Was man da alles findet!

Und ich wünschte ich würde jetzt von Ostereiern sprechen. Nun verweilen wir ja schon einige Zeit in schunkeligmunkelig anmutender „Home“-Atmosphäre und da hat man mitunter auch Zeit sich eingehend zu betrachten. Also, wenn die Kinder mal nichts von einem wollen oder eben die angestapelte Arbeit oder der Homeschooling-Plan oder, oder, oder … . Wie auch immer, ich habe nebenher noch genügend Zeit gehabt, um zu sehen, zu bemerken und letztendlich festzustellen, dass ich nun langsam in das Alter der Rückengymnastik eingehe. Ja, ok, ich weiß, dass machen viele schon vor den 40. Weil sie eben vernünftiger sind als ich. Oder nicht so einen Speed- oder Powerkick beim Sport brauchen. Oder nicht diesen krankhaften Anspruch an sich haben trotz -bitte laut lachen- Alter noch ganz vorne mit zu turnen. Aber nun muss ich doch zugeben, dass der sitzende Büroalltag und vor allem das Kinder schleppen – im Bauch und dann später auf dem Arm- seinen Tribut einfordern. Denn mein Oberkörper-Bereich wird zu einem Fiasko, das ich nun nach einem Monat mit den Kids daheim und dazu ausgleichendem Speed-Schreibtisch-Arbeiten unmissverständlich bemerke.

Zum einen, weil ich Schmerzen bekomme. Punkt.

Natürlich weiß ich auch, dass viele schon während einer Schwangerschaft klagen. In dieser Phase konnte sich wohl mein Training positiv auswirken. Und so bin ich trotz Brummi-Schwangerschaftsdasein recht schmerzfrei durch diese Zeit gekommen. Eigentlich eine Untertreibung. Vollkommen ohne Schmerz, die Geburt mal ausgenommen und trotzdem fing‘ der ganze Raubbau am Körper dort schon an.

Da ich sofort aufploppte und meiner Umgebung latent schon suggerieren wollte: „Hey, ich bin schwanger, auch wenn ich das noch nicht so rausschreien sollte und habe nicht einfach mal in zwei Wochen zehn Kilo zugenommen!“, schob ich den Bauch raus und machte ein „supertypisches“ Schwangeren-Hohlkreuz.

Um einen plötzlich riesigen Vorbau im Brustbereich zu vertuschen -Anmerkung einer Bekannten unter lautem Lachen: „So sah ich aus, als ich den Milcheinschuss hatte!“ -, schob ich die Schultern vor. Ganz Kate Moss in den 90ern, mit Händen in den Hosentaschen und Rundrücken. Was für eine saudoofe Haltung damals schon. Und was für eine saudoofe Entscheidung von mir. Denn von Kate Moss war ich eh‘ schon 70 Kilo weg, also warum jetzt auch noch so eine Fehlhaltung in Kauf nehmen? Aber gut, nun habe ich es getan.

Und mich daran gewöhnt!

Ich bin aber gar nicht so allein, denke ich. Kennt jemand diese Position? Sicher, oder? Schön die Schultern vor, den Blick und den ganzen Kopf gesenkt.

Wie man das eben so macht. Der Mensch braucht circa 30 Tage um sich an etwas zu gewöhnen beziehungsweise sich um zu gewöhnen. Eine Schwangerschaft dauert bekanntlich länger und ich hatte zwei Stück davon. Juheeee! Und nun, wo ich derzeit oft ein Kind auf dem Arm trage und ganz oft am Schreibtisch oder dem Smartphone arbeite, merke ich, diese Haltung tut mir überhaupt nicht gut. War theoretisch eh‘ klar, aber nun komme ich aus dem praktisch Bemerkbaren nicht mehr raus. Denn es beginnt weh zu tun.

Zum zweiten kann ich manche Übungen nicht mehr unbewusst sauber ausführen.

Gut, ich gebe zu, man sollte sich immer technisch unter Kontrolle behalten. Wird man irgendwann zu selbstverständlich, dann wird man auch gerne mal ungenau oder schluderig. Aber ich bin eine Pedantin, weil ich die Komplexität des Körpers wirklich grandios finde und wir ja eh‘ alle wissen, dass eins zum anderen führt. Und weil ich ganz einfach eine 150% perfekte Ausführung von mir erwarte, weil ich eine kleine Kritik-Else bin. Und wer kritisieren kann, der muss auch vorrangig auf sein eigenes Tun und eben Umsetzen achten. Sonst ist das meiner Meinung nicht erlaubt.

Zum dritten finde ich es sieht nicht schön aus.

Das sehe ich auf Fotos. Mein Mann macht in seiner unendlichen Liebe zu seiner Familie ständig Bilder von uns, die mich auch oft unvorbereitet und blöderweise in einer meist recht entspannten Position ereilen. Und auf vielen Bildern mache ich „die Schildkröte„, wie ich sie nenne. Ich wünschte es würde sich um eine grazile Yogaposition handeln. Aber davon ist „die Schildkröte“ weit weg. Ich sacke sozusagen mit meinem Kopf direkt auf die Schultern und die klappen zu allem Überfluss auch noch nach vorne. So sehe ich aus wie jemand über dem es dauernd Eisregen hagelt oder eben wie ein kleines langsames Tier, das oben einen runden Panzer trägt und gerade dabei ist, sich in diesem zu verkriechen.

