Schmutzige Finger

Die Krokusse stecken ihre Köpfe raus und ich bin nicht mehr zu halten. Seit letztem Jahr haben wir einen Garten. Ziemlich spießig. Ist mir aber Latte. Und ich hole mir da saugern schmutzige Pfoten. Zum einen wegen der Entspannung. Zum anderen wegen meinem Lebensmittelspleen. Ich mache mir mein Gemüse und Obst einfach selbst. Ätschebätsch. Ja, ja, ich weiß, ich lebe mitten in einer Großstadt. Wenn ich richtig gezählt habe auch noch in der größten Deutschlands. Ich weiß nicht was da im Boden lauert. Und die Abgase sind sicherlich auch kein Spaß für Muttis Bohnen.

Aber ich weiß, was ich nicht gespritzt habe. Und wenn die Schnecke nicht an meinem Kamillen-Zaun die Fühler rümpft, dann teile ich eben auch mal meinen Salat mit ihr.

Alles was kreucht und fleucht ist ein Highlight für die Kinder. Auch wenn es an Mamis Gemüse hängt.

Zudem kann ich meinen Kindern mal zeigen wie Natur so funktioniert. Einen, sagen wir mal, nicht ganz so erfolgreichen Versuch hatte ich ja schon mit meiner Vogeluhr. Oder anders der Fluch eines jeden Ehemanns. Diese Uhr hatte ich bei einer Bekannten entdeckt. Und war begeistert. Denn jede Stunde zwitschert ein Vogel sein Lied. Hier setzte ein schwerwiegender Erziehungsdrang bei mir ein und ich holte mir das Ding für unsere Küche. Einmal, damit mein Sohn lernen würde, wie die Vögel trällern. Und das andere Mal eher unbewusst, um meinen Mann zu Nerven. Ich erzähle jetzt nicht von den entgeisterten Blicken mancher Gäste, die wir zum Essen eingeladen hatten.

Blöd an der Uhr ist nur, dass man die Stimmchen immer mit der Zeit stellen muss. Noch blöder für mich, dass wir so etwas wie Sommer- und Winterzeit haben. Am blödesten für alle, dass ich das mit den Uhren stellen generell nicht so im Blut habe. Das Endresultat ist nun, dass mein Sohn denkt, die Amsel piept wie ein Rotkehlchen. Und mein Mann ist trotzdem entnervt. Aber ich finde meine Uhr toll, auch wenn die Vögel dort etwas durcheinander sind. So ein bisschen Gezwitscher heitert auf. Und mein Mann lässt mir widerwillig meine „moderne Kuckucksuhr“.

The clock!

Nachdem ich nach einem Besuch bei meiner Familie feststellte, dass mein Sohn nicht wusste, was ein Traktor ist. Dafür aber eine U-Bahn kennt. Dachte ich mir, dass wir vielleicht mal mit ein paar Blümchen auf dem Fensterbrett anfangen sollten, um den Stadtkind die Natur nahe zu bringen. Also säten wir schön Kapuzinerkresse. Die für einen Riesenblattlausalarm sorgte. Aber immerhin, er konnte den Pflanzen beim wachsen zusehen. Von den ersten grünen Köpfchen, die aus der Erde lugten bis eben zum vollen Dasein der Läuselockpflanze.

Heute haben wir sozusagen unser Spektrum erweitert. Eben mit einem ganzen Garten, anstelle nur eines Fensterbretts. Und unser Wissen auch, denn die Kresse wird nun neben die Rosen gepflanzt, die wir mit dem Garten vererbt bekommen haben.

Vielen denken jetzt sicher: hui, nu wird die Sport-Muddi auch noch Gärtnerin. Tatsächlich finde ich es gar nicht so abwegig. Jumping baut Stress ab. Und Sport hat immer auch mit Ernährung zu tun. Der Garten rundet sozusagen all das ab, was ich mag und was ich versuche in mein Leben zu holen. Entspannung, gute Ernährung und Sport!!

Don’t touch the Schlauch, wenn mein Mann den Wasserstrahl eingestellt hat. Da hilft nur: Lächeln und winken!

Nach der Gartenarbeit habe ich oft mehr Muskelkater, als nach so mancher Sporteinheit. Dabei sollte man allerdings nie vergessen:

Richtig anheben!

Gerade im Frühjahr, wenn man mal wieder ein paar Säcke Erde wuchtet sollte man das nicht vergessen.

Ernährungstechnisch setze ich dieses Jahr auf Chili. Scharf bringt unseren Körper in Wallung. Regt den Stoffwechsel etwas an. Und kann das Wachstum von Erregern bremsen, denn Chilis haben eine antibakterielle und pilzhemmende Wirkung. Mein Schwager hat mir ein paar fies-scharfe Schoten vermacht.

Richtige Hotties.

Die werden nun von meinem Sohn und mir erstmal auf dem berüchtigten Fensterbrett (natürlich innen) groß gezogen und dann kommen sie in ein Gewächshaus. Alles andere ziehen wir in kleinen Anzuchthäuschen. Die meisten Pflanzen müssen noch bis zum 15. Mai ausharren. Dann sind die Eisheiligen vorbei. Ab da, dürfen sie in unserem Garten frei und wild vor sich hin wachsen. Bis sie eben auf dem Teller landen.

Von meinem Großen gebastelt. Gewächshaus Marke Eigenbau.

Wer nun sagt, das kostet ganz schön Kohle. Ja, leider ist es nicht immer günstig. Aber gerade am Beispiel Chili sieht man, einfach eine Chili trocknen und dann die Samen entnehmen. Trocken lagern und im Februar zum ziehen einpflanzen. Chilis brauchen es schön warm. Daher bitte drinnen großziehen. Manche weichen ihre Samen vor dem einpflanzen eine Nacht in lauwarmen Wasser ein. Es gibt auch Chili-Züchter, die das einweichen in Kamillentee empfehlen. Wir haben mal alles versucht und schauen dann, was am besten funktioniert. Die Keimdauer soll bei 10 – 21 Tagen liegen. Da lassen wir uns mal überraschen und freuen uns schon jetzt auf unsere scharfe Würze nach der ersten Ernte.

VORSICHT!

Von Zucchini, Kürbissen und auch Gurken sollte man die Samen nicht weiterverwenden. Ihr lateinischer Name bezieht sich auf enthaltene Bitterstoffe, die extrem bitter und giftig sind. Das Gemüse wurde so gezüchtet, dass es für uns essbar ist. Wenn man nun aber immer wieder auf eigene Samen zurückgreift, vermehrt sich das Curcubitacin und kann tödlich werden. Man kann es merken, wenn zum Beispiel die Zucchini sehr bitter schmeckt. Das ist sozusagen der pflanzeneigene Warnhinweis: Finger weg, ich bin giftig. Daher werden von uns die Samen brav gekauft. Und schlauerweise nicht mehr so in Maßen ausgesät. Sonst wird man mit dem Zucchini-essen nicht mehr fertig.

Jetzt schau ich aber noch genüsslich den Chilis beim wachsen zu und bereite währenddessen eine scharfe Jumping-Stunde vor, die genauso brennen soll, wie meine kleinen Zöglinge dann später.

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Ob als Leser oder Teilnehmer.


Ein Gedanke zu “Schmutzige Finger

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s