Der richtige Umgang!

Sind bei dem Titel jetzt auch ein paar von euch zusammengezuckt? Als er mir in den Sinn kam, dachte ich auch zuerst an das Wunschkonzert meiner Mutter, was meinen Freundeskreis anging. Der ist aber gar nicht gemeint. Mein Freundeskreis. Allerdings denke ich auch, meine Mutter hat beim gucken auf all die Leute in meinem Umkreis verpasst mir beizubringen, ein bisschen besser nach mir selbst zu gucken und mit mir selbst einen guten Umgang zu pflegen.

Sei’s drum, nun bin ich ja selbst darauf gekommen. Und zwar ganz einfach, weil ich irgendwie bei so kleinen „Unterschwelligkeiten“, die sich mir so vollkommen plötzlich und absurd im Alltag zeigten, dachte: „Da stimmt doch was nicht.“

Was meint sie denn jetzt mit „Unterschwelligkeiten“? Na einfach so kleine, fast nicht wahrnehmbare Dinge, die einen mal kurz aus den Tritt bringen, einen kurz mal staunen und eben nachdenken lassen.

Zum Beispiel war es für mich seltsam, warum ich so kleine, leichte aber ständig auftretende Probleme mit dem Gleichgewicht hatte. Immerhin soll ja das bellicon Training auf dem flexiblen Untergrund den Gleichgewichtssinn schulen, aktivieren und stärken. Und ich bin ja, von meinen alltagsverschuldeten Sport-Pausen abgesehen, eigentlich bellicon addicted und müsste blind in 30 Metern Höhe auf einem Millimeter dicken Drahtseil balancieren können. Ok, ich neige zur Übertreibung. Aber einbeiniger Stand auf festem Boden sollte halt schon mal drin sein.

Oder so ein Ausfallschritt nach hinten. Hm, wann macht sie denn Ausfallschritte nach hinten? An der roten Fußgängerampel, um einem schlechten Kindervorbild-Über-die-rote-Ampel-Traber per gespreiztem Bein und daraus folgendem Stolperer zu zeigen, dass so was echt gefährlich sein kann?! Vor allem im Prenzlauer Berg Berlin. Nein, so etwas würde ich natürlich nie machen!! Aber lassen wir doch mal den Spaß und Mum’s Kopfkino beiseite!

Nehmen wir als Beispiel doch mal Lunges,

oder eben auch Ausfallschritte genannt. Stelle ich mich in die Position auf festem Boden und will mein hinteres Knie senken, dann kann es bei mir zu schweren Wacklern kommen. Obwohl ich den, also den Ausfallschritt, auch asymmetrisch auf dem bellicon turne. Nur kann ich mir hier eventuelle bis ständige Wackler erklären. Immerhin steht mein Standbein auf flexiblem Untergrund. Also sollte der blöde Ausfallschritt, doch mega-super-gut auf festem Boden bei mir funktionieren, weil mein Gehirn, meine Synapsen und auch mein Gleichgewichtssinn dahingehend mega trainiert sein sollten.

Ich dachte schon, ich hätte was mit den Ohren. Dort sitzt nämlich unser Gleichgewichtssinn. Aber wie sich herausstellte war dem wohl nicht so und mit meinem Kopf war alles ok.

Ich habe einen Beckenschiefstand. Wohl durch die Schwangerschaft oder die Geburt. Kann man jetzt im Nachgang nicht mehr so genau datieren. Was ich aber sagen kann, dass mein jüngstes Kind bald vier Jahre alt wird. Und ich mir schon allein wegen der Dauer, in der ich mein Gewackel ausgehalten habe, unterschreiben kann, dass ich mit mir nicht gut umgehe.

Ok, jetzt werden ganz, ganz viele Mamis sagen: „Aber welche Mami geht in der Zeit, in der die Kleinen eben noch klein sind, gut mit sich um?“ „Haben wir dafür überhaupt Zeit?“ Ehrliche Antwort: „Nö!“ Und alle FragestellerInnen fragen diese Fragen zurecht.

Doch in der Tat stelle ich jetzt fest, seit ich täglich Übungen gegen diesen Beckenschiefstand mache: „Liebe Mamis, wir sollten direkt nach der Geburt unserer Kinder viel besser mit uns umgehen, damit wir auch voll intakt für unsere süßen Zwerge in jeder Größenordnung da sein können!“ ( Und ja, noch ganz kurz zur Beruhigung, das bellicon Training hilft nicht nur den Gleichgewichtssinn zu stärken, die Übungen gegen meinen Beckenschiefstand mache ich auch darauf. )

Klingt jetzt vielleicht komisch mit gleich nach der Geburt auf sich achten. Ja, auch für mich, ist aber so. Wir wollen ja meistens schon im Wochenbett die Bude wieder durch feudeln, damit Omi fröhlich in die geputzte Bude zum Baby gucken kommen kann. Und ich weiß,

ich bin ja nun auch ein Paradebeispiel, wie man es am besten nicht macht.

