Ferien!

Als Mami sage ich jetzt mal so, dieses Wort muss man mal eine Weile alleine stehen lassen. Wirken lassen. Spürt ihr es? Leichte Freude gemischt mit einer sich etwas stärker bemerkbar machenden Gänsehaut? So ein kleiner kalter Schauer, der nicht von der Klimaanlage aus dem Auto her rührt. Nein, der kommt von ganz tief unten.

Ich weiß nicht, ob sich diese Empfindungen pro Schulkind steigern lassen? Oder ob man irgendwann nur noch mit den Schultern zuckt? Ich meine, das gute an mehr als einem Kind ist ja tatsächlich, dass sie sich auch zeitweise gerne miteinander beschäftigen und eben spielen. Sie streiten auch gerne laut. Finden sich dann gegenseitig doof. Und machen sich gerne gegenseitig das „Gebaute“ kaputt. Oder hauen und kneifen. Und ihnen ist auch einfach mal so zwischendurch voll langweilig. Und nur Mami kann helfen. Oder eben auch nicht. Denn jeder Vorschlag wird mit: „Das ist auch voll langweilig!“ abgeschmettert. Bis man zum Ideen ausgelutschten, unkreativen Mombie wird und schnarrt: „Dann musst du dir selbst etwas suchen! Ich muss jetzt erst mal Hirn essen, sonst fällt mir nichts mehr ein.“

Manchmal möchte ich auf die Fähre, um vor Vorschlägen, die ich zur Bespassung meiner Kinder machen soll, davon zu fahren.

Da ich Anfängermutter bin, zumindest was den Status Mum-mit-Schulkind angeht, erzähle ich gerade von Wochenenden. Eigentlich nur einem Tag. Samstag oder Sonntag. Das dürft ihr euch aussuchen. Ab morgen stehen mir 46 dieser Tage wie Trutzburgen gegenüber. Wer jetzt nicht schwer schluckt, bei dem weiß ich auch nicht. Früher dachte ich immer, wer dreht denn diese Videos von Eltern, die ihre Kinder am ersten Schultag nach den Ferien zur Schule tanzen? Aber auch schon als Anfängermutter, vor ihren ersten großen Ferien, habe ich da so ein tiefes, wissendes Gefühl, dass ich einen ganzen Tanzkurs für Tag 47 belegen möchte.

Natürlich muss ich nun mein Selbstmit-„Leid“ etwas schmälern, denn ich lebe in Berlin. Hier gibt es einen Ferienhort, der die Kids für drei einhalb Wochen, also 17 Tage übernimmt. Das heißt mir bleibt ausschließlich die Hälfte der Kidsbespaßung überlassen. Allerdings gegen das Ferienprogramm unseres Schulhorts anzustinken, ist ganz schön schwer. Da stehen diverse Besuche vom Kletterwald über Bowling bis zum Tierparkbesuch auf der Tagesordnung. Und wenn ich das Kind dann wieder bekomme, hat es alles schon gemacht, worauf ich auch gekommen bin. Na gut, vielleicht hab ich ein bisschen gespickt und bin einfach vollkommen ideenlos. Weil meine Tochter auf ganz andere Sachen steht wie mein Sohn, einfach wegen des Altersunterschieds. So bin ich geneigt, mir schon vor einer Grübelattacke, gerne mal die Wegfahrsperre (oder besser Losfahrsperre) zu verpassen.

Ferien auf dem Bauernhof. Ein Tipp, den ich unbedingt mal umsetzen möchte. Die Kinder sind sicher dauerbeschäftigt.

