Zufriedenheit, Genugtuung, Erfüllung, Wohlgefallen, Behagen, …

In diesen Beitrag sollte ich eigentlich am besten mit einem lauten und inbrünstigen „Ohm“ einsteigen. So bekommt er gleich das gewisse Maß an Gleichmut.

Wobei das Wort „Gleichmut“ bei mir zu einem nervösen Lidzucken führt. Und meinen Mann zu einem herzlichen Lacher. Das liegt daran, dass wir, noch vor unseren Kindern, einmal „schweigen“ wollten. Berliner würden sagen: Einfach mal die Fresse halten! Ich weiß, ich weiß, aber wir sind für den raueren Ton ja bekannt. Außerdem wollten wir auch nichts hören. Gesagt, getan!

Also ging es ab ins Schweigeseminar. Zehn Tage einfach mal nüscht. Und eben Gleichmut üben und erlernen. Die Welt ist eh zu hektisch. Nun gab es allerdings ein Problem. Innerhalb meines Studiums genoss ich über Jahre einen intensiven Sprach- und Sprecherziehungsunterricht. Dort, bei diesem Schweigeseminar, wurde mir ein scheppernder Kassettenrekorder vor die Nase gesetzt, von dessen Band ein bestimmt sehr gleichmütiger Kerl mit „mittelleichtem“ Sprachdefizit uns immer wieder „Glaichchchchchchmuuuttt“ anriet.

Kennt jemand dieses Gefühl, wenn man einen leichten Pfeifton vernimmt, sich darauf einschiesst und man irgendwann nichts anderes mehr hören kann, als dieses Pfeifen? Auch wenn es noch so leise ist?

Ihr könnt es euch also vielleicht denken. Wenn ich gleichmütig sein sollte, war ich kurz vorm ausrasten. Wenn ich „VVVäääärzichchchchchttt“ üben sollte, wollte ich ein fettes Brathühnchen mit Pommes. Und das mit der Meditation konnte ich wegen meiner innerlichen, mentalen Turbulenzen abschreiben. Nach ein paar Tagen „schweigen“ schimpfte ich wie ein Rohrspatz. Und war mit der Allgemeinsituation recht unzufrieden. Für meinen Mann ist die Story noch immer der Renner.

Aber wir kommen auch ein wenig zum Punkt. Ich war voll unzufrieden. Zehn Tage hatte ich kostbare Lebenszeit verschwendet. Die sollten doch machen, dass ich voll entspannt und zufrieden wäre. Jetzt war ich noch aufgebrachter als vorher. Denn in meinem Alltag hatte ich mir wenigstens schon ein bisschen diese „Is‘ mir egal!“- Art erarbeitet.

Heute sage ich: Hmmm? Ist „is mir egal“ wirklich dasselbe wie Zufriedenheit? Oder eben diese bestimmte Lockerheit? Gleichmut? Um eben auch Problemen vollkommen entspannt zu begegnen? Kaum! Hier kommt jetzt ein Hoch auf meine Kinder. Auch wenn sie mich ganz oft bis an den Rand einer Nervenzusammenbruch-Klippe treiben.

Aber als Mami bleibt einem auf eine gewisse Art und Weise eh‘ nichts anderes übrig, als locker zu werden. Denn, wie ich schon mal erwähnt hatte, Plan und Realität liegen absurd weit auseinander. Daher bleibt mir nichts anderes übrig als mindestens 5000 mal am Tag „Wuusaa“ zu sagen. Zum Beispiel, weil ich wegen Schokofingerflecken oder ähnlichem nicht zigmal die Klamotten wechseln kann. Oder weil es nach dem Aufräumen in Sekundenschnelle aussieht wie vorher. Oder weil meine Kinder rauswollen, aber nicht einsehen erst den Schlafanzug gegen andere Klamotten zu wechseln. Oder weil die Nachbarn denken könnten, ich kille meine Kids, obwohl sie nur die Haare gewaschen bekommen. Oder weil die Zwerge denken, laut „Aua“ auf der Straße zu schreien, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen, wäre lustig. Und so weiter und so fort. Leute, ehrlich, nach den ersten Anfällen von Schnappatmung als Mutter, habe ich jetzt Nerven wie Drahtseile! Und eine gewisse Gelassenheit und Gleichmut, das kann mir kein Schweigeseminar bescheren.

