Ich steh im Stau

Eigentlich gibt es keine bessere Zeit, als die der Sommerferien, um diesen Satz so richtig nachzufühlen, oder? Autobahn. Schlange. Stillstand. Heiß. Bäh!

Habe ich etwas vergessen? Ach ja, halt, ich stand gar nicht auf der Autobahn ‚rum. Nein, ich stecke im Arbeitsstau. Ich meine keine Blockade. Jedenfalls nicht von mir persönlich ausgehend. Sondern ich spreche jetzt von Aufgabe um Aufgabe, die mir auf mein kleines Schreibtischlein oder eben Desktop gestapelt wird, während ich aber durch die gerade existierenden Sommerferienumstände gar nicht zum arbeiten komme.

Wer jetzt sagt, „dann soll sie halt die Situation so nehmen wie sie ist und sich sagen, geht halt nicht“, demjenigen ballere ich jetzt ein Wort an den Kopf. ABGABETERMIN! Bäm. Ihhhhh! Vielleicht gibt es ja noch irgendwo diese kaltschnäuzigen Typen, die noch immer nicht mit der Wimper zucken. Ich zucke aber. Mit allem. Bei allem. Und selbst wenn ich mir sekündlich einrede, dass ich Urlaub habe. So kommt das an dem gewissen „Nonchalant-Punkt, wo auch immer der in meinem Körper sitzen soll, nicht an. Denn alle Termine sind jetzt!

Zum Glück habe ich die Sommerferien ja bald geschafft. Eigentlich habe ich nur noch eine knappe Woche und bei aller Liebe zu meinen Kindern, muss ich gestehen, verhalte ich mich wie ein Knasti. Daher muss ich schwer aufpassen, dass ich nicht den Edding, den ich eigentlich zur Beschriftung meiner Marmeladengläser nutze, an unseren Wänden zum Einsatz bringe. Zum Glück habe ich ja einen digitalen Kalender, der mich auf das Ferienende hinweist. Wie eben auch an die ekligen Abgabetermine. So bleiben zwar nicht meine Nerven, aber wenigstens meine Wand vor fiesen schwarzen Strichen verschont.

Ich muss nun unglaublich ehrlich etwas zugeben. Was mich wirklich richtig traurig macht und fast zum verzweifeln bringt, ist, dass ich in manchen verzweifelten Situationen sauer werde auf meine Kinder. Die können überhaupt nichts dafür. Aber die „Aufträgler“ und eben auch das gesellschaftliche Denken nehmen da keine Rücksicht. Und an besonders schlimmen Tagen denke ich, dass alles so gebaut ist, dass es grundsätzlich an einem Familienleben vollkommen vorbei zu gehen scheint. Ich erinnere mich an Artikel von Working Mums, die ich in meiner Elternzeit gelesen habe. Und die davon handelten Kinder und Job unter einen Hut zu bringen. Und eben, dass das nur unter eigener äußerster Anstrengung und enormer Organisation geht, denn von Außen wird einem recht wenig geschenkt, wenn man sich nicht selbst kümmert. Nun gut, in besseren Zeiten habe ich Schule und Kita. Hatte ich schon erwähnt ihr lieben Lehrer und Erzieher? Ich liebe euch!

Sie hat ja recht! Skateboard in der Wohnung geht nicht. Im übertragenem Sinne muss man bei Mami halt mal den Speed raus nehmen.

Ich habe ja schon einmal über die Ferienzeit sinniert. Das war allerdings vor meiner ersten „Große Ferien-Erfahrung“. Und nun habe ich es fast geschafft und stehe im „Stau“. Ich komme nicht weiter. Nicht vor und nicht zurück. Seit Anfang Juni soll ich arbeiten und Ende Juni kam schon dieses Feriending auf mich zu.

Ungnädig türmen sich nun mittlerweile meine Aufgaben in dieselbe Höhe wie das Burj Khalifa in Dubai. Das vielleicht von einigen „richtigen“ Urlaubern dieses Jahr besichtigt wurde. Und genauso ungnädig sind eben auch meine Kinder. Mit Mama’s geteilter Aufmerksamkeit. Eigentlich zu recht.

Manchmal gönnen sie mir eine kurze „Laptop-Pause“. Ich frage oft, nach nur 30 Minuten. Die werden mir gönnerhaft gewährt. Was ich zu dem Zeitpunkt noch ganz süß und lustig finde. Dann werde ich aber ungefähr 50 mal gefragt, wie lange denn 30 Minuten sind und wann diese vorbei wären. Meine wissenschaftlichen Ausführungen über die Zeit dauern dann wenigstens 20 Minuten inklusive Antworten auf eventuelle Warum-Fragen. Oder ich gebe einfach schon vorher auf. So sind sie halt die lieben Kleinen.

Voller Sorge denke ich darüber nach, ob ich in letzter Zeit öfter den gleichen Gesichtsausdruck habe wie „Raphael“?

