Alles kla‘! Non c’è problema.

Auf der Arbeit stosse ich oft auf interessante Themen, Menschen und Thesen. Da sich bellicon sehr im gesundheitlichen Bereich engagiert und bemüht, trifft so auch fast jedes zweite Thema auf Typus Mami und/oder Typus Frau zu. Nicht, dass wir dauernd ein Wehwehchen hätten. Nein, wir sind eher die Wehwehchen-Unterdrücker und haben dann mit gravierenderen Folgeschäden zu tun. Ich merke, ich mache nicht gerade Werbung, um eine Mami oder gar eine Frau zu werden. Aber Fakt ist, wir zögern das Jammern gerne heraus und legen damit erst los, wenn es für uns unerträglich wird. Und ja, es gibt die ganz harten Mädels, die dauerhaft ertragen und nie den Mund aufmachen. Schön doof, denke ich. Und muss bei näherer Betrachtung zugeben, dass ich mich auch ganz schön oft „schön doof“ zum hinnehmen motiviere. „Einfach mal die Klappe halten“, sollte vielleicht tatsächlich einfach was für Männer bleiben. Jedenfalls wenn es um einen Schnupfen geht. Har har. Nun gut, ich kann aber auch maulen, wie ein Hafenarbeiter, daher gehöre ich auch ganz bewusst zur Kategorie Nervbacke, wenn ich mit der Gesamtsituation unzufrieden bin. Und so sollte es auch sein. Meine Meinung.

Aber weg vom maulen, zurück zum entdecken. So stieß ich also neulich bei der Arbeit auf die gesundheitlichen Ansätze, die von bellicon-Seite angegangen werden sollen und stolperte dabei im Recherche-Archiv über einen Eintrag, der lautete: Mami-Burnout. Katschonk! Und schon blieb ich hängen. Dass das schwingen auf dem Trampolin gegen Depressionen helfen kann, war mir klar, denn das ist generell ein ganz großes Thema bei bellicon. Aber so präzisiert auf eine Menschengruppe, meine Menschengruppe, das richtete meine volle Aufmerksamkeit natürlich sofort auf den Eintrag.

Eine Aussage auf dieser Mami-Burnout-Seite war für mich extrem prägnant, nämlich die, dass sich werdende Mütter in den letzten Wochen ihrer Schwangerschaft immer mit Vorwarnungen von allen Seiten, aber am liebsten von anderen Müttern und hier zähle ich Omas und so dazu, reinziehen müssten. Vorwarnungen, was sie da nach der Geburt für Anstrengungen erwarten würden. In dem was einem da erzählt wird, scheint eine Geburt ein Sommerpicknick auf dem Reiterhof zu sein. Na gut. Hier geht es aber gesondert um die Voraussagen der „weisen Frauen“ von Schlafmangel, Zeitmangel, Nahrungsaufnahmemangel, Sich-Selbst-Mangel und die ganzen Brocken, die da zu wuppen sein würden. Hey, schon gewusst, Schlafmangel ist übrigens eine Foltermethode. Und so ungeschönt wird es einer werdenden Mutter auch dargestellt. Ist ja auch nicht gelogen. Jetzt kommen wir aber zu der Kernaussage, die mich an diesem Text fasziniert hat.

Denn wenn es dann soweit ist und die Mutti aus dem letzten Loch pfeift, dann … passiert nichts. Keine Hilfe. Nüschte. Weil, ist halt so! Das Muttersein. In den allerbesten Fällen kann man sich noch Erzählungen von älteren Generationen reinziehen, wie beschwerlich das Mutter-Dasein noch ohne Waschmaschine und so war und wie sie das ganze ohne Hausmann und Haushaltshilfsmittel gewuppt haben. Da ist man als junge Mami natürlich erstmal schwer beeindruckt und traut sich natürlich nicht mal zu sagen: Öhh, ich könnte mal ne kleine Pause vertragen.

Der Zustand einer Mami kann an manchen Tagen oder auch oft dem der Kiste entsprechen. Chaos pur. Nichts passt. Zusammengehalten von einer fragilen, kurzweilig positiven Stimmung der Natur. Bei der Kiste dünne Plastikwände, bei der Mami die Laune des Umfelds.