Wenn mich mal etwas „heimsucht“ oder zwickt, dann staune ich kurz, wundere mich zum Beispiel über das oben genannte, zucke mit den Schultern und mache weiter. Das bin ich. Das ist soooo doof! Ja, das sage ich über mich selbst. Mit vollster Überzeugung und Inbrunst.

So einen richtigen Clash erlebte ich in diesem Frühsommer. Und ich meine jetzt nicht meine 14tägige Corona-Party, die ich unfreiwilliger Weise mit meiner Familie in unseren vier Wänden abhalten musste. Nein, ich meine eine ganz banale Blasenentzündung.

Wer schon mal eine hatte, der weiß, das ist ein richtig fieses Miststück.

Eigentlich hatte ich schon letztes Jahr mal eine langwöchige Blasenentzündung zu Besuch. Und sie ließ sich nicht rausschmeißen. Als Vorzeige-Funktionsmutti ging’s halt und ich habe funktioniert, bis ich sowieso einen Termin bei meiner Gyn hatte. Die dann sagte, dass sei ja unschön und ich hätte mir so ziemlich alles an Bakterien da angesammelt, was es so zu bieten gibt. Das klingt irre unschön, also rein mit der Antibiotika. War eh‘ nichts mehr zu retten. Nun ging der Spaß dieses Frühjahr wieder los. Also kochte ich mir ganz vorbildlich literweise Tee, schleppte mich dahin wo ich gebraucht wurde und dachte dann, als das „Dahinschleppen“ auch echt blöd war, ich geh‘ jetzt zum Arzt.

Mami’s Teekännchen. Aber zwei von den 1,5 l Karaffen helfen halt irgendwann auch nicht mehr.

Die Prozedur dort ist einfach. Man puschert in ein Becherchen und ein Indikatorpapierchen sagt denen dann „Ja“ oder „Nein“. Es war ein leichtes Ja. Das war nochmal doof. Was ist denn ein leichtes Ja? Und warum kommt dieses doofe Biest nur ab und an, wenn sie doch eine Entzündung ist und so Entzündungen sollte man doch durchgängig spüren und nicht, wie sie mal Lust haben. Das hatte ich ja tatsächlich noch gar nicht erzählt. Genau, ich fühlte mich einen Tag ganz ok, dann wieder gut und am nächsten wand ich mich vor Schmerzen und wusste nicht wie ich kreuchen sollte.

Aber an diesem Becherchen-Ärzte-Tag sagte das Papier: „Ja, irgendwie, irgendwas ist da. Könnte eine sein!“ Darum bekam ich so eine One Day Antibiotika und sollte mich melden, wenn es nicht besser werden würde. Meine Blasenentzündung lachte sich ins Fäustchen, machte sich für drei Tage vom Acker und kam mit leichten Anzeichen am vierten wieder zurück.

Jeder sagt sich jetzt, das ist ja auch so komisch, wie mit dem Wackeln beim Ausfallschritt, nicht wahr? Genau! Das Glück wollte es, dass ich aber einen Osteopathinnen-Termin hatte. Und zwar 10 Tage nach meinem Arztbesuch und daher sechs Tage nachdem ich wieder heimgesucht wurde.

Nun, nichts gegen Ärzte im allgemeinen, aber wenn man sich eben nicht privat behandeln lässt, müssen die schon gucken, dass sie einen halt nur mal kurz in ihren Terminplan rein quetschen. Da wird bei Lappalien, wie einer Blasenentzündung, Schema F durchgespielt. Fertsch. Die Osteopathin musste ich ja eh‘ selbst bezahlen und war schon für eine Stunde gebucht, sage ich jetzt mal.

Und nun kommt der Knüller. Nachdem ich ihr so meine Wunderlichkeiten geschildert hatte, nahm sie mich mal ganz exakt unter die Lupe. É voila: Beckenschiefstand. Kein Wunder, dass ich so ein wackeliges Mütterlein bin. Und … in meinem Unterleib ist alles so fest und verklebt, dass das zu einer Zusammenkunft ungünstiger Umstände wurde.