Das bemerke ich auch immer mal wieder, wenn ich aus meiner Mami-Welt raus in den Arbeitsalltag muss. Dort trifft man ja auch mal auf Menschen, die noch acht Stunden Zeit haben, um ihren Kram zu erledigen. Die danach auch noch einen heben, zum Sport oder ins Kino können. Und das, ohne es vorher großartig abklären zu müssen. Wüsste ich es nicht besser, weil ich auch einmal dazu gehört habe, würde ich sagen eine extraterrestrische Art.

Und trotz all dieser Freiheiten ziehen viele eine Fluntsche. Ok, ich damals wohl auch. Warum hätte ich mich sonst zu diesem Seminar angemeldet? Also ihr lieben Fluntschis, bevor ihr nun noch mehr schmollt, weil ich so etwas schreibe. Auch ich fand ohne Kinder fast alles doof. Nun finde ich eine Minute Freizeit schon, als wäre es das Happening des Jahres. Und ich weiß ja auch gar nicht, ob ihr nach den acht Stunden noch immer so durchhängt. Das ist nur eine Vermutung. Denn wenn ihr fertig seid mit der Arbeit, da bin ich ja „schon längst in Feierabend!“ Har har har. „Ich arbeite ja nur fünf Stunden am Tag!“ Har har. Kann ich also gar nicht wissen, ob euch der Feierabend auch eine „Entfluntschung“ brachte.

Auch über diese Annahmen und Aussagen dieser „Extraterrestrischen“ lerne ich bereits locker drüber zu stehen. Die Leute denken zu lassen, was sie eben denken. Mir keinen Stress zu machen, wenn sie fragen, ob ich eine Arbeit doch früher, noch vor angesetztem Termin fertig bekommen kann? Da sag‘ ich zu mir „Wuusaa“ und zum Fragenden: „Nö!“ Das mit viel innerer Ruhe. Dem Wissen, dass ich meine Hilfe rechtzeitig anbot. Die angesetzte Deadline noch genügend Spielraum lässt. Und dem Bewusstsein, dass ich eben voll uncool unspontan bin. Wen juckt’s? Mich nicht. Gleichmut!

Davon wünsche ich allen anderen auch ganz viel. Oder eben Kinder. Nicht, um den Stresspegel noch zu erhöhen. Nein, um seine innere Ruhe und seine Organisationstalente zu entdecken.

Heute wie früher. Der Meister des Yin und Yang schlechthin. Mein Großer mit tiefster innerer Ruhe mitten im allgegenwärtigen Chaos des Außen.

Und wenn man das dann mal drauf hat, die Kinder in der Planung nicht quer laufen ( Fieber, schlechte Laune, etc. ) und man den Plan dann zeitgerecht in die Realität umsetzen kann, dann ist man ja sowas von zufrieden. Da möchte man sich gleich ein Krönchen aufsetzen.

Das ist viel besser als Stress. Den macht man sich eh‘ meistens selbst. Mir hat geholfen mein Kopfkino abzustellen und mir zu sagen: „Lass sie reden! Ich weiß, ich gebe mein Bestes!“ Die anderen, auch die ambitionierten, wie die Schweigeseminar-Ausrichter, sind nicht für meinen inneren Seelenfrieden zuständig. Wen die „Schnacker“ trotzdem irre machen, der darf nicht vergessen, dass die meisten meistens sowieso nur tuscheln, um von sich abzulenken. Dieses gegenseitige befeuern, vor allem auch gerade bei Frauen gern gesehen, ist mir zu doof. Und kostet nur Energie, die ich „im Feierabend“ viel besser für meine Kinder gebrauchen kann. Oder eben im Jumping-Kurs.

Durchatmen und loslassen. Foto vom Drachenfestival auf dem Tempelhofer Feld.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen viel Gleichmut. Und ich freue mich auf euch. Ob als Leser oder Teilnehmer.


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