingewöhnung meiner Jüngsten. In einem vorangegangenen Beitrag hatte ich kurz erwähnt, dass die Kitaeingewöhnung meiner Tochter ein längeres Thema bei uns wurde. Wir, mein Mann und ich, hatten unsere Tochter daheim, als, sagen wir mal recht selbstbewusst wahrgenommen. So war der Plan in unserem Kopf, die Eingewöhnung wird ein Klacks. Pustekuchen. Meine Tochter fand es gelinde gesagt, vollkommen Kacka aus ihren vier gewohnten Wänden heraus zu müssen. Und brachte damit meinen Plan meinen Körper wieder „aufzutrainieren“, meine Kurse wieder aufzunehmen und mich regelmäßig in Studios oder auf Sportplätzen sehen zu lassen, vollkommen ins wanken. Also zockelte ich, mit „fast ohne“ Ausdauer und deutlich weniger Kraft zu meinem ersten eigenen Kurs. Machte drei Kreuze und freute mich, dass sich das hoffentlich bald ändern würde. Wenn sich denn das Kind endlich mal sagen würde: „Die Kita ist super.“ Damals, als mein Großer noch Kitakind war, beschwerte er sich tatsächlich immer, wenn Wochenende war.  Das nagte zwar auch irgendwie an mir als Mutter. Aber dass meine Tochter von all dem ganz weit weg war, machte mich auch wahnsinnig. Mami war eben die Beste! Wenn meine Kinder mal groß sind, und das lesen, werden sie auch denken: Der kann man’s nicht recht machen! 🙂 Aber meine lieben Kinder, auftrainieren war mir eben extrem wichtig, denn mein Körper im ganzen und meine Muskulatur im einzelnen, nahmen mir die Schwangerschaftspäuschen mit euch, in diesem Falle die letzte Pause, noch ganz schön übel.

Denn das Gemeine ist (meistens), dass man von einem Tag auf den anderen in die vollkommene Sportpause runtergetuned wird. Bei Kind eins war es noch schlimmer als bei Kind zwei, muss ich zugeben. In der zweiten Schwangerschaft konnte ich wenigstens bis in den fünften Monat noch Yoga und Pilates machen. Und schwimmen. Dann kam auch da der plötzliche Sportstopp.

Und wenn sich jemand fragt, warum ich denn als Sportlerin nicht bis zur Geburt durchgehalten habe, wie man es heute oft in lustigen Zeitschriften als Paradebeispiel für Schwangerschaften lesen kann, dann kann ich nur sagen: Punkt 1, ich wurde zu schwer. Und das ziemlich schnell, so dass ich in der Tat bei Yoga und Pilates mein eigenes Gewicht nicht mehr halten konnte. Durch die steigenden Massen kommen wir zu Punkt 2. Ich stand mir oft selbst im Weg. Punkt 3 ist fast schon banal, dafür aber unglaublich real, wenn man in der Situation steckt. Ich habe mich geschämt. Entweder vor den Leuten, die mich als Sportlerin kannten, weil ich so immens auseinander gegangen war. Und auch vor den anderen, die mich nicht kannten, schämte ich mich, weil sie sich „in meinem Kopfkino“ sagten: Eine „Dicke“, die nun auch noch schwanger ist, versucht sportlich zu sein. Ziemlich blöd, aber das war so.

Worauf ich aber hinaus möchte, ist nicht mein dämliches Kopfkino, sondern der plötzliche Sportstopp.

sportstopp
Sportstopp wegen Schwangerschaft. Immer noch leichteren Herzen hinzunehmen, als wenn durch Verletzung.

Durch den wurde ich, zur gefühlt unsportlichsten Person dieses Universums. Denn ein „abtrainieren“ hat mir persönlich wirklich gefehlt. Das kann mir sicher so mancher, der einmal abrupt seinen Sport für einige Zeit auf Eis legen musste, bestätigen.

