Des Kindes Freund, ist Mama’s Leid

Eigentlich ist das ein Thema, das ich sehr unangenehm finde. Denn ich bin der Meinung, dass kein Kind etwas für sein Verhalten kann. Klar, kommt auch noch Charakter dazu. Und den können schon die Kleinsten der Kleinen zeigen. Aber grundlegend, läuft meist etwas anderes schief. Und hier möchte ich mich nicht mit erhobenen Zeigefinger hinstellen. Keine Mami und kein Papi sind fehlerfrei und tadellos.

Aber das Thema beschäftigt mich tatsächlich schon seit mein Erster noch ziemlich klein war. Und von der Leiterin seiner ersten Kita, als Kitaeinsteiger einen schwer unterzubekommenden Charakter als zukünftigen Kumpel vorgesetzt bekam. Dieses Kind war bis dato wegen seines Verhaltens schwer unbeliebt und hatte keine Freunde in der Kita. Die Leiterin sah ihren Auftrag, ihm einen Kumpel zu vermitteln. Und als mein Sohn in die Kita kam, hatte er und mit ihm wir, seine Eltern, das große Los gezogen. Ich kürze ab und sage nur: Zum Glück konnten wir die Kita wechseln. Damit war das Thema erledigt und mein Sohn hatte weniger zerstörtes oder verschwundenes Spielzeug und weniger blaue Flecken.

Aber ich möchte auch gleich sagen, dass ich natürlich nicht davor gefeit bin, eine Mutter zu sein, deren Kind auch mal ins Abseits gerät. Das wurde mir schon in unserer Nachbarschaft klar gemacht. Mein Sohn ist recht introvertiert. Oft mit ernster Miene unterwegs. Und kann sich lange, konzentriert und allein mit seinem Spiel befassen. Das kann tatsächlich schon mal verkannt werden. Das zeigte sich bei uns im Hinterhof. Eine zeitlang hatten wir eine Menge Kinder in allen Altersklassen im Haus. Das heißt von Null bis fünf. Mein Großer war hier der Älteste. Und die Kleineren waren schon von sich aus, offener als er. Ich persönlich fand das nicht schlimm. Mir als Mami kann das recht sein, wenn er nicht mit jedem redet und mit spaziert. Doch wir haben auch diese ältere Grundschullehrerin im Haus. Die fand das introvertierte Verhalten meines Sohnes ganz schnell unerträglich und stopfte ihn in die Schublade: Nicht teamfähig und total ego anderen Kindern gegenüber. Wenn sie also mal im Garten war und den Kindern beim spielen zusah, bekam mein Sohn ständig Kommentare a la: Du bist aber der Älteste, du musst den anderen dein Spielzeug abgeben. Du musst das besser vormachen. Du musst auf die Kleinen Rücksicht nehmen. Und so weiter. Das ging so weit, bis sich mein Sohn nichts mehr traute und der schöne Freiraum „Hinterhof“ zum Fiasko wurde. Und bei mir das Muttertier rauskam. Das dann klärte, dass mein Kind, wenn er gerade mit dem Spielzeug intensiv spielt, einen Teufel an abgeben denken muss. Etcetera. Leider klingt mein Muttertier wie ein Seemann bei Landgang. Und wir haben nun recht wenig Kontakt zu der Lehrerin.

Die Dinos sind ausgebrochen! Spiel allein im Garten. Jeder Dino wird gerade gebraucht.

Was mir aber klar wurde, auch bei Kindern wird die Sympathie so schnell festgelegt, wie unter uns Erwachsenen. Während mein Sohn von Kindern aus der Kita und der Schule, ehemaligen Erziehern und jetzigen Lehrern unendlich gemocht wurde und wird. Hatte eben diese eine Person sich schnell bei ihm festgelegt und Antipathie entwickelt. Das ist so. Und ihr eigentlich nicht zu verübeln. So ist der Mensch. Sekunden entscheiden.

Nun habe ich leider als Mama so manches mal das Problem, dass es mir mit manchen Kumpels leider auch so geht. Wie schon oben beschrieben. Wobei der obere Fall auch ein echtes Extrem war.

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann war meine Mutter und deren Generation rigoroser und verbot einfach den Umgang mit der Person. Das führt ja meistens zum Gegenteil und kotzte mich persönlich als Kind und Jugendliche total an. Außerdem bin ich ja der Meinung, dass jedes Kind, auch wenn ich es nicht so sympathisch finde, eine Existenzberechtigung hat. Und wenn mein Sohn freiwillig (!!!im Gegensatz zu obengenannten Kita-Kumpel!!! ) gerne mit ihm spielt, dann soll das so sein. So kneife ich die Zähne zusammen und akzeptiere jede Spielenachmittag-Einladung bzw. revanchiere mich im Gegenzug mit einer Einladung bei uns.

