Mama’s Kopfmaschine

Andere nennen es auch „Mental Overload“. Und es wird immer mehr darüber geschrieben. Zum Glück sage ich da nur. Und schließe mich an. Denn mal ganz ehrlich, wer macht sich denn zu erst ’nen Kopp, warum man so formvollendet fertig ist, sobald die Sonne das Licht ausknipst? Wäre ich noch ehrlicher, würde ich sagen, ich bin oft schon fertig, da hat sie noch nicht mal angeknipst. Und dieser Zustand ändert sich dann auch den ganzen Tag nicht.

Luft raus. Wie auch oft bei mir ab einer bestimmten Uhrzeit.

Vor der Geburt meiner Tochter wunderte ich mich noch, dass mein Mann oft schon nach einem gemeinsamen Saunabesuch sagte, dass er sich nach den zwei Stunden vollkommen entspannt fühle. Ich persönlich schlug innerlich noch genauso Rad wie beim ablegen der Klamotten. Auch im Urlaub, konnte ich ihn das oft sagen hören. Und das, obwohl er eigentlich einen Super-Dad-Anzug verdient hätte. Ich fragte mich ewig, was macht oder kann er, was ich nicht kann? Während ich noch grübelte, sagte er ganz lapidar: „Du kannst halt nicht abschalten!“ „Ja! Aber was?“ wollte ich schon keifen. Und ich bin mir heute sicher, dass noch nicht einmal er damals wusste, wie recht er hatte.

Das schreibe ich jetzt so, weil ich selbst erst, nachdem ich einen Beitrag auf „Echte Mamas“ gelesen hatte, darauf kam. Was denn das nun ist, mit dem ständigen müde sein. Was denn mit mir los ist, seit ich Kinder und Familie habe. Das Gelesene plapperte ich natürlich auch gleich an meinen „weisen“ Mann weiter, der darauf nur unsicher und verwundert guckte. Das lag nicht am Erzählten, sondern daran, dass der Urlaub schon ’ne Weile her war und seine weise Aussage schon vergessen. Männer können das. Vergessen. Zu dem was ich erzählt hatte, zuckte er nur mit den Schultern und meinte: „Das ist doch alles nicht so wichtiges Zeug! Worüber du dir Gedanken machst. Entspann doch mal!“ Auch genau das wurde in dem Echte Mamas – Beitrag beschrieben. Und drückt die ganze Misere und das Schulterzucken meines Mannes aus.

Es fällt erst auf, was wir rödeln, wenn wir es NICHT mehr tun!

Wer sich nun immer noch am Kopf kratzt und sich fragt, was will diese Frau denn? Dann sage ich es mal so: Wir Muttis schalten unseren Kopf nie ab! Nie! Nie! Man erinnere sich an meinen Schul-Beitrag, in dem ich nachts in einer Wachphase imaginäre Emails an Lehrer schrieb.

Bei Mental Overload geht es, um die Organisation des gesamten Familienapparates. Im Kopf. Und in Gedanken. Auf imaginären To Do -Listen. Und ich blicke aufrichtig dankbar nach oben, dass wir nur eine vierköpfige Familie sind. Ansonsten würde ich durchdrehen. Diese Organisation findet, wie eben geschrieben zum Hauptteil in den Köpfen von uns Mamis statt. Der Rest ist dann die praktische Umsetzung. Die kann / könnte man aber / eventuell / vielleicht auch mal weiter delegieren. (Warum dieser Satz so viele Schrägstriche hat, kommt später.)

Es geht hier also tatsächlich um Kopfarbeit über so „banale“ Dinge, wie mein Mann sie nennen würde, wie, müssen diese Klamotten noch gewaschen sein, damit sie mein Liebster auf seine nächste Geschäftsreise mitnehmen kann? Was muss in die Reinigung? Wann ist noch einmal dieser Kindergeburtstag zu dem mein Großer eingeladen ist? Dafür muss noch ein Geschenk besorgt werden. Wann ist der nächste Elternabend? Muss ich in der Woche noch irgendwann eine Abholung für eins der Kinder organisieren, weil ich einen Termin hab? Was muss noch auf den Einkaufszettel? Wieviele Hosen ohne Loch besitzt mein Sohn noch? Habe ich die Sachen für den nächsten Ausflug schon besorgt? Wann ist noch einmal das kleine Kitafest? Hierfür muss ich noch das Bananenbrot backen. Dafür muss ich noch Zutaten einkaufen. Mein Großer wollte kommendes Wochenende mit dem Rad fahren. Wann hole ich es aus dem Keller? Es muss noch aufgepumpt werden. Pünktchen Pünktchen Pünktchen … . Auch wenn es um irgendwelche Besuche geht, sei es von Kumpels oder anderen Familienmitgliedern, dann wird selten mein Mann angeschrieben. Nein, meistens wird die Muddi gefragt.

