Und noch mal alles auf Null

Diesen körperlichen und sportlichen Nullzustand mag ich ja wie Minustemperaturen im Sommer oder einen bevorstehenden Hausputz. Wobei ich ja meinen körperlichen Zustand, wenn ich aus meiner sportlichen Routine rausgerissen bin, eher als Minuszustand, denn als Nullzustand bezeichnen würde.

Aber dieses Mal habe ich mich freiwillig auf Null gesetzt! Ja, ich. Nach meinem Mami-Aufwach-Aha-Jetzt-ist-aber-Schluss-Moment Ende März besuchte ich mein bellicon schwingender Maßen wieder täglich. Sozusagen von Null auf 100. Ha Ha! Mein Wake Up Moment hatte aber nicht nur wieder Begeisterung und Lust an Bewegung und Sport freigesetzt, sondern auch den tiefen inneren Wunsch wirklich nach mir und meinem Körper zu sehen. So richtig richtig! Soll heißen, die Mum war auf ihr Körper-Yin und Yang fokussiert. Was meint sie denn jetzt schon wieder?

Ganz einfach: Wo Spannung ist, da sollte auch Entspannung sein!

Ich hatte ja schon mal geschrieben, dass ich so eine Cardio-Kraft-Turnerin bin. Immer nach dem Motto: Wenn ich beim Sport nicht schwitze und atemlos aus den Latschen kippe, dann hab ich nüscht getan. Und ich fühle mich auch so ohne Power auch so gar nicht motiviert überhaupt ein Bein zu heben.

Jeder der meinen Blog schon mal gelesen hat, hat sicher auch schon mitbekommen, dass ich gerne mal schreibe, dass ich es ja theoretisch besser weiß! Kurz, ich weiß, dass man nicht immer nach einer Sporteinheit tot umkippen muss, um dann als sportlich gutaussehender Mami-Phoenix aus der Staubsaugerinhalts-Asche zu steigen. Was bedeutet, mein Kopf weiß, wie man es macht und ich mache es trotzdem nicht.

Richtig blöd daran war, dass aus meiner minütlichen Ich-nehme-es-wie-es-kommt-Freizeit eine tägliche Workout-bouncing-jumping-Einheit wurde. Was ist denn jetzt blöd daran, wird man sich fragen. Ganz einfach. Ich bekomme den Hals nicht voll und wenn ich nur ne Stunde habe, dann wird die auch durchgeturnt. Nichts da, dass ich da auch noch Stretching in die wertvolle Stunde einbaue. Hier sind wir wieder bei meinem Unvermögen mein theoretisches, weises Wissen in eine praktische weise Umsetzung zu verwandeln. Ich tat das, was ich meistens, oft und immer tat. Voll auf die Zwölf und nach mir die Sintflut. Die Sintflut lässt sich nur leider meistens am eigenen Körper aus.

Gut, wenn ich das so lese, gebe ich zu, dass mein Körper-Yin und Yang-Gedanke erst so gemeint war, dass ich einige Arztchecks vollziehen wollte. Und eigentlich kam er reell erst nach dem Besuch einer Osteopathin und in meinem Urlaub in meinem Geiste und dadurch in meinem Körper an. Manchmal brauche ich halt doch den Knüppel uff n Kopp oder eben

Zeit, um mich auf meinen Körper einzulassen und zu konzentrieren.

Das mache ich ja eigentlich voll gerne. Mich auf meinen Körper konzentrieren, Bewegungsabläufe wahrnehmen und Effekte mit all meinen Sinnen ertasten und erspüren. Ganz einfach, damit ich diese positiv erspürten Bewegungen und Effekte in mein Workout einbauen kann und ich negativ auswirkende Abläufe aus meinem Training verbannen kann. Aber wann hatte ich die letzten Monate schon Zeit dafür? Ich kam ja noch nicht einmal auf mein bellicon bis zu diesem einen Tag im März, als Mami bockig wurde. Aber schon im Mai bemerkte ich, dass eine Stunde blind und blöd durchackern in meinem Alter nicht das positive Körperverhältnis bringt, dass ich mir erhofft hatte. Auch klar! Wusste ich ja eigentlich.

So war und wurde ich zu einem ziemlich spannendem verspannten Typen.

Mit meinem Beckenboden konnte ich mittlerweile Nüsse knacken, mein äußerer Oberschenkelmuskel war so aus seiner Rolle, dass seitliche reflexartige Ausfallschritte nicht mehr drin waren, meine tiefe Kraft im Rumpf suchte ich immer noch vergebens und im Schulter-Nacken- und Brustbereich sah ich nicht nur aus wie eine Kampfschwimmerin, sondern fühlte mich als würde ich jeden Morgen mit einem Handkantenschlag zwischen die Schultern geweckt werden. Und meine „Spannung“ hatte sich gesagt: „Ich konzentriere mich jetzt mal schön auf die rechte Seite!“ Ein Quasimodo-Zustand, auf den ich echt keinen Bock hatte.

