Friedhof der Schmuddeltiere

Auf diesem verweilen so manche meiner Lieblingsklamotten. Immer ganz besonders dann, wenn sie mit mir verreist sind. Da ich sowieso schon eine miserable Kofferpackerin bin. Denn ich bin mir immer sicher, dass ich für jede Eventualität, die sicher eintreten könnte, sicher sein muss. Das könnte der Sandsturm in Hamburg sein, aber auch ein Tsunami auf der Zugspitze. Ich würde es eine Art Tick nennen und jeder kann sich jetzt ausmalen, wie das Ausmaß meiner Koffer aussieht, wenn ich in einer Zwischensaison, wie Frühling oder Herbst verreise. Da kann ja alles kommen! Mein Lieblingsmonat ist der April. Seit ich Kinder habe und für drei packe, kombiniere ich mein Untalent mit blanker „Da kann man sicher keine Windeln kaufen-Hysterie“. Ok, bei Kind Nummer Zwei bin ich etwas cooler geworden, aber ich bin die Frau, die auch schon ihren Smoothie-Mixer mit auf Reisen genommen hat. Mehr Info gebe ich euch jetzt aber nicht! Den Rest muss wirklich eure Phantasie machen. Mein Mann konnte es sich vor unserer ersten gemeinsamen Reise nicht ansatzweise so schlimm denken und ist nun schon Tage vor unserer Abreise fix und fertig. Meistens straft er mich dann damit, dass ich in einer recht „verzwickten“ Lage im Auto irgendwo mit ihm und den Kindern hinfahren muss. Das Auto sei ja wegen mir so voll. Es sei ihm gegönnt. Ich bin ja beweglich.

Nach ein paar Reiseerfahrungen mit mir gelobte ich ihm Besserung. Mein Vorsatz: fortan aus drei Tagen gepäcktechnisch nie mehr drei Wochen machen. Allerdings fällt mir mit dezimierter Garderobe ganz extrem mein Schmuddeltier-Dasein auf. Mein Lieblings-Shirt, schonend von anderen Shirts im Koffer bis zu seinem Einsatz lieblich umwickelt, wird beim Anziehen erst einmal mit Deo in Kontakt gebracht. Gut, mein Fehler. Meine Tochter bekommt darauf einen Wutanfall beim Zähneputzen und verteilt den Rest ihrer Zahncreme auf meinem Oberteil. Zum Glück passt ja nicht so viel Zahncreme auf eine Babyzahnbürste und der Großteil war schon abgeleckt. Beim Frühstück schwört mein Sohn auf Schokocreme hat aber ein Problem mit dem Messer. Kleiner Tipp. Auch Streichmesser sollen nicht aufgefangen werden!

Die Gefahr lauert überall!

Als mein Großer noch klein war hatte ich so eine fast krankhafte Motivation sauber durch den Tag zu kommen und hätte in dem Fall eben beim Frühstück bereits die dritte Klamottenkombo am Leib. Seit Kind Nummer zwei, ist mir klar, ich muss entspannter werden und mir sagen, ich bin Mutter und ein Schmuddeltier. Gerade unterwegs. Da kann ich nicht schnell mal waschen. Da ist es und da bin ich eben so. Schmuddelig.

Allerdings ereilt mich diese Art positive (?) Resignation (!) nun auch schon daheim. Einmal begegnete ich einer bekannten Mami mit einem vollkommen von Brezellauge beschmierten T-Shirt. Und sie musste nur lachen und hat die Flecken sofort als Brezel erkannt. Das gab mir das Signal, dass sie diesen Zustand kennt. Das ließ mich immerhin etwas erleichtert aufatmen.

Ich mit Lätzchen! Noch Fragen?

Aber trotzdem, ich schaff es nicht! Ich schaff es nicht sauber zu bleiben und sauber auszusehen! Und es macht mich wahnsinnig. Entweder ich schaue bei anderen Mamis nicht so genau hin, oder alle anderen schaffen es?!? Ich auf jeden Fall nicht.