Ich glaube, diese Liste kann jede Mami noch endlos weiterschreiben. Und mein Mann und vielleicht noch andere, zucken eben eventuell mit der Schulter. Bis diese Dinge eben wirklich einfach nicht mehr getan werden. Und die Familie im Chaos versinkt. Das schlimme daran ist …

Tatsächlich ist das nicht so! Mit dem Chaos. Oder anders gesagt, es geht ja immer „irgendwie“. Ich war ja auch schon mal ein paar Tage ohne Familie unterwegs. Gut, ich habe das vorbereitet. Meist unbemerkt und ungesehen. Aber letztendlich stören sich mein Mann und meine Kinder keinen Pups am Chaos. Denn sie sehen es einfach nicht.

Oder nur alle halbe Jahre fällt es mal auf, wenn etwas nicht so ist, wie es ihrer Ansicht nach sein sollte. Dann wird Beschwerde eingelegt. Der Briefkasten hierfür, hängt natürlich auch auf meiner Bettseite.

Soll jetzt heißen, selbst wenn wir Mamis, diese Dinge nicht in unserem Kopf dauernd rotieren lassen müssten, wie die anderen Mitglieder der Familie so offensiv behaupten. So würden die Beschwerden genau dieser Familienmitglieder, über das Nichtgeschehen oder Fehlen mancher Sachen, letztendlich doch dann wieder bei Mutti landen. Ein Teufelskreis. Wie eben auch unsere Gedanken im Kopf.

Tatsächlich habe ich schon oft darüber nachgedacht die Arbeit niederzulegen. Aber der Gedanke, dass es mich in Form von unendlichen Wäschebergen, ungekauften Geschirrspüler-Tabs und mißgelauntem Anhang dann doch wieder trifft, lässt mich davor zurückschrecken.

Manchmal unbesteigbar. Himalaya-Wäscheberg im Bad!

Aber ich bin besser geworden. Auch wenn ich das Denken nicht stoppen kann. Wobei ich tatsächlich noch nicht weiß, ob dieses „besser werden“ wirkliche Entspannung oder einfach nur Resignation ist. Darüber muss ich noch nachdenken. Ha Ha!

Allerdings lasse ich meinen Sohn mittlerweile in zerrissenen Jeans rumrennen. Sind ja auch gerade in. Auch bleibe ich locker, wenn Besuch ansteht. Unser Boden klebt halt. Das muss so. Und ich finde, den dann aufkommenden Putzwahn meines Mannes, bei angekündigtem Besuch mittlerweile ganz lustig. Früher bin ich wahnsinnig geworden bei all der Aktion. Auch habe ich es aufgegeben, ihm zu erklären, dass man mit pur aufgesprühtem Badezimmerreiniger keine Bodenfliesen putzt. Riecht ja gut. Klebt aber wie vorher.

Ihr seht, irgendwie tapse ich mich langsam und mit torkelnden Schrittchen raus aus diesem Kopf-Moloch. Das Leben als Mama Flodder ist auch viel schöner und entspannter, versuche ich mir zu sagen. Vielleicht schaffe ich ja irgendwann die Perfektion der Gelassenheit. Das würde bedeuten, ich schaffe es auch gekonnt Aufgaben abzugeben. In tiefem Vertrauen, dass die dann auch umgesetzt werden. Und in tieferem Vertrauen, dass sie so umgesetzt werden, dass wir nicht im familiären Chaos versinken. (Schrägstrich-Alarm!!! 😉 )

Außerdem denke ich, auch in beziehungstechnischer Sicht wäre mehr Gelassenheit beim Abgeben von Aufgaben ein Pluspunkt. Oder mehr Gelassenheit generell. Denn auch, wenn mein Mann und ich ein Superteam sind, so bekomme ich Schnappatmung, wenn ich meinen Mann um etwas bitte und er in irgendeinem, von mir unbewusst gesendetem Subtext verstanden haben muss: Mach das bitte im Jahre 2056. Denn während er in meinen Augen die Ruhe weg hat, rödelt es nun in meinem Oberstübchen erneut zum alten Thema. Viele verstehen jetzt sofort was ich sagen will. Für die, die es nicht gleich sehen,

hier die Erklärung:

