Die Zeitfrage

Die stellt sich mir nicht. Und ich bin mir sicher, es gibt derzeit ein paar mehr, die mir da beistimmen.

Daher finde ich es ja einerseits unglaublich erbaulich, wenn es super ambitionierte LehrerInnen gibt, die sich täglich etwas zur Beschäftigung der Kinder einfallen lassen und darauf hinweisen, dass man die Resultate gerne immer per Mail, Chat oder was es da noch so gibt, teilen kann.

Andererseits möchte ich darauf hinweisen, dass ich, als die Mutter, in der Note Mitarbeit bei allen Zusatzaufgaben die Note Sechs verdient habe. Eine glatte! Denn ich habe keine Zeit für Zusatzaufgaben. Das tut mir echt leid. Und ich freue mich wirklich, dass es so berufene LehrerInnen gibt. Derzeit löst das aber nur Stress aus. Gerade auch der Hinweis, dass mein Kind seine Ergebnisse durch die Vielzahl technischer Möglichkeiten gerne mitteilen kann. Oder wenn nicht Stress, dann löst es eben bei mir, mein mittlerweile wohl bekanntes Nö! aus.

Ich möchte hier niemanden als Person und keinesfalls seine/ihre Ideen oder Kreativität in Aufgabenbeschaffung für Kinder im Homeoffice boykottieren, aber ich bin so froh, wenn wir Mathe und Deutsch schaffen, dass ich, als künstlerisch ambitionierte Mami(!), auf Nebenfächer, wie zum Beispiel Musik, keine Rücksicht nehmen kann.

Hierfür habe ich drei Gründe. Der erste ist,

ich arbeite „nebenher“!

Diesen Satz möchte ich jetzt mal ganz einfach so stehen lassen.

In normalen Zeiten, komme ich von der Arbeit und genieße die gemeinsame Zeit mit meinen Kindern. Nun haben wir, mein Mann und ich, uns momentan einen unbefriedigenden Schichtdienst eingeteilt, der uns erlaubt das Nötigste abzuarbeiten. Und dann komme ich nach Hause und habe dieses Schuldingens mit den Kids. Ja, mit beiden. Mit meiner Kleinen, der ich zu verstehen geben muss, dass ich mich mal konzentriert und ausschließlich mit ihrem großen Bruder beschäftigen müsste. Und mit meinem Großen, der schlichtweg bei Sonnenschein und auch bei Regen voll Null Bock darauf hat. Und ich kann ihnen nur sagen: „Leute, ihr habt beide recht und wir müssen da jetzt durch!“ Ok, so ein Argument versteht kein Kind, deshalb formuliere ich das in anderen Sätzen, die aber letztendlich trotzdem in kreischend-weinendem Unverständnis münden.

Mein überreizter Kalender starrt mich schon täglich drohend an. Da lehne ich leider alle Zusatzaufgaben dankend ab und die Nebenfächer bekommen das Nachsehen. So leid es mir auch tut.

Der zweite Grund sind dann

Aufgaben in den Hauptfächern, die uns alle Zeit und alle Nerven rauben.

Achtung! Ein Beispiel, 2.Klasse, Mathe.

Textaufgaben zum !!!Dividieren!!! (So viele Ausrufezeichen kann ich gar nicht tippen, die ich hier bräuchte ohne dass mir der Finger abfällt!!!!)

„Herr Lange arbeitet von Montag bis Donnerstag täglich 8 Stunden. Am Freitag arbeitet er 6 Stunden. ?“

Das Fragezeichen ist die Frage! Ja, kein Sch…! Man finde nun bitte die Division. Als Mutter denke ich: „Da gibt es keine!“ Ich kann denen doch nur sagen, wie viele Stunden der Typ in der Woche arbeitet. Mein Sohn wird hysterisch und sagt, aber da steht Textaufgaben zum Dividieren. Beim chattigen Nachfragen bei der Lehrerin, die wahrscheinlich von der Situation auch überfordert ist und/oder nicht zugeben möchte, dass irgend ein Monk dieses Aufgabenheft geschrieben hat, kommt als Antwort zurückgechattet: „Bitte einmal selbst überlegen.“

So, als würden wir das Heft aufschlagen und sie direkt nach allen Lösungen fragen. Sorry, Musik … du bist abgeschrieben. Wir fragen dann andere Mamis, die zu demselben Punkt kamen wie schon ich. Die auch ihre Kinder beruhigten und sagten: „Sch… auf die Division, wir schreiben das jetzt so hin!“

Der dritte Grund ist

meine kleine Tochter!