Wäre ich sarkastisch würde ich sagen, in meinen Schwangerschaften hatte ich doppelt Glück.

Einmal, weil in der Schwangerschaft die Muskeln und Bänder durch die Schwangerschaftshormone weicher werden. Viele Schwangere merken es oft daran, dass sie leichter mit dem Fuß umknicken. Sinn der Sache ist, dass alles dehnbarer werden soll, um dem wachsenden Baby mehr Platz im Körper einzuräumen. Das Kind schafft sich also Platz. Innere Organe werden zur Seite gedrückt. Am besten bemerkt man das an der berühmten Atemlosigkeit. Ich sage nur Stichwort: Treppensteigen in der Schwangerschaft. Das Zwerchfell hat nicht mehr so viel Platz. Oder an der Blase und dass man ständig für kleine Muttis muss, bemerkt man es auch. Das sind nur wenige, leicht dahin geschriebene, offensichtliche und generell bekannte Beispiele, um einen Auszug zu bieten, was mit dem Körper während dieser Zeit passiert.

Wenn wir nun nur einmal ausschließlich bei diesen paar genannten Dingen bleiben, dann schreibe ich jetzt mal genauso locker flockig dazu, was mit dem Körper passiert, wenn man plötzlich von einem Tag auf den anderen sein Training stoppt. Zum Beispiel, sinkt nach kurzer Zeit, circa zwei Wochen, die maximale Sauerstoffaufnahme. Kurz und einfach gesagt, deine Ausdauer geht flöten und dir geht schneller die Puste aus. Aha. Guter Test hierfür ist Treppensteigen. Am besten eine Treppe nehmen, die man vorher schon im sportlichen Modus mal genommen hat. Das bietet einen guten Vergleich. Wenn wir unseren Sport auf einmal stoppen, dann lässt sich unsere Muskulatur wenigstens ein klein wenig mehr Zeit zu schwinden. Aber immerhin, nach vier Wochen beginnt auch sie abzunehmen. Aha. Zudem kann man eine Steigerung des Körperfettanteils beobachten. Irgendwie wird also alles weicher. Von steigenden Blutzuckerwerten und steigendem Blutdruck möchte ich gar nicht sprechen.

Ich sehe leichte Wirkungsähnlichkeiten, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Alles, was während einer Schwangerschaft mit dem Körper einer Frau passiert, ist absolut sinnig und von der Natur gut ausgedacht, und trotzdem ist es ein bisschen gemein, wenn man vorher sehr gerne und viel Sport gemacht hat und sich nun, in seiner neu errungenen sportlichen Auszeit diesen Doppeleffekt vor Augen hält. Nutzt aber alles nichts, man kann sich nur sagen: Super, dann hab ich nach der Geburt schon mehr zu tun. Der Plan! 😉 Oder ich akzeptiere mich einfach so, wie ich bin und geh es langsam an. Die Realität!

In akuten Motivationsphasen während der Schwangerschaft, sah ich mich acht Stunden am Stück mit Baby in der Trage auf dem Laufband. Irrer Plan! Alles Quatsch, lässt das Baby und die Müdigkeit auch gar nicht zu. Die harte Realität! Tatsächlich lohnt sich das „langsame“ annähern an die alte Fitness auch viel mehr. Man möchte ja einen dauerhaften Effekt und einen gesunden Körper.

Ich ging also, nachdem ich vom Arzt den Startschuss erhalten hatte, für halbstündige Trainings ins Fitnessstudio. Gönnte mir einen Pilates- oder Yogakurs wöchentlich und turnte fleißig bei der Rückbildungsgymnastik. Um noch einen drauf zu setzen, meldete ich mich auch bei LaufMamaLauf an. Was in der ersten Zeit sehr herausfordernd für mich war. Konditionell war ich eine Null. Und die zusätzlichen Kilos drückten noch auf die Gelenke.

