Zuckerschock

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mir ja zehn Tage Intervallfasten gegönnt. Meine Fastentage brach ich dann wegen einer Familienfeier ab, bei der eh nicht an Fasten zu denken war. Ich kenne meine Familie. Wäre ich da angekommen mit den Worten: Ich faste gerade. Dann hätten sie mir mit der einen Hand den Vogel gezeigt und mit der anderen ein Stück Sahnetorte unter die Nase geschoben.

Bei Anlässen darf man auch mal zuschlagen.

Daher dachte ich mir selbst: Nu‘ sei mal nicht so steif. Du kannst danach ja wieder anfangen. Hatte ich hier auch schon mal etwas über Pläne und Realtität geschrieben? Nun gut der Plan existiert auf jeden Fall immer noch und wird spätestens in der kommenden Woche in die Realität umgesetzt.

Ich weiß, ich weiß, schon wieder ein Aufschub. Allerdings bin ich aus geschäftlichen Gründen gerade Strohwitwe und da brauche ich meine Nervennahrung!

Hier kommen wir zu dem Punkt, auf den ich hinaus will. Und der es auch ziemlich sicher macht, dass mein Plan umgesetzt werden wird. Meine „Nervennahrung“ ist, wie schon angedeutet, Süßkram in allen Ausführungen. Manchmal geht es auch gar nicht um die Nerven, sondern eher um meine Faulheit. So ehrlich sollte ich mit mir sein.

Um es kurz zu erklären. Nachdem ich nach der Feier wieder daheim war, stand eine recht stressige Woche mit einer Auftragsarbeit an. Mit festgelegter Deadline. In dieser Woche streikten die Kita und die Schule an zwei Tagen. Somit wurde meine Arbeitswoche auf drei Tage heruntergeschraubt. Dann surften meine Kinder plötzlich und recht unerwartet auf einer Fieberwelle. Und so wurde aus „eh schon stressig“ der Monsterzeitdruck.

Das sieht dann so aus. Kids (wenn gesund!) ab in Schule und Kita (wenn offen), nach hause sprinten, Laptop an und los. Aufblicken. Miste schon Mittag. Gedanke: Ich hab noch drei Stunden bis ich das erste Kind abholen muss. Also Zeit voll ausnutzen. Das Ding muss fertig werden.

Irgendwann merke ich, wie ich ein wenig unkonzentriert werde und mein Magen knurrt. Natürlich könnte ich jetzt sagen: Pause! Denn eine Pause hat sich jeder verdient und ist eigentlich Pflicht. Ich könnte mir in der Pause wenigstens ein Brot machen. Oder wenn ich richtig „frech“ werde, was kochen. Dann kalkuliert mein Kopf die Zeit, die ich dafür benötige. Daraufhin fangen zwei Typen in meinem Kopf an zu streiten. Denn sicher ist, mein Organismus braucht Energie, sonst wird das nichts mit dem weiterarbeiten. Der Good Cop sagt: Mach dir was anständiges zu essen, dann klappt’s auch mit der Arbeit. Der Bad Cop sagt: Stell dich nicht so an. Geh zur „bösen Dose“ (siehe Beitrag Das Ding mit dem Essen). Zieh dir’n Kaubonbon rein und dann geht’s auch wieder. Sogar noch schneller.

Mein Bad Cop ist voll der Drogendealer. So muss man das tatsächlich sagen. Denn ich behaupte tatsächlich Zucker ist eine Droge. Und meistens, an Stresstagen siegt mein Bad Cop. Leider.

Warum ich denke, dass Zucker eine Droge ist, liegt nicht nur daran, dass ich mich darüber informiert habe. Und man auch seit einiger Zeit viel dazu sehen und lesen kann. Sondern ich denke das auch, weil ich mein eigenes Beispiel eines Junkies bin. Das klingt jetzt krass. Aber alles andere wäre beschönigend. Und Zucker wurde ja lang genug schön geredet.