Wenn ich mit meiner Tochter spiele, rubbel ich mir auf dem Boden die Knie meiner Jeans dünn. Meine Shirts bekommen immer etwas ab, bei fast jedem hochnehmen meiner Tochter. Sie ist eine professionelle Krümelsucherin und muss Störkrümel an mir abreiben. Sie beisst auch gern mal Stoff oder sabbert einfach aus Spaß mein T-Shirt an. Voll lustig. Findet zumindest sie.

Wie schon angemerkt, bei meinem Sohn zog ich mich meinem Wahn verbunden mindestens fünfmal um, da ich nicht einsehen konnte und wollte wie ein Fleckentroll herumzulaufen. Bei Kind Nummer Zwei hatte ich aber begonnen meine Garderobe umzustellen. Auf „weniger ist mehr“. Durch meine immensen Gewichtsschwankungen konnte ich mich eh von einigen Kleidungsstücken verabschieden, ob nun zu groß oder zu klein. Damit einmal begonnen, dachte ich darüber nach, meine Garderobe nur noch mit Fair Trade-Produkten zu bestücken. Und eben die Lieblingsteile, in die ich wieder reinpasste im Kleiderschrank zu belassen. Dadurch fiel auch fünf Mal umziehen grundsätzlich flach. Outfit Nummer Sechs wäre dann „nackig“ gewesen. Soll heißen, es gab und gibt gar nicht mehr die Masse an Kleidung in meinem Schrank. Dafür bin ich jetzt eben ein Schmuddeltier. Und an manchen Tagen macht es mich wirklich wahnsinnig.

Dann nehme ich meine Tochter nur mit einer Armlänge Abstand hoch…. Bis sie mir zu schwer wird. … Resignation. Schmuddeltier! Oder es gibt halt kein Eis. … Lautes Geschrei. … Resignation. Schmuddeltier! Oder laufe vor ihr weg. Läuft lachend oder schreiend ( kommt darauf an, ob sie denkt ich spiele mit ihr Fange) hinter mir her. Bei Fange leider mit ausgestreckten Händen. Oder wird richtig sauer, weil sie mich nicht kriegt. … Lautes Geschrei. … Resignation. Ihr wisst schon.

Mein Lieblingsdreck. Sand! Bröckelt ab, wenn er trocken ist. Liegt dann halt in der Bude rum, als wolle man eine karibische Cocktailparty mit Freunden feiern.

Ich suche noch immer nach dem Geheimnis sauber zu bleiben. Aus meinen Erfahrungen von Kind Nummer Eins mied ich zumindest so etwas wie Karottenbrei oder dergleichen. Einmal hatte ich aus Versehen Rote Beete -Maisknabberzeug gekauft. Als ich meine Tochter aus dem Kinderwagen lüpfte, ereilte mich sogleich die Strafe und ich dachte nur: „Mutter! Wie dämlich!“

Das Problem ist aber auch, ich liebe Karotten. Und Rote Bete. Und Spinat. Und Heidelbeeren. Und so weiter. Ich kann doch nicht aus Angst vor einer Sauerei nun einfach auf alles verzichten. Oder noch schlimmer meine Tochter auf alles verzichten lassen, nur weil sie es in ihrem Alter noch nicht so mit dem Geklecker drauf hat. Mein Großer übrigens auch noch nicht. Ein Fiasko für meine Outfits. Somit landet alles mit Fett-, Karotten-, Spucki-, Schoko-, Teer- (JA! Kam auch schon vor!) und anderem unangenehmen Zeugsfleck weiterhin auf dem Friedhof der Schmuddeltiere. Und ich lebe damit, dass ich wohl eins bin. Wenn es ganz schlimm ist, denke ich einfach verträumt an die Szene in Sex and the city, in der die Tochter von Charlotte ihre mit Himbeersauce verzierte Finger auf das Designerkleid ihrer Mutter drückt. Kann immer schlimmer kommen und zum Glück trage ich nie so teure Outfits beim backen. Vielleicht gibt es ja gute Tipps wie man auch schon seine Normalo-Outfits vor fleckigen Krabbelfingern retten kann? Meine Sportklamotten blieben bis dato noch verschont von den großen Einsau-Künsten meiner Zwerge. Das ist wahrscheinlich ein Zeichen. Also schmeiß ich mich am besten öfter in diese und schwing und jumpte mich schmuddelfrei.

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Ob als Teilnehmer oder als Leser.


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