Nach 1-2 Monaten Sport- Tasting und abgeschlossener Rückbildung, wagte ich mich dann zum ersten Jumping-Kurs. Es war die Hölle! Konditionell wird hier einiges gefragt. Zum Glück konnte ich mir das „langsam“ wieder verinnerlichen. Daher stellte ich mich gerne in die hinterste Reihe und gönnte mir meine Basic-Schritt-Päuschen, während die fittere Truppe alles gab. Mittlerweile kann ich wieder mithalten und bin froh, dass ich mir die Zeit gegönnt habe. Auch wenn ich jetzt endlich in die vollen gehen will, um als Kursleiterin wieder 120 Prozent für meine Teilnehmer geben zu können. So der Plan! Momentan hüpfen wir eben alle auf 100 Prozent. Das ist eben die Realität. Aber wir haben trotzdem Spaß.

Für alle Schwangeren. Ich kann euch nur sagen, wer schwanger und sportlich ist. Und keine Leiden und Einschränkungen hat (!!! ganz wichtig !!! ), der kann sich mit Yoga, Pilates und schwimmen sanft abtrainieren und fit halten. Die ganz fitten, können natürlich auch mehr. Grundsätzlich heißt es, dass man in der Schwangerschaft fast (!) alles machen kann, was man auch vorher schon praktiziert hat. Das Wort „praktiziert“ kommt hier von Praxis. Und meint damit einen regelmäßig ausgeführten Sport. Es ist nicht gemeint, ich war im Jahr 1990 mal laufen, also kann ich das jetzt auch während meiner Schwangerschaft tun. Eine sportliche Ausnahme und damit ein No Go während der Schwangerschaft ist leider Jumping. Wer dazu mehr lesen möchte, kann das hier tun. Wer nicht das Glück hat weiter Sport zu machen, und wie ich von einem Tag auf den anderen aufhören muss, der soll seine Schwangerschaft einfach genießen und später ganz langsam wieder starten. Ich weiß auch, dass diese Atemlosigkeit, diese Unbeweglichkeit und das zusätzliche Gewicht echt nervt und man ohne Sport auch richtig schlechte Laune bekommen kann. Dafür braucht man tatsächlich keine Schwangerschaftshormone! Aber die Zeit ist tatsächlich absehbar und die Freude später auf den Sport ist so groß, dass sich auch eine halbe Stunde wie ein ganz großes Event anfühlt. Ich wünsche wirklich jedem, dass er abtrainieren kann, denn das ist sicherlich viel angenehmer, doch wenn die Möglichkeit nicht besteht, kann man sich mit absoluter Sicherheit sagen, dass man durch einen langsamen Wiedereinstieg auch irgendwann wieder voll da ist. Das ist ein guter Plan und kann auch in die Realität umgesetzt werden. Und wenn man sich als Mami anfangs nicht zu viel vornimmt, kommt man auch weniger in das Stop and Go. Denn die Kids bestimmen jetzt die Freizeit und das Programm. Manchmal hat man nämlich Freizeit und muss die zum Schlafen nutzen. 😉

Mami
33 Kilo waren es wert! Und Kinder halten auch auf Trab.

Ich übe mich noch ein wenig in Geduld, mein sportliches „auftrainieren“ endlich optimal zu starten. Während dieser Zeit, sage ich mir: Das Positive ist, dass die Schwangerschaftspölsterchen, die ich noch habe, mich kreativ in meiner eigenen Kursvorbereitung und Übungsauswahl halten. Und manchmal ist es für die Teilnehmer auch schön, vorne jemanden stehen zu haben, den sie nicht als Idol ansehen, sondern als jemanden, der genauso an seinem Körper arbeiten möchte, wie sie.

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Ob als Teilnehmer oder Leser.


2 Gedanken zu “Stop and Go. Und der Plan und die Realität.

  1. Unfassbar 😍👍 deine Motivation ist beneidenswert! Hab mir während dem Lesen gerade einen Donut reingezogen – damit ich dann die Kraft zum Fit werden habe 😂😂👍
    Liebe Grüße

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