Trotzdem kann ich es dann aber nicht abschalten, dass ich nach so manchem Treffen total entnervt bin und mich als schlechter Mensch fühle. Auch den Eltern gegenüber. Denn mir ist klar, für jede Mami und jeden Papi ist das eigene Kind immer das beste und das schönste. Das ist wichtig, naturgegeben und muss so. Aber unsere Kinder sind nicht unfehlbar. Das sollten wir uns, auch wenn wir es für perfekt halten, ebenso vor Augen halten. Kinder lernen. Nicht nur lesen und schreiben. Sondern auch Sozialverhalten. Wenn also beim Spiel unnötig und mit Absicht Dinge zerstört werden, wenn immer alles im Gerangel enden muss, dann bin ich innerlich kurz vorm explodieren. Und werde leider zur „Autoritäts-Mum“. Klingt schauderlich, aber so komme ich mir vor. Denn meistens werde ich dann mit großen Augen angesehen. Vom Besuchsfreund, weil der eine ernste Nachfrage nach seinem Verhalten und eine eventuelle Kritik nicht gewöhnt ist. Mein Sohn ist da cooler, er weiß, er muss sich jetzt mit mir und dem Geschehenen auseinandersetzen. Ich halte viel davon auf ein Kind einzugehen. Mit ihm zu reden und mir auch dessen Meinung anzuhören. Aber ich kann auch mal kritisch sagen, was nicht geht. Und wo Grenzen oder eben meine Grenzen erreicht sind. Das sind nach meiner Meinung mutwillige Zerstörungen von Dingen, die anderen gehören. Und körperliche Verletzungen, die aus einer Aggression heraus entstehen, die ihren Ursprung woanders hat. Es kann immer mal etwas herunterfallen. Who cares. Auch beim toben, kann mal was daneben gehen. Dann gibt es eine Entschuldigung und weiter geht’s. Bei einem „No sorry“ bin ich aber ganz raus. Dann hagelt es eben auch ne Kritik. Und richtig wuschig werde ich, wenn ich bei einem Kind-Mum-Date sehen kann, dass die Mamis auf solche absichtlichen Aktionen gar nicht, mit heroischer Gelassenheit oder mit dem Argument, ihr Kind sei eben unterfordert, besonders, wild, hochbegabt oder hätte einen starken Bewegungsdrang, reagieren.

Weil dann wird mir wieder bewusst, dass der arme Knirps eigentlich gar nichts dafür kann, dass ich ihn nicht leiden mag. An dem Punkt atme ich tief ein und versuche mit einem tiefen mentalen Ohm in das nächste Spieldate zu gehen. Da verlasse ich mich dann auf’s Karma. Was anderes bleibt mir nicht übrig. Denn ich bin mir nicht sicher, ob ich einer Mama in ihre Erziehungsmethoden oder besser, ihre Gelassenheit rein quatschen möchte. Mit Reingequatsche habe ich ja auch so meine Schwierigkeiten. Konstruktive Kritik ist etwas anderes. Aber im Mami-Dasein ist eben selbst das eine lebensbedrohliche Gratwanderung ohnegleichen. Ich rolle ja auch ständig mit den Augen, wenn mir die Urgroßeltern meiner Kinder die Verweichlichung dieser vorwerfen. Weil ich nicht die ganze Zeit mit Rohrstock und Zurechtweisungen um die Ecke komme. Gut, die sind wahrscheinlich auch noch mit dem Pferdefuhrwerk unterwegs gewesen, versuche ich mich dann innerlich zu besänftigen. Genauso rolle ich aber auch mit den Augen, wenn ich dann wieder das Gefühl unter den Grenzenlos-Mums bekomme, dass ich die Autoritätsschleuder schlechthin bin. Die haben nämlich komischerweise oft keine Hemmungen mit Ratschlägen um die Ecke zu huschen. Vielleicht sollte ich mal beide oben genannten Parteien zu einer lustigen Diskussionsrunde zusammenführen. Ein kleines gehässiges Grinsen huscht bei dem Gedanken über mein Gesicht. Aber ihr seht. Schwieriges Thema. Ich bin eben für viel Liebe und klare Grenzen. Mit glücklichen Kindern, die mit Freude zusammenspielen. Und ich freue mich daran, dass mein Sohn tatsächlich mit fast jedem klarkommt. Tatsache ist ja auch. Er muss mit seinen Kumpels spielen.

Gemeinsames spielen mit Spaß.

Und wenn es für mich mal wieder richtig schlimm war, versuche ich am Abend aufs Trampolin zu kommen. Eine gesunde Alternative, um unbändige Kraft, überschüssige Energie und eben auch Aggressionen abzubauen.

A pro pos, Jumping gibt es auch für KIDS. Ab Mitte Februar in der Academia Jangada.

Hier ein Kids-Training in Lauffen bei Nicole Rudolf. 
Danke an Nicole für das Foto.

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Ob als Teilnehmer oder Leser


2 Gedanken zu “Des Kindes Freund, ist Mama’s Leid

  1. Oh ja, deine Zeilen rufen viele ähnliche Erinnerungen in mir wach. Neben allen anderen notwendigen kleinen und größeren Entscheidungen halte ich Sport für besonders wichtig für alles, was ein Kind zu seiner Entfaltung und dabei auch zum Bewältigen schwieriger Situationen braucht. Meiner Meinung nach, machst du das alles sehr richtig.

    Alles Liebe

    Laureen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s