Die Aufgabe wurde verbal abgegeben. Als Mutter und Frau (man hat auf den Lies-meine-Gedanken-Anspruch verzichtet und den Mund bewegt!!) klopft man sich im ersten Moment mit geschwollener Brust auf die Schulter und gießt sich einen Yogi-Tee auf. Man kann also den Gedanken von seiner To Do-Liste streichen. Und Aufatmen. Puh. Freiheit! Noch während das heiße Wasser über den Teebeutel läuft, blubbert es im Kopf aber hoch: „Hoffentlich macht er das rechtzeitig.“ Juhu! Ein neuer Gedanke wurde geboren. Ein neuer Gedanke zum eigentlich gerade abgeschlossenen Thema. Mama beruhigt sich erstmal selbst mit den Worten: „Doch, doch, macht er schon, wenn nicht HEUTE, dann MORGEN!“ Allerdings verzahnt sich dieser Beobachtungs-wann-passiert-es-Gedanke im oberen Laufwerk. Lässt einen nicht mehr in Ruhe bis das Gehirn ein bis zwei Wochen später(!) Notsignale an den Organismus sendet und zur Eigenorganisation des ganzen aufruft. Daraus resultiert des öfteren der Spruch: Wenn man es nicht selber macht. Was das angeht, sei’s drum. Aber diese fiesen Verfolgergedanken, die noch zu den anderen, die man ja eh hat, dazu kommen, die sind der Harmoniekiller schlechthin.

Ihr lieben Männer, ihr seid so toll und ihr helft heutzutage immens viel mit. Ich kenne Opas die rollen die Augen über eure heutige Leistung. Und lasst euch davon nicht abbringen, denn die sind nur neidisch, dass sie damals nicht so viel mithelfen konnten und durften, wie ihr heute. Und wir, eure Frauen sind euch für euer Engagement so unendlich dankbar, ABER wenn wir euch um etwas bitten, dann meinen wir JETZT!!! Der Gedanke, war nämlich schon wenigstens drei Tage in unserem Hirn zu hause. Drei Tage, in denen wir euch damit nicht belästigt haben. Und weil der Gedanke schon so alt ist, muss er einfach JETZT in die Tat umgesetzt werden. Weil JETZT der Wasserhahn tropft. Der Sohn JETZT zum Friseur muss, weil er schon gegen Laternenpfähle läuft. Weil das Regal JETZT wackelt. Und so weiter.

Ich weiß, man könnte das auch als Organisationstollwut bezeichnen. Und wahrscheinlich hat mein Mann recht, wenn er meint, ich könnte ein bisschen entspannen und das sei alles nicht so wichtig. Der Wasserhahn tropft lustig weiter und macht sich nichts daraus. Unserem Sohn spendieren wir ein buntes Spängchen und das Regal klemmen wir zwischen zwei Stühle. Aber das schlimme ist, nicht nur der Blutdruck meines Großen steigt, wenn ich ihm seine neue Haardeko präsentiere, sondern auch meiner, bei all den unerledigten Dingen. Diese Dinge, die sich in meinem Kopf stapeln bis ins kleinste hinterste Eck. Das machen sie, auch wenn sie als noch so banal angesehen werden. Und wenn sie mir mal wieder zu den Ohren rauskommen, dann sind das die Tage, an denen ich frühzeitig auf der Couch die Krätsche mache.

Ja, da ist auf jeden Fall Verbesserungspotential. Auf beiden Seiten. Aber bevor ich mir nun wieder den Kopf zerschrote, was ich verbessern könnte, werde ich als Familien-CEO das mal im Familienrat diskutieren. Und falls mir wieder alles zu Kopf steigen sollte, dann sage ich meinem Mental Overload mit dem Trampolin den Kampf an. Und hüpfe mir für eine Stunde einfach erst mal alles raus. Das hilft tatsächlich.

Eine alte, aber schöne Jumping-Werbung mit Wahrheitsgehalt.

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Ob als Leser oder Teilnehmer.


4 Gedanken zu “Mama’s Kopfmaschine

  1. Schmunzel … Wie wäre es „jetzt“ dazu zu sagen? Noch mehr schmunzeln … Das was du da beschrieben hast, kenne ich auch. Nur aus der männlichen Sicht. Wie wäre es, wenn du einfach mal deinen Mann machen lassen würdest. Du glaubst gar nicht, wozu Männer fähig sind, wenn sie müssen. 😉

    1. Ich nehme dich beim Wort. Ich hoffe nur mein Mann beschwert sich nicht bei dir 😅Oder wir hängen zum Schluss in einem Kronleuchter 😂 aber du hast recht. Das „Problemchen“ sind meist unterschiedliche Ansichten und Erwartungen. Und ich gebe Wetten ab, dass ich meinen Mann mit manchen Sachen auch wahnsinnig mache 🥳😄

  2. Haha, kenne ich gut. Wenn ich todos abgebe, dann muss ich ständig dran erinnern, dass es passiert. Er vergisst es quasi sofort wieder. Wenn ich sage: „mach’s doch jetzt“, hat er jetzt aber keine Zeit und ich solle mal Geduld haben 😉 Naja, inzwischen stemmt er die Bereiche Küche, Wäsche und Kindergarten alleine und muss an vieles selbst denken. Das blöde ist nur, wenn ihm dann abends einfällt: „Ach, morgen ist übrigens ein Fest im Kindergarten.“ – Hm… Muss man das dann aushalten können oder darf man sich trotzdem aufregen?^^

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