Der wurde noch ein wenig unterstützt durch einen Beckenschiefstand, den meine Osteopathin entdeckte und was mich wirklich staunen ließ, die Tatsache, dass ich nicht richtig atmen konnte.

What?? Ja! Mein Brustbereich war so verkürzt, dass ich, die die über das Wissen von etlichen Atemtechniken verfügt, nicht mehr richtig in die Brust atmen konnte. Ich atmete immer fantastisch in den Bauch. Etwas was viele Erwachsene ja gar nicht mehr können und auf dieses (wieder antrainierte) Können war ich die ganze Zeit ziemlich stolz. Und jetzt … Pustekuchen … und meinen Stolz konnte ich mir sonst wohin … und so. Denn beim ganzen stolz sein auf meine Bauchatmung, hatte ich vollkommen vergessen, dass die Lungen ja schon etwas weiter oben anfangen. ‚So ein Shit!‘ dachte ich, als mir meine Osteopathin das eröffnete. Und zeitgleich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Klar! Mein akuter Sauerstoffmangel bei wirklich hardcore-krassen Cardio-Einheiten. Der hatte nichts mit meiner grundsätzlichen Kondition zu tun, sondern mit der Tatsache, dass ich ganz banal nicht genügend Luft bekam. Oder kennt ihr jemanden, der oder die es schafft bei hochintensiven Trainings noch gemütlich und vollkommen ruhig und entspannt bis in den Bauch zu atmen? Nö? Ich auch nicht! Und ich kann’s auch nicht.

Möchtet ihr wissen wie ich atme, wenn ich nicht die Zeit für entspannte Bauchatmung habe? Ich atme schnell ein, mein Brustkorb hebt und senkt sich nur minimal und ich ziehe dafür die Schultern hoch! Kurz, die Entscheidung war getroffen! Zurück auf Null.

So geht das nicht weiter, ich muss jetzt meinen Popo hochbekommen und meine Freizeit dazu nutzen, um mein theoretisch vorhandenes Wissen in eine gute, ausgewogene und vor allem hilfreiche Praxis zu bekommen.

Was mache ich jetzt also praktisch?

Für meine Rumpfmuskulatur

( Ich nenne sie jetzt bewusst so und nicht Core-Muskulatur, denn zur Core-Muskulatur gehört auch der Beckenboden! ), die ich durch etliche und intensive Bauchmuskelübungen nicht mehr aktiviert bekam, fange ich jetzt folgendermaßen bei Null an: ich setze auf Balanceübungen auf dem bellicon. Sie aktivieren die Tiefenmuskulatur. Diese Übungen sind übrigens auch bei Rektus Diastase zu empfehlen. Die habe ich zwar nicht mehr. Aber rückblickend sage ich heute, hätte ich mehr Balance auf einem mobilen Untergrund trainiert und weniger seitliche Bauchmuskeln, dann hätte ich nun auch schon wieder diese wirkliche innere Kraft, auf die ich dann die allgemein gängigen Bauchmuskelworkouts aufbauen könnte. Aber bekanntlich ist der Weg das Ziel und nun stehe ich da einbeinig auf meinem bellicon und freue mich eben auf den Moment, in dem ich sagen kann: „Ja und Juhuu meine Kraft im Zentrum ist zurück!“

Einfach mal halten, obwohl der Untergrund wackelig ist. So kräftigt man sanft seine Tiefenmuskulatur.

Mein optimal, wenn nicht schon sogar maximal trainierter Beckenboden braucht Entspannung!

Denn wichtig ist zu wissen, viele Mamis wollen ja ihre alte Beckenbodenkraft zurück, aber wenn der zu stark ist, dann ist das auch nicht gut. Zum Beispiel kann es so auch zu einem Harnrückstau kommen, weil der dreischichtige Kerl da unten einfach dicht macht. Das wiederum kann zu einem unguten Bakterienherd führen, was wiederum eine Blasenentzündung super begünstigen kann. Also alles bäh! Daher gibt es jetzt nach jeder bellicon Einheit ein 15minütiges Bebo- und Hüfte-Becken-Oberschenkel-Stretching. Auch wenn das Workout dann eben mal nur 45minütig ausfällt. Das nehme ich nun wirklich ernst. Und das beste, ich kann diese Übungen auch gegen meinen Beckenschiefstand und für meinen drangsalierten Oberschenkel nutzen. Das mache ich nun bereits konsequent einen Monat und ich bemerke schon nach vier Wochen einen unglaublich positiven Effekt!