Aber mein Phlegma in Kinderbespassungsideen mal dahin gestellt. Worauf ich als zweites aufmerksam wurde ist, wie machen denn das all die Leute mit ihrem Urlaub??? Ok, schon klar, sie nehmen ihn in den Ferien ihrer Kinder. Ich habe jetzt das Glück in einem Bundesland zu leben, in dem es zu einer teilweisen Ferienversorgung kommt. Aber eine Freundin aus Bayern erzählte mir, dass es dort etwas anders aussieht. Immerhin gäbe es mittlerweile einen Nachmittagshort und auch schon bedingt einen Ferienhort. Und trotzdem bemerkt sie doch als kleinen, eisigen Hauch unverständigen, unheilvollen, es anders wissenden, kopfschüttelnden und pseudobesorgten Blicke hinter den nachbarschaftlichen Hecken, wenn sie ihre Kinder dort abgibt. Bei all den Adjektiven wäre mir fast rausgerutscht „verwahrt“. Aber ehrlich, ihr lieben Heckenversteckgucker, wie soll es denn anders gehen? Ich muss es so sagen, wie es ist. Ich an die Berliner Verhältnisse und Begebenheiten gewöhnt, musste voll dumm glotzen! Nicht weil unser Flughafen plötzlich zur Reisesaison fertig geworden wäre. Neee, weil es bei uns voll normal ist, weil ja, nochmal gefragt, wie soll es denn anders gehen??? Ich muss ja bereits für die Hälfte der Sommerferienzeit drei Viertel meiner Urlaubstage nehmen! Wie macht man das denn, wenn man sechs Wochen mit seinem Kind spielen muss? Wenn das Argument jetzt das ist, dass man ganz zu hause bleiben soll, dann werd ich aber schnippisch. Und erwidere dann: Is‘ kla‘ un‘ morjen wird wieda der Ablass, dit Korsett, der Keuschheitsgürtel einjefüahrt un‘ dit Frauenwahlrecht abjeschafft?“ Ja, ihr seht schon, da bekomm‘ ich ganz schnell Fahrtwind. Und ja, nach der Erzählung meiner Freundin habe ich echt, echt doof und ungläubig aus der Wäsche geguckt. Nun gut, ich lebe ja nun nicht in Bayern auf dem Land und auch nicht in einem anderen Bundesland, im den das vielleicht auch so Nicht-geregelt ist. Und doch muss ich wieder staunen, wie bedingungslos und ohne Kommentar es klar ist, dass Muddi daheim bleiben soll. Gut, bei mir damals als Kind war es auch nicht anders. Aber ich wurde morgens losgeschickt und kam halt abends wieder rein. Ist aber heute voll oldschool, so gar nicht zu wissen, wo der Nachwuchs gerade steckt. Mein Mann redet dann immer ganz pragmatisch von einem GPS-Sender, den er irgendwo an unseren Kindern installieren möchte. Ich sage ihm dann unschöne Sachen ob seiner Idee und erkläre ihm, auch ganz pragmatisch, dass es so eine Art Elternzeit für Ferien geben müsse. Halbe-halbe für Mami und Papi. Ich weiß, viele Familien fahren gemeinsam in den Ferien weg. Aber wie lange? Drei Wochen? Und wenn man dann keinen Hort hat? Dann ist die restliche Zeit meistens für Mami, oder? Er findet allerdings meinen pragmatischen Vorschlag so Stulle, wie ich seinen. Wobei ich glaube, wenn wir uns an so eine Art Arbeitsteilung gewöhnt hätten, da wäre das gar kein so „verschrobener“ Mami-Gedanke.

Klar, gibt es da auch noch Omas und Opas. Aber eben nur in manchen Fällen. Das heißt übersetzt, die Eltern mit diesem Zugang haben so ein Glück, wie ich mit meinem Ferienhort. Nun sitze ich hier, und stelle mir Fragen, wie das mit den Ferien so in der Praxis laufen wird. Wie ich, ganz egomäßig, auch etwas von meinem Urlaub haben werde. Den ich ja eigentlich nehmen soll, um mich von meiner Arbeit zu entspannen und zu erholen.

Damals! Urlaub war Entspannung von der Arbeit.

Ich muss nicht erklären, dass wir natürlich als Anfänger-Eltern auch noch ganz schlecht sind, was die Buchung eines Urlaubs im Vorjahr angeht. Oder noch früher. Erst neulich meinte eine befreundete Mutter zu mir, dass ihr Lieblingsferienort bereist bis 2023 ausgebucht sei. Wat is dit denn? Da hat man mal eine kleine Oase gefunden. Und dann haben es noch tausende andere auch. Klar, kann ja keiner anders, der ein Schulkind sein eigen nennt. Und da stellen sich mir das zweite Mal die Nackenhaare auf. Überfüllte Strände, Hotels, Bergpfade, Bauernhöfe, Ferienhütten, Camps und Zeltplätze. Ich bin ja leider so, dass ich in meiner Ruhe-Runterkomm-Entspannungs-Erholungsphase mit niemanden Windelsmalltalk halten möchte. Ich möchte schweigen, Ruhe und ein Buch lesen. Schon mit Kind kompliziert genug umzusetzen. Wenn man dann noch auf kontaktfreudige Miteltern trifft, greift bei mir leider wieder das Mombie-Gen. Für alle Außenstehenden guck‘ ich komisch. Manchmal hilft das ja, um kurz mal Ruhe zu bekommen. Ich bekomme aber auch ein wenig ein schlechtes Gewissen, denn eigentlich ist es ja schön, wenn Menschen so aufeinander zugehen können. Aber zumindest in der ersten Urlaubswoche bin ich der Ferien-Grinch.

Am liebsten nur aufs Wasser starren und nicht sprechen in der ersten Urlaubswoche.

Ihr seht schon, oder ihr wisst es vielleicht aufgrund von Erfahrung einfach schon besser, ich gehe wahrscheinlich erst in circa 15 bis 17 Jahren wieder in Urlaub. Nebensaison, weit weg von der Zivilisation und die Kids haben sturmfrei.

Hach, ich glaube, ich muss aufs Trampolin. Mich entspannt hüpfen. Die bösen Bilder aus dem Kopf jumpen. Den Schädel frei bekommen und so meinen kreativen Denkapparat wieder anschalten.

Wahrscheinlich suche ich einfach meine Familie heim. Wie schon im letzten Beitrag erwähnt. Und ja, und nur mit Permetex®-Gamaschen von meiner Freundin, sonst denk‘ ich noch den ganzen Urlaub nur an Zecken. Da kommt man dann auch nicht runter.

Ach ja, Ferien. In dieser schönen, entspannten Sommerzeit gibt’s dann erstmal nur noch Mittwoch was zu lesen. Macht die Sonntage was anderes schönes, wie Picknick, Baden oder eure Kids bespassen. 😉 In dem Sinne freue ich mich weiterhin auf euch, ob als Leser oder Teilnehmer.


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