Die Kita, meine Tochter und ich

Meine Jüngste hatte anfangs so gar keinen Bock auf Kita, dass es schon zum verzweifeln war. Der Kitastart war von uns zwar eh schon so gesetzt, dass ich zum Arbeitsstart noch ordentlich Pufferzone hatte. Dennoch wünschte ich mir selbst noch ein bisschen Freizeit. Auch zum auftanken. Ich konnte mich noch an das Arbeits-Kind-Spagat mit meinem Sohn erinnern. Nun waren es zwei Kinder und ich war „ego“ drauf.

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Mein Kissen, meine Ruhe, meine Entspannung! Mami auf dem Ego-Trip 🙂

Allerdings empfinde ich dieses „ego“ als gesund. Bei manchen stösst das ein wenig auf Unverständnis. Wie auch bei einer Kumpelsmami von meinem Sohn. Wir kannten uns nur durch die Freundschaft unserer Söhne. Das heißt, wir fanden uns sympathisch, kannten uns aber nicht wirklich näher. Und auf eine Nachfrage ihrerseits, wie es uns ginge, sagte ich ehrlich, dass ich mich gerade mit der Kitaeingewöhnung abmühen würde.

Hier trafen nun zwei unterschiedliche Mutti-Meinungen aufeinander. Das bemerkte ich recht schnell. Denn sie haute gleich raus, dass meine Tochter mit einem Jahr ja noch zu klein für die Kita wäre. Und, dass das ja ganz natürlich sei, dass sie in diesem Alter nur bei mir sein wolle. Erst einmal sprachlos über das gehörte, konnte ich nur antworten: „Aber ich brauch mal eine Sekunde für mich.“

Klar, dass das nicht das beste Argument war. Denn ich bin zwar nicht ihrer Meinung, aber sie hat ja auch nicht ganz unrecht. Nur, wenn ich weiß, was auf mich zukommt und aus meiner Erfahrung auch weiß, dass Job und ein Kind schon krass waren, dann muss ich meine Kräfte auch irgendwie zusammenhalten. Für den Job und zwei Kinder. Und mit dem „krass“ meine ich, dass ich damals schon immer das Gefühl hatte, dass ich in intensiven Arbeitstagen meinem Kind und seinen Bedürfnissen nicht gerecht werde. Dass genau ist das Gefühl, das eine Mutter innerlich zerreisst und sie mit einem Dauer-Schlechtem-Gewissen rumrennen lässt. Es geht hier also nicht erstmal darum, dass ich körperlich und auch mental wegen Stress am Rande des Nervenzusammenbruchs bin. Sondern tatsächlich um das Wohlbefinden meines Kindes. Und ich glaube, darum geht es bei vielen berufstätigen Mamis.

Nachdem sie mich fragte, was ich denn arbeiten würde, wurde meine Argumentation in ihren Augen nicht besser. Denn ich konnte nur sagen, ich sei selbstständig. Dieser Begriff verleitet viele Menschen dazu zu denken, dass man ganz frei über seine Zeit bestimmen könne, sein eigener Chef ist und sich nicht zwischen Kind und Forderungen eines Bosses entscheiden muss. Stimmt auch irgendwie. Aber die nicht festgelegten Arbeitszeiten führen häufig zu einem innerlichen Konflikt. Denn man muss tatsächlich selbst bestimmen, wann Schluss ist. Weiß man das immer, wenn man ein Unternehmen aufbaut oder hat? Denn dann muss man auch dafür sorgen, dass man daran etwas verdient, um seinen Kindern eine Unterkunft, Nahrung und Kleidung zu bieten. Wenn man Mitarbeiter hat, muss man dafür Sorge tragen, dass sie auch ganz sicher ihre Miete zahlen können. Man muss also den Laden am Laufen halten. Komme was wolle. So wird aus selbstständig ganz schnell „selbst“ und „ständig“.