Für meinen Hüftbeuger gibt es als erstes diese Stretching-Übung. Damit ich die verkürzte Muskulatur endlich wieder etwas entspannt bekomme.

Hier kommt noch ein bisschen mehr für meine Hüfte und meinen Popo:

Für meine verkürzte Brustmuskulatur

verzichte ich nun erst einmal auf Gewichte. Ich liebe zwar meine Gewichtsbälle, doch die müssen nun erst einmal nur zugucken, bis ich wieder bereit für sie bin. Körpereigenes Gewicht ist das Motto. Und ich lenke meine Konzentration darauf, dass ich meine Schultern nicht mehr hochziehe. Tatsächlich beginnt vieles ja im Kopf und die Synapsen müssen so eingerichtet werden, dass die alte Gewohnheit nicht mehr greift. Das bedeutet bei mir, ob beim einatmen, beim Arme heben oder bei Übungen, bei denen ich die Arme neben dem Körper halte, meine Schultern bleiben tief und die Schulterblätter versuchen zusammenzuziehen. Meine Brustmuskulatur und meine Atemorgane werden dann noch mit wunderbar entspannenden Stretching-Einheiten belohnt. In der Tat könnte ich in diesen Lagen Stunden verbringen.

Als aktive Übung während des bouncens, um meine Brustmuskulatur zu öffnen, versuche ich die Ellenbogen eng am Körper zu halten und schließe die Hände vor dem Körper und öffne sie neben dem Körper. Meine Handflächen schauen dabei nach oben. Dabei wiege ich mich vor und zurück auf dem bellicon.

Wenn ich ehrlich bin, sind alle Muskelgruppen, mit denen ich Probleme habe ( und die ich auch noch selbstverschuldet verstärkt habe ) typische Mami-Aua-Zonen. Aber gerade mit der Atemsache, habe nicht nur ich oder eine andere Mami zu tun. Daher kann ich allen, die eine verkürzte Brustmuskulatur bei sich feststellen, empfehlen sich einfach mal eine der Übungen zu schnappen und umzusetzen. Wie schon geschrieben, mache ich die Stretching-Einheiten im Beckenbereich seit gerade mal vier Wochen und fühle mich schon um vieles besser. An meiner Atmung beginne ich jetzt konsequent zu arbeiten und bin gespannt, wie ich mich in einem Monat fühlen werde.

Ach ja, falls sich jemand fragt, warum ich nicht mit allem auf einmal loslege. Da handhabe ich es, wie man es auch Sportanfängern rät. Also nicht gleich übermotiviert an etwas herangehen, da sonst durch Überforderung die Motivation leicht schwinden kann. Und ich bin und bleibe eben ein Power-Speed-liebender Sporttyp, da braucht es eben auch etwas Heranführung an eine gesundheitsorientierte, langsamere und ruhigere Übungsumsetzung.

Aber ihr seht, manchmal lohnt es sich, alles wieder auf Null zu setzen, um dann irgendwann später wieder 100% und ein bisschen mehr geben zu können. Und damit meine ich nicht nur sportlich, sondern ganz einfach im Alltag. Sobald ich nämlich wieder einen schnellen Ausfallschritt nach rechts machen kann, ist mein Mann beim Federball spielen fällig. Muar har har … dieses Jahr im Urlaub hat er mir eindeutig zu viel gewonnen.

Ich lege mich jetzt mal in eine Stretching-Pose und genieße den Abend und die lockeren Ergebnisse, die ich durch all die Übungen in meinem Alltag genießen kann.


3 Gedanken zu “Und noch mal alles auf Null

  1. Ich kann es nicht fassen wie unglaublich du mir aus dem Herzen sprichst!! Ich hab keine Worte!
    Danke reicht da eigentlich nicht aus!!! Bitte bleib dran und Berichte- ich bin bei Null – genau aus dem selben Grund den du berichtest… Ich brauche nur mehr Zeit und Konsequenz- mein Mantra- sei nicht so streng!!

    Liebe Stephanie!!!! Danke dir wundervolle Mama

  2. Ich kann es nicht fassen wie unglaublich du mir aus dem Herzen sprichst!! Ich hab keine Worte!
    Danke reicht da eigentlich nicht aus!!! Bitte bleib dran und Berichte- ich bin bei Null – genau aus dem selben Grund den du berichtest… Ich brauche nur mehr Zeit und Konsequenz- mein Mantra- sei nicht so streng!!

    Liebe Stephanie!!!! Danke dir wundervolle Mama

    1. Liebe Kathrienchen, das freut mich sehr und vielen lieben Dank für dein wundervolles Kommentar❤️. Und ich bin zuversichtlich, irgendwann sind wir beiden wieder voll auf 100 🤩👍💪- Viele liebe Grüße Stephanie

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