Seit zwei Wochen faste ich also nicht mehr. Während dieser Fasten-Zeit nahm ich Zucker ausschließlich über Obst zu mir. Und das nicht in rauen Mengen, wie zum Beispiel über Smoothies. Ja, ihr Lieben, das ist jetzt die Totalenttäuschung, aber diese Dinger sind die absoluten Zuckerbomben. Auch wenn ihr euch einen mit Spinat gönnt. Keine Firma wird euch so viel Spinat untermischen, dass der „Spinat“smoothie nicht eigentlich Apfel-Bananen-Smoothie heißen sollte. Aus dem ganz einfachen Grund. Ihr würdet ihn so nicht kaufen. Weil er zu „grün“ schmeckt.

Ich bleibe definitiv weiter Fan der grünen Flaschen. Nur nicht mehr so inflationär und mit dem Wissen, da ist ganz schön viel Fruchtzucker drin.

Ich kann mich erinnern, dass ich mit einer Bekannten vor einer Jumping-Session im Supermarkt war, um noch Proviant zu kaufen. Mitunter dabei Grüne Smoothies. Einer davon war mit Rucola. Sie nahm einen Schluck und meinte: „Iiiiihhhh der schmeckt mir zu arg!“ Rucola ist halt auch ein wenig intensiver als Spinat. Und ich bin ehrlich, als mein Mann und ich auf dem Smoothie-Trip waren. Habe ich ganz schnell das Ruder übernommen, weil ich seine „Gemüseplärre“ nicht trinken konnte. Wir sind eben keine Bitterstoffe mehr gewöhnt. Und „süß“ spricht auch noch direkt unser Belohnungssystem an.

Meine Smoothie-Kombi ist leider auch nicht besser als gekauft.

Ganz vorne weg meins! Deshalb ballere ich mir an stressigen Tagen gern ’ne Schokolade und Co. rein. Und weil es eben so einfach ist. Packung auf und rein damit. Nun konnte ich in den zwei Wochen natürlich den direkten Vergleich machen. Die zehn Tage, an denen ich mich super gut fühlte. Und wenn ich hungrig war, dann kam der Hunger mit einem Magenknurren. Ohne größere körperliche Einschränkungen. Mein Hautbild war klar. Und ich war, bis auf, wenn mein Kaffee zu spät kam, gut gelaunt. Ich fühlte mich innerlich wie äußerlich frisch, energetisch und voll da.

Jetzt, nachdem ich wieder meinem Bad Cop folge, stelle ich fest, das ich mich vollkommen schlapp und ausgelaugt fühle. So „Bääääh!“. Meine Haut sieht ein wenig aus als würde ich in die 45. Pubertät kommen. Und wenn mein Körper keine Energie mehr hat, dann meldet er sich nicht mit einem einfachen Magenknurren, sondern mit kalten Schweißausbrüchen, zitternden Händen und einer inneren Hektik. Die mich, wie meine Kinder nach Essen quengeln lässt.

Wer jetzt keine Kinder hat, kurz zur Erklärung:

Beim Essen ist es bei Kindern wie mit Pipi machen. Das kündigt sich nicht so langsam an, wie bei uns bzw. anders gesagt, wir Großen bemerken, wir müssen auf die Toilette oder bekommen Hunger, also wir verspüren einen Drang. Der wird über die Nervenbahnen weitergetragen und unser Hirn sendet dann die dazu gehörenden Körpersignale aus und wir können sagen: oh, dann guck ich mal, wo ich hingehe, um Pipi zu machen oder Nahrung aufzutreiben. Wenn Kinder eins dieser Bedürfnisse spüren, dann geht es um: ICH MUSS JETZT!!!!!

So geht es mir auch, denn ich habe das Gefühl, dass ich in den nächsten Sekunden aus den Latschen kippen werde. Lustigerweise hält mein Körper natürlich noch länger durch als ein paar Sekunden. Das wurde von mir auch schon getestet. Ganz einfach wenn es eben gerade gar keine Möglichkeit gab, um an Nahrung zu kommen. Aber der schnell abbauende Zucker suggeriert einem, dass man eben nur noch Sekunden hat. Wenn überhaupt.