Unlustigerweise fühle ich mich in den Schulferien meines Sohnes ja ein bisschen wie damals in der Schule. Kennen wir das noch? Wir haben einen Vortrag zu halten oder eine Hausarbeit abzugeben und uns fällt am letzten Tag, vor dem Abgabetermin ein: Hups, da war ja noch etwas! Da schlug man sich dann eben die Nacht um die Ohren und rockte das Ding am nächsten Tag. Am übernächsten konnte man ja ausschlafen. Und man war noch so schön jung und brauchte eh‘ keinen Schlaf.

Jetzt mache ich viele Nachtschichten. Kann nicht am übernächsten Tag ausschlafen und bekomme dann aus dem Hinterhalt noch schnell eine Aufgabe drauf geballert. Ich würde mal ganz objektiv sagen, mein Umfeld hat mich stresstechnisch gerade ziemlich im Griff. Beim Thema Schlaf winke ich eh‘ mittlerweile ab.

Das coole an all dem, ist ja auch, dass mitunter andere, die ich wegen irgendwelcher Infos brauche, dann tatsächlich im Urlaub, also unerreichbar sind. Und ich finde diese Leute wirklich klug.

Was mir zum Glück bisher noch nicht, aber dennoch schon früher, als ich noch Single-Kind-Mum war, passiert ist, ist dass mir kinderlose Kollegen und Kolleginnen bei verpeilten Terminen sofort mit ihrer Kritik zur Seite standen. Ich bin jetzt mal so, dass ich sage, wer mich kritisieren kann, der kann auch anerkennen, dass ich und andere Mamis in ihren 20 Stunden Arbeitszeit produktiver, kreativer und effizienter sind, als so manche Kritikhohlbirne in ihren 40 Stunden die Woche. Mehr Kommentar bedarf es zu diesem Thema nicht und wahrscheinlich strahle ich nun mit meiner Doppelkinderfahrung diese meine Meinung schon so nach außen aus, dass mir bisher noch keiner quer kam. Zum Glück. Mir würde bei meinem momentanen Stresslevel sofort das Messerchen in der Wickeltasche aufklappen. Denn ich habe ja momentan noch nicht einmal meine Teilzeit.

Ansonsten kann ich ja kinderlose Kollegen mit Humor nehmen. Letztens wurde bei einem recht intensiven Meeting gefragt, ob wir all das Besprochene nicht besser aufschreiben sollten. Das könne man doch nicht alles im Kopf behalten. Da musste ich nur bittersüß lächeln.

Neben den Punkten des Meetings, habe ich noch den Termin zum Familientreffen, den Geburtstagsgeschenkewunsch eines Kinderkumpels, Vertretungstermine, Einkaufslisten für die Kita, Dinge die ich für das Familientreffen einpacken muss und die Schuleinkaufsliste meines Sohnes im Kopf. Noch Fragen? Nö? Das ist auch gut so. Und wenn mich dann tatsächlich noch ältere Damen fragen, ob ich den Erlkönig rezitieren kann, dann… -Vorsicht, es folgt jetzt eine Passage in Mumslang! Von wegen fluchen wie ein Seemann! Wer das meint, war noch nie im Kopf einer gestressten Mami- … möchte ich sagen: „Der König kann mich mal und am besten gleich kreuzweise!!!“ Natürlich formuliere ich um. Dennoch hatte ich das Gefühl, meine Botschaft zu dem Thema wurde ausreichend transportiert. Will sagen, wenn ich mich durch Mailchimp, Keynote, Instagram, Facebook, PR-Artikel, gewünschte Zeichenanzahl, Hashtags, adäquates Bildmaterial etc. etc. etc. gewühlt habe, dann knöpfe ich mir den Alten auf seinem Ross gerne vor. Und der wünscht sich dann vielleicht, er wäre nur dem Erlkönig begegnet!

Kürzlich habe ich versucht meinen vollen Schädel mit Aperol Spritz Erleichterung zu verschaffen. Es ist ja Sommer. Mit dem Ergebnis, dass mir kotzübel war und ich unproduktiv wurde. Das Zeug sollte man halt doch nur in illustrer Runde und bei entspanntem Gespräch zu sich nehmen. Nur ist Entspannung für mich derzeit ein Fremdwort. Wobei, ich war am Wochenende jumpen. Da fühlte ich mich leicht und frei. Vielleicht sollte ich das einfach öfter tun? Nach den Ferien habe ich ja wieder Zeit.

Manchmal hilft nur noch Sonnenuntergangsjumping im Freien. Es lebe der Sommer.

In diesem Sinne, Kopf hoch ihr lieben arbeitenden Mamis. Ich weiß im Süden geht der Spaß erst richtig los. Ihr schafft das! Wir, hier in Berlin haben es bald geschafft. bellicon JUMPING gibt es ja zum Glück deutschlandweit. Ich freue ich mich auf jeden Fall auf euch. Ob als Teilnehmer oder Leser.


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