Ok, ihr lieben jungen, frischgebackenen Mamis, hier ein kleiner Zwischenruf von mir, die ich jetzt zwei „Erfahrungen“ habe. Alle, die euch was erzählen wollen, wie toll sie sind, die sollen sich gerne ’nen Orden anstecken und ihn schön blank bürsten. Die schickt ihr am besten dahin, wo sie hingehören. Und euch schickt ihr, wenn die Brut pennt, auf die Couch. Denn das gute ist, die die an eurem klebrigen Fussboden rummäkeln, die sind ja zum Orden putzen geschickt worden. Und kümmern sich jetzt da drum und ihr holt euch bitte eure Pause. Denn ein Geheimnis ist, man vergisst alles. Vollkommen. Meine Zwerge sind noch klein und trotzdem habe ich schon sooo viel vergessen, dass ich behaupte, alle, die euch etwas erzählen wollen und deren Kids schon im Erwachsenenalter sind, die wissen heute nicht mehr ganz klar, ob ihnen vielleicht damals die Oma die Wäsche im Bottich gerührt hat. So. Punkt!

Und zurück zur Kernaussage: ja, is‘ so! Die Hilfe ist recht mau. Irgendwie nicht essentiell. Klar, ich höre auch von jungen Müttern, die mal erzählen, dass ihre Mutter kam, damit sie sich mal nur hinlegen konnten. Das ist super und das gibt es also auch. Ich schicke gerade jetzt ein Stoßgebet nach oben, dass ich auch einmal so weise sein werde und nicht wie eine Matrone nur erzähle, was ich alles geleistet habe. Nö, bitte merken: still und leise, aber dafür hilfreich sein.

Generell würde ich aber in der Tat behaupten, dass Frauen untereinander ein ganz spezielles Völkchen sein können. So ein bisschen, was ich geschafft habe, dass musst du auch hinbekommen, sonst … . Und schon formt das weibliche Gegenüber ein imaginäres L an der Stirn. Es scheint der ständige Vergleich zu zählen. Wer hat die längeren Beine? Wer hat die besseren Chancen? Wer hat weniger Orangenhaut am Hintern? Wer hatte die schlimmste und längste Geburt? Blub blub laber laber Rhabarber. Kurz, wer kann das schlimmste hinnehmen und dabei auch noch am besten aussehen? Du nicht? L! Arghh.

Ziemlich bescheuert, oder? Nun habe ich ja auch einmal berichtet, dass ich die Woche vor der Woche ziemlich unter PMS leide. Oft körperlich, aber manchmal tobsuchten meine Hormone auch einfach nur mental in mir herum, dass meine schlechte Laune mit mir Step tanzen möchte. Oder sagen wir mal so, es ist nicht richtig schlechte Laune, eher Kraftlosigkeit, Schlappheit und Ungeduld. Klingt höchst toxisch und ist es auch. Was mich erschreckt, ist dass es Menschen und eben auch oft Mamis gibt, die mit so einem Zustand auch noch die restlichen drei Wochen im Monat auskommen müssen und nicht nur ein paar Tage. Mein Mann wischt sich in diesem Augenblick die Schweißtropfen von der Stirn.

Mir gibt aber diese eine Woche die Gelegenheit Einsicht in ein überstrapaziertes Mamileben zu bekommen und vor allem Einblicke in den Gemütszustand derjenigen, die einfach schon vollkommen erschöpft sind. Berechtigt erschöpft.

Das sieht ungefähr so aus.