Ganz ehrlich, als Angestellte ist das auch nicht lustig. Ich möchte auch nicht den Druck haben um eine festgelegte Zeit am Arbeitsplatz sein zu müssen. Beziehungsweise dafür sorgen zu müssen, dass die Kinder bis zu einem festen Zeitpunkt des Feierabends gut versorgt sind und im Krankheitsfall durchdrehen, weil ich nicht irgendwie was schieben kann. Ständig jemanden Rechenschaft darüber ablegen zu müssen, warum etwas in Verzug ist. Oder ähnliches. Zum Glück ändert sich so langsam die gesellschaftliche Sicht auf Arbeit und Kind. Und manche Arbeitgeber werden lockerer.

Aber hier komme ich zu dem Punkt, an dem ich denke, muss ich wirklich mit anderen Müttern ein gesellschaftliches Problem ausdiskutieren? Andere Mamis, mit anderen Problemen und anderen Ansichten. Wir sind alle so unterschiedlich und doch so toll, wie wir sind. Mütter, sowie ihre Kinder. Diese Unterschiede sehe ich schon selbst an meinen zwei eigenen Kindern. Was ich bei meinem Großen funktioniert hat, greift bei meiner Kleinen zum Beispiel gar nicht. Mein Großer ist ein vorsichtiger Typ, für den ich zum Beispiel gar keine Sicherheitsvorkehrungen gebraucht hätte, da er, nachdem ich ihm sagte, dass man sich dort weh tun kann, seine Finger davon ließ. Für meine Jüngste wäre eine Gummizelle nicht sicher genug. Selbst nach mehrmaligen Warnhinweisen. So ist es eben. Und jede Mutter wird für ihr Kind schon das richtige tun.

Die eine stillt bis ihr Kind drei ist. Die andere stillt gar nicht. Die eine kocht ihren Brei selbst. Die andere schwört auf Gläschen. Die eine macht mit ihrem Kind alle Kinderkursangebote mit, die es gibt. Die andere spielt lieber mit ihrem Kind daheim. Und so weiter.

Und ich bringe mein Kind ab einem Jahr in die Kita. Zur Beruhigung für alle Mamis, die das zu früh finden. Ich kenne die Kita von meinem Großen. Ich liebe sie und all ihre Erzieherinnen. Und vor allem vertraue ich ihnen! Und ich bin telefonisch für die Erzieher jederzeit erreichbar.

Wir haben jetzt übrigens die Eingewöhnung durch. Nach acht Wochen. Viel länger als bei meinem großen, „ängstlicheren“ Sohn. Und sie fühlt sich wohl. Ich kann jetzt mein Sportprogramm zum „Wiederaufbau“ starten. Auch das ein seltsames Argument für manche Mami. Aber wenn man eben Trainerin ist braucht man eine Grundfitness. In meinem Alter ist die nicht mehr so schnell erreicht, wie vor 20 Jahren. Und auch wenn ich mir den Tag im Fitnessstudio oder auf dem Trampolin“vertreibe“, hat das seinen Sinn und ich mach mir kein schlechtes Gewissen. Jedenfalls versuche ich das 😉 Das sollten wir alle.

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Mit Entspannung und Kraft beim Trainieren. Für sich und die Kursteilnehmer.

Deshalb liebe Mamis lasst uns uns gegenseitig lieb haben. Uns unsere Macken akzeptieren und auch die Tatsache, dass jede einen anderen Job und eine andere Lebenseinstellung hat. Auch wenn wir uns manchmal nicht in die, der anderen reindenken können. Ich bin mir sicher, dass fast jede ihre Existenzberechtigung hat.

Zum „Mum-Bashing“ gab es in der Brigitte Mom auch einen tollen Bericht. Viel Spaß beim Lesen.

momfight
Kommt leider viel zu oft vor. Mumfight. Nervig und unnötig.

Ich hüpf dann mal los und freue mich auf euch. Ob als Teilnehmer oder als Leser.


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