Huch, zu spät! Oder der Lauf gegen die Zeit.

Ist heute Donnerstag? Ja, oder? Haben etwa gestern Menschen auf meinen Blog gewartet? Ich weiß zumindest von ein, zwei, die das taten. Darauf bin ich ganz schön stolz und nun komme ich dann plötzlich an einem Donnerstag mit einem Beitrag um die Ecke geschneit. Keine Sorge, der Mittwoch bleibt mein Tag. Allerdings hat mir der Alltag eine super Situation geschenkt, um in mein neues Beitragsthema einzuleiten. Und ja, eben mal „wieder“ verspätet mit treudoofem Blick zu sagen: „Miau, bin zu spät! Aber hier is‘ er!“

Ich wurde vollkommen pünktlich „erzogen“. Ich kam sogar überpünktlich auf die Welt. Ganze drei Tage zu früh. Zu Terminen war ich oft schon 15 Minuten „zum innerlichen ankommen“ vor Ort und jetzt … bin ich Mutter!

Tatsächlich stelle ich mir die letzten Tage, in denen ich die halbe Woche alleine mit den Kids rocke, die Frage:

Warum müssen Kinder sooooo früh wach sein, wenn sie dann doch für alles notwendige, wie Frühstück, Anziehen, Einpacken und so weiter, so lange brauchen, dass ich sie zu dem Zeitpunkt, an dem sie mit allem fertig sind, eigentlich schon wieder von Schule und Kita abholen könnte????

Mein Weg mit Kind. An manchen Tagen scheint die Brücke, wie in manchen Filmen, immer länger zu werden. Vor allem mit einem Blick auf die Uhr.

Und ja, ich weiß, ich bin nicht allein! Das kann einfach nicht sein, dass es nur mir so geht. Tagtäglich stelle ich mir mich in meiner Fantasie als Comic-Figur vor, wie ich mit wehenden, zerzausten, vom Kopf wild abstehenden Haaren und großen herausquellenden Augen im Turbogang einen befüllten Kinderwagen die Straße hinunter rase. Um, nachdem ich das Kind durch die Tür geworfen habe ( liebe Leser–> COMIC!!! nicht echt) mit derselben Geschwindigkeit die Treppen zu unserem Büro hinaufzusprinten und dann einfach ungebremst den Kopf auf die Tischplatte schlagen zu lassen. Manchmal schaffe ich es in meiner Vorstellung noch, mich hinzusetzen.

Zum Glück bin ich meistens so früh und ist meine Vorstellung nur in meinem Kopf gezeichnet, so dass ich nicht verwunderte Blicke bei meinen Kollegen auslöse. Hmmmm … ich muss nachdenken. Wahrscheinlich würde dann niemand mehr mit mir sprechen wollen? Noch einmal fünf bis zehn Minuten Zeit, die ich rausholen könnte. Blöder Witz!