Mein Großer war mein Anfänger-Kind. Entspannt, ruhig und das schon als Baby. Eben dann, wenn man als Erst- und Neumami schon Schnappatmung bekommt, wenn man Windeln wechseln soll, weil „könnte ja kaputt gehen, das kleine Würmchen.“ Da blieb mein erstes Baby schon relaxt und tiefenentspannt. Das zweite … anders!

Wenn ich meinem Großen sagen konnte, er solle da oder dort nicht herum klettern, weil er sich da weh tun könnte und er durch meinen Hinweis allein von seinem Klettervorhaben abließ, so sieht das bei meiner Tochter aber ganz anders aus.

Nach so einem Hinweis, findet sie einen noch waghalsigeren Weg um noch höher zu kommen. Da ich mich als Mutter berufen fühle, meine Kinder auch machen zu lassen, weil das ja auch einen Lerneffekt beinhaltet, stehe ich dadurch aber dauernd in der Aufsichtspflicht. Und das zurecht. Denn abgesehen von ihrem aktuellen Alter von zwei ein halb Jahren, ist eben manche Kletteraktion auch von Artisten nicht zu bewerkstelligen und ich muss als Sprung- bzw. mütterliches Auffangtuch herhalten. Das ist zeitintensiv. Es sei jetzt dahingestellt, ob mein Kind Nummer Zwei oder meine Erziehungsmethode. Aber ich erinnere mich noch an die Aussage meiner Mutter: „Nicht auf den Herd fassen, da verbrennt man sich die Finger!“ Gibt es hier noch jemanden, dem jetzt sein Gedächtnis sagt, dass er sich unweigerlich nach diesem Hinweis seiner Eltern mit den Fingern unter kaltem Wasser befand? Ich schon.

Ach übrigens ganz hervorragend hilft da auch Olivenöl.

Zurück zum Thema, auch wenn ich als Erwachsene mit meinem immens gesammelten Kindheitskletteraktionen-Erfahrungswert bereits vorher abschätzen kann, was geht oder nicht, bin ich der Meinung meine Tochter weiß das erst, wenn sie es selbst getestet hat. So isses eben. Und deshalb stehe ich eben oft neben meinem Zwerg.

Auch einfach mal ein Eis essen gehen bei dem schönen Wetter muss halt auch mal zeitlich für die Kinder drin sein. Da lasse ich die Schulsachen dann eben auch mal liegen.

Was soll ich sagen, so sehr ich Nebenfächer verehre, so setze ich gerade eher auf Grundlagen. Einmal, weil ich eben keine pädagogische Ausbildung habe und ich mich mit Heften, in denen vollkommen bekloppte Aufgabenstellungen in Form von keinen Aufgabenstellungen, siehe oben, herumschlagen muss. Und wegen eben dem gravierenden Faktor, dass ich meine geringe Zeit einfach auf- und einteilen muss. Da bleibt nichts übrig für Nebenfächer. Das tut mir unendlich leid. Aber deshalb muss ich noch einmal betonen, falls es dieses Jahr so etwas wie Noten geben sollte, die schlechten sind für mich. Da steh‘ ich drüber. Denn auch das lehrt mich mein Erwachsenen-Erfahrungsschatz. Noten sind nicht alles. Und ich weiß, mein Sohn und ich haben unser Bestes gegeben.

Ein paar Blumen für uns Mamis! Lasst uns uns selbst feiern.

In diesem Sinne möchte ich auch allen Mamis, die derzeit noch mehr geben als ohnehin schon, einen wunderbaren Muttertag wünschen. Ihr seid klasse und großartig! Und eins ist mir auch klar geworden, wir sind absolut systemrelevant, auch wenn es unsere Jobs derzeit nicht sein sollten. Lasst uns uns also selbst feiern! Wir haben es jedes Jahr verdient. Aber dieses Jahr noch mehr!


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