Kurze Erklärung dazu:

Die Geburt meiner Tochter verlief ein klein wenig außer Plan. Und kombinierte sich mit einem ungünstigen Gebärmutterriß. Der wiederum führte zu einem Kaiserschnitt. Kurz, ich habe eine offensichtliche Quernarbe am Unterleib. Und noch eine zusätzliche, unsichtbare Längsnarbe, die meine Gebärmutter verziert. Durch diese nicht ganz so fabulösen Geburtsumstände liegt meine Gebärmutter auch etwas tiefer. Was jetzt aber wohl nach der ganzen Story nicht verwundert. Blöd ist jetzt, dass Narbengewebe halt ein wenig unflexibler ist als Gewebe so ohne Narbe. Ich habe ja den Oberbonus. Denn ich habe ja gleich zwei. Und das sozusagen im Kreuzstich. Gut, das war jetzt etwas unsensibel ausgedrückt, aber schildert es ganz gut.

Nun habe ich nach der Geburt meines Kindes meinen Beckenboden wieder optimal trainiert. Wie ich das dann in der Zeit der wenigen Minuten gemacht habe, hatte ich schon im letzten Beitrag beschrieben. Also, ohne Stretching. Obwohl ich weiß, dass eben ja Spannung und Entspannung zusammen gehören. Ihr könnt euch jetzt wahrscheinlich schon ein wenig denken, was da wohl passiert ist. Es war einfach alles fest und es passierte dasselbe, was zum Beispiel bei vielen mit dem Schulter-Nacken-Bereich passiert. Es verspannt und dann, wenn es ganz blöd ist, verkleben die Faszien total. So war es bei mir. Und meine Innereien, ja!, und damit meine ich jetzt Gebärmutter, Blase und Dünndarm, verklebten. Mein gestärkter Beckenboden ließ nichts durch und machte zu. So kam es zu einem Harnrückstau und damit zu einem Infektionsherd, den mein Körper auch gar nicht mehr so lösen konnte, wie die Natur es eigentlich vorgesehen hatte. Dazu kam nämlich noch, dass ich mir während meiner zwei Kinder angewöhnt hatte, nicht aufs Töpfchen zu steuern, sobald mein Körper das erste Signal gab, sondern noch ein wenig aufzuhalten. Wenn man dauergefragt ist, dann kann man das Puschern auch mal auf später verschieben. Da ich einen super gestärkten Beckenboden habe, ging das auch super gut. Und ich hielt aus bis kurz vorm platzen. Mein ganzes System schrie irgendwie Fehlermeldung. Aber wenn ich in einem gut bin, dann im Überhören von solchen Signalen. Bis mir mein Körper halt die Breitseite gibt.

Einfach immer warten, bis es bei mir den Stecker zieht. Dabei könnte ich ja auch mal früher reagieren.

Also kramte mich die Osteopathin erst mal von außen zurecht und alles wieder auseinander. Und gab mir dann Übungen, um das alles wieder grundsätzlich zu lösen und weich zu machen und weich zu halten. Mit dem grundlegenden Befehl: ein Training ohne Stretching ist nicht!

Ich stand von ihrer Liege auf und dachte mich trifft der Schlag! Zum ersten Mal seit Wochen fühlte ich mich wieder fit und vor allem unbelastet. Mit den Übungen kann ich wundervoll arbeiten und wenn ich mal wieder spüre, dass der Stress zuschlägt und ich im wahrsten Sinne des Wortes „dicht mache“, dann lege ich mich in den angeordneten Beckenlift und erfahre sofort Entspannung.

Das alles hat mich wirklich zum nachdenken gebracht.

Einerseits über das Thema, das in den letzten Jahren immer drängender an die Öffentlichkeit kommt. Nämlich, dass die medizinischen Heilwege auf den männlichen Körper ausgerichtet sind. Und noch sehr viel in Richtung Frauengesundheit gegangen, gedacht, geforscht und gearbeitet werden muss.

Und der andere Gedanke ist der, dass man als Mami seine Gesundheit und sein Wohlbefinden immer so hinten anstellt, dass selbst Dinge, die bei einer Geburt passieren, mit Glück und unter den eventuellen Umständen erst Jahre später ans Tageslicht kommen. Wenn ich daran denke, dass ich mit einem behebbaren Problem zu tun habe, dass mit Konsequenz angegangen werden kann und ich mich dadurch bald wieder wohlfühle, dann gehöre ich sicher noch zu den Glücklichen. Es gibt sicher Eingriffe, die schnellstmöglich angegangen und wieder behoben werden müssen und müssten, damit sich die Mums noch ihr ganzes Leben wohl- und gut fühlen.

Einfach mal zwischendurch irgendwie auftanken. Dann müssen die anderen mal kurz warten. Und ich bin mir sicher, beide Seiten profitieren davon.

Also liebe Mamis, wenn es sonst keiner tut, dann pflegt ihr doch bitte den richtigen Umgang mit euch. Und habt euch lieb! Euren Kids geht es doch auch super, wenn ihr fit seid. In dem Sinne können sie auch mal ganz kurz warten, wenn euch nicht so ist und ihr mal einen Moment für euch braucht.

So zum durchatmen und neu justieren. 😉😘


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