Aber ehrlich, ich habe das mal an meinem Sohn getestet. Samstag, kein Wecker. Und trotzdem stand er um 6.30 Uhr auf der Matte. Ich fluchte ins Kopfkissen und klang dabei wahrscheinlich für alle Umliegenden wie Lord Voldemort. Na gut, dann stehen wir eben auf und merken uns, dass wir den Sohnemann am Montag, wenn er zur Schule muss, daran erinnern, dass das pünktliche aufstehen am Wochenende ja auch geklappt hat. Der gewiefte Leser und eventuell kindererfahrene Mensch liest schon heraus, dass sich bei meinem Sohn, das Thema mit dem frühen aufstehen schon etwas ins nie mehr aufstehen wollen wendet. Nur hat er das noch nicht für Samstage und Sonntage übernommen. Deshalb haben mein Mann und ich ja noch eine Tochter bekommen, die übernimmt den Weckdienst dann Montag bis Freitag. Aber gut, wir waren ja bei meinem Großen als Anschauungsobjekt. Für den Samstag hatten wir einen Ausflug geplant. Da wir das schon ein paar Mal durch hatten und es, obwohl das Kind sich das Ziel aussuchen konnte, des öfteren zu „fertig mach-Stress“ kam, wollte ich es heute vollkommen entspannt und ruhig angehen. Immerhin waren wir ja auch schon früh aufgestanden. Hatten ja Zusatzzeit. Achtung Zeitsprung! Jeder, der Kinder hat, darf sich die Zwischenzeit mit eigenen Anekdoten füllen. Um 12 Uhr mittags sagte ich ihm zum unzählbaren Mal, dass er noch im Schlafanzug rumläuft und dass wir doch nach XY wollten. Zu diesem Moment fragte ich mich auch schon selbst, was jetzt eigentlich mehr Stress ist? Das Kind zum anziehen zu stressen, wie gewohnt und dann mit Grummellaune auf dem Weg zum „Vergnügungsort“ zu sein. Wobei ich das Wort „Vergnügen“ ab dem ersten laut werden, dass man sich doch jetzt mal endlich die Zähne putzen solle, in Frage stelle. Oder war es nun tatsächlich mehr Stress, die tickenden Zeiger der Uhr zu beobachten, sich in Gedanken riesige Warteschlangen auszumalen und dann noch die Mittagsschlafzeiten der kleinen Schwester in alles einzukalkulieren? Mir wurde klar, eigentlich ist es egal, es stresst mich irgendwie beides. Darauf beschloss folgende Ansage: „Wenn es zu spät wird, dann gehen wir nicht mehr!“ Antwort: Schulterzucken. „Brrrrrrrrummmm!“ (Autogeräusch!) Er war einfach gerade voll im Spiel.

„Gut!“ dachte ich, „er spielt ja auch schön und ist ja beschäftigt!“ 17.36 Uhr! Diese Uhrzeit habe ich mir wirklich gemerkt!! „M.A.M.A.? Wann gehen wir los?“ Ich erwähne nun nicht, dass er noch immer den Schlafanzug trug. Und ich glaube ich hätte gerne ein Foto von meinem Gesichtsausdruck in diesem Moment. „Mein Schatz, wir gehen nicht mehr los. Es ist jetzt viel zu spät. Das habe ich dir aber gesagt.“ Von dem Wutgeheul hätte ich gerne keine Aufnahme und keine Erinnerung mehr. Und Kinder können so ausdauernd sein. Im Wutgebrüll. Im Anziehvorgang. Im Zubettgeh-Vorgang. Im Einschlafvorgang.

Mir war nur eins klar. Lässig und locker funktioniert tatsächlich nicht. Man muss immer hinterher sein und die Kids durch den Vormittag jagen. Damit zumindest wenigstens sie stressfrei(?) zur Schule oder Kita kommen. Wobei sie es gar nicht stressig fänden erst um 16 Uhr loszugehen. So lange wir hier noch ein unterschiedliches Zeitempfinden haben, werde ich wohl weiter um 5.30 Uhr aufstehen. Wie gesagt, meine Tochter hat jetzt den Morgen unter der Woche als Weckdienst übernommen. Und sie macht keine halben Sachen! Und trotzdem komme ich dann eben hechelnd erst um 8.30 in der Arbeit an. Obwohl ich mir 8 Uhr vorgenommen habe. Aber wer weiß, vielleicht hat ja dort noch eine Socke gekniffen, eine Sammelkarte gefehlt oder vielleicht musste auf dem Weg noch Rrahrad (*Fahrrad) gefahren werden und der Ughsaak (*Rucksack) saß dabei nicht richtig. Und weil ich mich so, immer einer kleinen halben Stunde meiner Arbeitszeit beschneide, kommt mein „Zuspät-Beitrag“ etwas zu spät.

„Kommen schon!“ möchte ich manchmal die Straße runter rufen. In der Hoffnung, dass mich jemand in der Kita und im Büro hört.

Nächsten Mittwoch bin ich aber pünktlich. Denn am Wochenende ist bellicon JUMPING Day in Berlin. Da kann man sich mit überschüssiger Energie volljumpen. Das nehme ich mir mal vor.

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Ob als Leser oder Teilnehmer.


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