Ich als Schildkröte. Klar, ist es hier auf dem Bild etwas übertrieben. Aber mache ich so weiter, dann komme ich da auch irgendwann hin.

Kurz, mein Brustmuskel ist verkürzt. Meine Rückenmuskulatur ist geschwächt und mein Zentrum hat irgendwie auch seine Kraft verloren, denn wenn ich auf meinen oberen Oberkörperbereich -Schultern und Brust- achte und sie in die richtige Position bringe, dann klappe ich gerne in einer Art Automatismus in ein Hohlkreuz und muss mich bewusst daran erinnern, dass ich mein Becken für eine aufrechte Haltung nach vorne kippen sollte.

Huch, und dann fällt mir auf, dass das ganz einfach die Grundhaltung auf dem bellicon ist, die ich immer jedem vorpredige und die ich im Alltag selbst so schwer einhalten kann. Deshalb habe ich beschlossen, ich starte nun für mich eine 30 Tage Challenge, die nicht die Plank-, die Sixpack-, die schlanke Beine-, die Knackpo oder die Best-Bikini-Body-Challenge heißt. Nö.

Ich starte die 30 Tage Gerade-Sitzen-Challenge!

Mein erster Versuch. Gerade sitzen. Das gewöhne ich mir jetzt in 30 Tagen an. Plank-Challenge kann ja jeder. Bewusst sitzen bei Arbeit, Essen und beim mit den Kindern schmusen, das wird meine ultimative Herausforderung, denn ich muss meinen unbewussten Sitz-Verhaltenscodex umkrempeln.

What? Ja! Denn ohne das, muss ich die anderen Challenges gar nicht angehen. Klar, wenn ich toll trainiere und alles kräftige, dann sitze ich automatisch auch irgendwann gerade. Aber ich bin eine Mami, die ihre „Frei“Zeit im Moment mit Arbeit auffüllen muss. Also fange ich beim Urschleim an und beginne mich in 30 Tagen an eine gerade und gesunde Haltung zu gewöhnen. Denn wie habe ich oben geschrieben, der Mensch braucht circa 30 Tage um sich an etwas zu gewöhnen. Das alte Gewohnheitstier! Nebenbei gehe ich diese Muskelgruppen in meinen Workouts an. Dann wenn ich Zeit dazu habe. Aber die Trainingszeit ist eben gerade geringer bemessen als die Arbeiten-im-Sitzen- und Kinder-Herumschlepp-Zeit.

Hat noch jemand Lust an so einer Challenge teilzunehmen? Ich bin mir nämlich sicher, dass es noch mehr Menschen gibt, die eben nicht den ganzen Tag trainieren können. Auch wenn sie es sich wünschten.

Daher stelle ich nun, während ich das schreibe, meine Füße fest auf dem Boden auf, meine Beine bilden im Kniegelenk ungefähr einen 90 Grad Winkel, mein Becken kippt leicht nach vorne und ich spüre sofort, dass da eine Kraft in meinem Bauch ist, die ich aktivieren muss. Meine Schultern lasse ich sanft von meinen Ohren weg gleiten und meine Schulterblätter sinken leicht nach hinten, als wollten sie sich in meinen Hosentaschen verstecken. Aus meinem Kopf lasse ich einen Faden ziehen, der meine Wirbelsäule in ihrer natürlichen Haltung verweilen lässt. Das Kinn ziehe ich ganz, ganz leicht Richtung Brustbein. In dieser Haltung spüre ich auch sofort meinen Hüftbeuger. Das Ding beziehungsweise der Muskel, der beim sitzen ständig gefragt ist und zur Verkürzung neigt, wenn man eben zu viel herumhockt. Vielleicht spürt ihr ihn auch? Vorderer Oberschenkel, Bereich ganz oben, dort wo man eben einknickt, wenn man sitzt. Ja? Was kann man denn gegen diese Verkürzung tun? Ganz banal, aber erst einmal immer wieder zwischendurch aufstehen und eben nicht zu lang sitzen. Klingt easy? Ich sage: Challenge accepted.

Ach übrigens, ich habe gar nicht weiter von meiner Zuckerfrei-Challenge erzählt. Die habe ich geschafft, mit dem wunderbaren Resultat, dass ich kein gieriges Bedürfnis mehr nach Süßkram habe. Wenn ich mal Lust darauf bekomme, dann treibt mich das nicht wie eine Wahnsinnige zum Süßigkeiten-Regal im nächsten Supermarkt, sondern ich zucke mit den Schultern und sage mir, wenn ich daran denke, dann kann ich mir was besorgen. Meistens vergehen dann noch ein paar Tage bis ich mich an meine Süßigkeiten-Lust wieder erinnere. Und wenn ich dann ein! Stück, – ja, ich! -, Schokolade im Mund habe, ist meine Reaktion: „Puhh! Das ist aber echt süß. Das reicht mir schon.“

Also, jetzt dann: 30 Tage lang gerade sitzen. Check.

Auch mit Smartphone gerade sitzen. Mal sehen. Das wird nicht leicht. Aber Challenge accepted!

In diesem Sinne freue ich mich auf Euch. Also Kopf hoch und Haltung bewahren. Auch in diesen Tagen.


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