Viele werden jetzt sagen: Oh das klingt aber nicht gut. War sie schon beim Arzt? Die Antwort lautet: Ja. Und ich habe nichts was in Richtung Diabetes geht. Ich lehne mich jetzt ganz weit aus dem Fenster, denn ich kenne tatsächlich persönlich keine schweren Drogenabhängigen, aber ich vergleiche diese Anzeichen mit Entzugserscheinungen. Und einer schweren Abhängigkeit.

Daher schlägt dem Zucker, wenn mein Mann zurück ist, die Stunde. Das mache ich nicht mehr mit. Und die Erinnerung wie gut es mir ohne ihn ging ist noch nicht so lange her, als das ich von diesem Plan abkommen werde.

Am liebsten würde ich auch meinen Kindern den Zucker entziehen. Darüber schrieb ich ja schon kurz im letzten Beitrag. Da bin ich super inkonsequent. Gerade wenn eine Gruppe von Jungs zum Eismann geht und ich müsste meinem da sagen: Nein, deine Kumpels können ja, du aber nicht. Das fände ich doof.

Mehr als nur Zuckeraufnahme. Social Life. Das muss schon sein.

Lustig war die Lehrerin meines Sohnes, die irgendwann anfing kleine Belohnungen für Klassenzimmerdienste zu verteilen. Bei dem letzten Elternabend meinte sie: Plötzlich wollen alle fegen. Aber sie machen das gar nicht mehr, weil sie ihr Klassenzimmer ordentlich haben wollen, sondern um ein Gummibärchen zu bekommen! Und sie wollen immer mehr?!

Ich weiß manche Mami möchte diese Lehrerin jetzt auf dem Scheiterhaufen sehen. Ich musste nur lachen und dachte: Willkommen in meiner Welt. Und die Scheiterhaufenmamis sollten auch mal darüber nachdenken, bevor sie mit den Streichhölzern wedeln ;). Wir hatten uns letztendlich dann wieder auf Smiley-Stempel geeinigt. Und gut war’s.

Aber tatsächlich sehe ich, wenn mein Sohn zum Beispiel von einem Kindergeburtstag kommt, dass er abgeht wie Schmitz‘ Katze. Leider auch was die schlechte Laune angeht. Wie ein Derwisch jagt er durch die Bude. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und wenn er gebremst wird, weil es halt doch zu doll wird, dann reagiert er mit einem Tobsuchtsanfall, dass sogar seine kleine Schwester voller Bewunderung stehen bleibt und guckt. Denn darin hält ja immerhin sie noch den ersten Platz.

Bei meiner Vorbereitung für Jumping Kids/ bellicon® KIDS stolperte ich auch in dem dazugehörigen Skript über das Thema Kindergesundheit. Lassen wir mal außen vor, dass die Motorik unserer Kinder, durch das viele sitzen mittlerweile unheimlich eingeschränkt ist. Das Hauptproblem heute ist das zunehmende Gewicht. Und damit auch die Zunahme von Diabetes Typ II. Was früher als Alterszucker bekannt war, kommt nun auch immer häufiger bei jüngeren vor. Diese Zuckerart wurde tatsächlich auch schon bei 12jährigen diagnostiziert. Und er kann gefährliche Folgen für die Funktion der inneren Organe haben, schädigt die Blutgefäße und die Nerven. Das klingt alles unschön. Und ich werde mir eine Lösung überlegen. Aber erst einmal wird mein Körper auf Entzug gesetzt. Hier spreche ich von industriell verarbeitetem Zucker. Obst in Maßen, Kartoffeln oder Nudeln kommen mir auch weiterhin noch auf den Tisch. No-Carb-Fans werden mir jetzt Inkonsequenz unterstellen. Aber ihr wisst ja, da steh ich zu 😉 .

Wer gerne mal eine Doku guckt, dann kann ich „Die große Zuckerlüge“ von Michèle Hozer empfehlen.

Vier Tage hat mein Bad Cop noch. Dann muss er die Koffer packen. Sobald mein Mann seine Koffer hier wieder auspackt. Und ich freue mich schon darauf. Da gibt es auch keinen weiteren Aufschub mehr. Und ich habe dann wieder „richtige“ Energie beim Jumping. Juhuuu.

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Ob als Teilnehmer oder Leser.


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