Der Wecker, Tochter, klingelt vor seiner Zeit. Vollkommen groggy hiefe ich mich hoch, um Kind Nummer 2 zu befriedigen. Mit Aufstehen und Frühstück. Kind Nummer 1 muss eigentlich mal wach werden, weil Schule. Kind Nummer 2 könnte noch schlafen, weil Kita. Kind Nummer 1 möchte nicht. Bekommt schlechte Laune. Tierisch schlechte Siebenjährigen-Laune. Ich kann das alles noch nicht ganz mental fassen, mein Geist ist noch nicht im Körper angekommen. Mein Körper macht routiniert, was er tun soll. Leider aber etwas langsamer und auch undurchdachter. Weil Geist fehlt noch immer. Die Zeit rennt. Kind Nummer 1 wird an die sechs Mal gebeten sich ins Bad zu begeben. Hat aber schlechte Laune. Mami wird das erste Mal laut. Der Geist hat sich zum argumentieren noch immer nicht eingestellt. Irgendwie bekommt man Kind Nummer 1 fertig und fast pünktlich aus der Tür. Mami ist selbst noch im Schlafanzug und hatte noch keinen Kaffee. Während Kind Nummer 2 sich bereits die Jacke anziehen will. Man versucht dem Zwerg zu erklären, dass man noch duschen möchte. Kind Nummer 2 bekommt schlechte Laune. Tierisch schlechte Zweijährigen-Laune. Man berührt, bereits selbst vollkommen bockig, ein paar Tropfen Wasser unter der Dusche. Haare waschen ist heute nicht. Da müssen die Kollegen jetzt mal durch. Kind Nummer 2 klärt in einer endlosen Viertelstunde ob es nun mit Wagen oder Rad zur Kita möchte. Das macht es mit der tierisch schlechten Zweijährigen-Laune. Es kann also laut werden. Nein, es wird laut! Das alles während ich mit der Zahnbürste im Mund versuche meine Sachen zu packen. Wir entscheiden uns für den Kinderwagen. Nachdem ich Kind Nummer 2 in der Kita verstaut habe, brauche ich noch mal 20 Minuten ins Büro, eigentlich nur fünf, aber mir sind die passenden Posts für die Social Media Kanäle eingefallen. Da ich geistig noch immer nicht ganz auf der Höhe bin und bevor ich die Ideen wieder vergesse, wird das auf einer Parkbank erledigt. Zählt ja schon als Arbeit. Dann ab ins eigentliche Büro. Abarbeiten. Dort warten bereits Aufgaben von drei vergangenen Wochen für drei Vollzeitkräfte. Dazu kommen tausend neue Infos via Mail, Telefon und Kollegen. Davon vielleicht drei brauchbar, aber der halbe Tag ist weg. Ach ja, ich bin ja Mami. Ich arbeite ja nur einen halben Tag. Blick auf die Uhr. In der Tat hätte ich noch eine Stunde. Aber die Kreativität, die ich brauche, hat Auszug gehalten. Der war das ganze zu blöd. Also starre ich dekorativ auf meinen Bildschirm. Ist halt doof so’n kreativer Job. Also beschließe ich, ich gehe früher. Ich brauche noch einen Kaffee daheim, bevor ich wieder die Kindererziehung übernehme. Meine Kollegen wünschen mir einen schönen Feierabend. Kommentar- und lautlos lache ich hysterisch in mich hinein. Ok, daheim. Kaffee. Endlich. Während der kocht: Wäsche aus der Maschine raus. Neue rein. Wäsche vom Wäscheständer abhängen. Nasse Wäsche aufhängen. Der Kaffee blubbert schon ungeduldig in seinem Espressokocher. Eigentlich muss ich noch einkaufen. Das bedeutet, Kaffee heiss exen. Ich entscheide mich gegen den Einkauf mit allen Konsequenzen. Das Kaffeetrinken hat zu lange gedauert, daher muss ich abwägen. Kind Nummer 1 oder Nummer 2 zuerst abholen? Ich entscheide mich für Nummer 1, der läuft zwar langsamer aber die Schule ist näher. Ich trudle mit Stechschritt in der Schule ein. Kind Nummer 1 spielt Fußball mit seinen Kumpels und versucht mich zu übersehen. Ok, dann geh‘ ich und hole seine Sachen. Dann aber los. Wir haben nur noch zehn Minuten bis wir in der Kita sein müssen. Kind Nummer 1 kann seine Enttäuschung nicht verbergen und fängt an zu weinen, weil er vom Fußballspiel losgeeist wird. „Mmmmpffhh.“ Das ist das einzige Geräusch und der einzige Gedanke, den ich nun nur noch in mir fassen und formen kann. Kind Nummer 1 will vor der Kita-Tür warten. Gut, dann halt so. Kind Nummer 2 ist aufgedreht wie eine Turbine. Klettert überall hoch, fällt, heult, will nicht mit. „Doppel-Mmmmpfhhhh.“ Irgendwann habe ich sie dann soweit. Noch ab zum Bäcker, sonst gibt es morgen kein Pausenbrot. Beide Kinder bekommen dort einen Keks und motzen sich lauthals gegenseitig an, wer den größeren bekommen hat. „Mmmmmpfffhhhh!!!“ Es regnet. Daheim wird noch eine kurze Keksdiskussion gehalten, an der ich mich nicht mehr beteilige, bis ich Kind Nummer 1 pädagogisch unwertvoll vor dem IPad parke. Erstmal Entspannung, nachher ist noch lesen und Klavier üben angesagt. Aber eigentlich ist es Entspannung für mich. Kind Nummer 2 soll baden. Das Wasser läuft. Hier sehe ich in den letzten Zügen des Waschmaschinengangs, dass mein Mann mal wieder nicht seine Papiertaschentücher aus der Hose genommen hat. Wäsche ist fertig. Ich öffne die Tür und mir kommt der feuchte Papierschnee entgegen. In den anderen drei Wochen lasse ich das unter Männertrottelig gelten. Nun bin ich allein und aus dem einfachen Wäscheaufhängen wird ein Wäsche ausschütteln, Wäsche ausklopfen, Waschmaschine reinigen, feuchte Fussel zusammenfegen in Bad und unter dem Wäscheständer. Das während mir ein kleines Stimmchen unentwegt „Mami, Mami“ direkt ins Ohr ruft. Die Tränen laufen mir unkontrollierbar und einfach nur noch so übers Gesicht. Und es ist erst 17 Uhr.

Das ist ein kleiner Einblick aus meinem Mami-Alltag. Und es gibt jetzt Millionen Mamis, die sagen würden: „Was? Woher weißt du, dass das gestern bei mir so war?“ Und ein kleiner Einblick auf meine PMS-Reaktion, nachdem mich unnötige Papierfussel einhüllen. Und nun gibt es leider ebenso Millionen Mamis, die jetzt sagen würden: „Was? Woher weißt Du, dass ich weinen musste?“ Und zwar nicht nur, wenn die Hormone mal wieder vollkommen bekloppt herumtoben.

Man muss nicht Eins und Eins zusammenzählen können, um zu bemerken, wenn es einer Mami nicht so gut geht. Auch wenn es oft heißt, dass Mamis ihre Popobacken zusammenkneifen müssen, so argumentiere ich dagegen und sage: „Kneift doch ihr anderen mal die Gesäßmuskulatur zusammen und bietet eure Hilfe an.“

Ich bin froh, dass unsere Kooperationsbeauftragte, diese Seite gefunden hat. Obwohl mir auch klar ist, dass ein bellicon hier nicht die Lösung des Problems ist. Es kann Erleichterung verschaffen und man kann durch das Training durchaus die grauen Wolken, die einem den Kopf umnebeln, vertreiben. Wenn man denn in dem Mami-Zustand überhaupt dazu kommt auf dem bellicon zu trainieren. Das scheint rein Freizeit-technisch recht unwahrscheinlich. Aber die Lösung besteht darin, dass andere mehr bereit sein müssten zu helfen. Und nicht einfach zu sagen, ich musste da auch durch. Und ja, dass wir Mamis auch bereit sein müssten, mehr Hilfe, wenn sie denn kommen sollte, anzunehmen. Ist nicht leicht, wenn man dauernd im Vergleich steht, dann noch zu sagen: „Hey, ich kann nicht mehr. Bitte hilf mir.“ Ein vollkommen bekloppter Kreislauf. Da gibt es nur eins: DURCHBRECHEN! Lasst doch Oma und Co. in ihrem Glück, dass sie noch tougher waren. Dann haben wir ihnen eben eine Freude gemacht. Sei’s drum. Und wir wissen ja, in unserer schnelllebigen Welt wären sie auch schon, selbst mit Waschmaschine abgeklappt. Ist so. Jede Zeit birgt ihre Haken.

Wir Mamis müssen mehr auf uns achten. Das hilft nicht nur uns, sondern auch unseren Kindern. Mehr Zeit für uns, mehr Ausgleich. Mehr Zeit nehmen, bedeutet auch, dass wir es dann mal auf ein bellicon schaffen. Hui. Aber mehr Zeit für uns bedeutet vor allem auch ein glücklicheres und ausgeglicheneres Leben. Und damit glückliche Kinder. Ich weiß, schlaue Sprüche von jemanden, der sich selbst immer vornimmt, sich mehr Freizeit zu gönnen. Aber wenn es erst einmal im Mami-Kopf angekommen ist, dann ist schon die halbe Strecke geschafft.

Ich gehe jetzt auf mein bellicon. Und was macht ihr? Ist eigentlich egal, Hauptsache es ist etwas entspanntes und etwas was euch gut tut. Im Notfall einfach mal das Beitragsbild nachmachen. Da habe ich mich aus purem Protest auf die Couch geknallt. Weil ich es kann! Viel Spaß dabei.

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Ob als Leser oder Teilnehmer.


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