Damals …

… ist ein Wort, dass bei mir sofort Gedanken an ältere Menschen auslöst. An Menschen, die mir erklären wollen, was damals besser lief und speziell als Mami natürlich, was sie damals besser in der Kindererziehung gemacht haben. Und dennoch ist es gerade auch ein Wort, dass in meinem Kopf herumschwirrt. Täglich, stündlich, minütlich. Und als Mami kann das tatsächlich auch sekündlich vorkommen. Damals. Als die Zwerge noch unbesorgt und unbeaufsichtigt den ganzen Tag über Wald und Flur rannten.

Ok, ich gebe zu, in Berlin ist da nicht viel mit Wald und Flur. Worauf ich hinaus will, ist die Tatsache, dass ich das Gefühl bekomme, dass sich die Kinder heutzutage nicht mehr wirklich allein beschäftigen können. Klar, gibt es ein paar Lichtblicke und meine Tochter verschwindet mal für eine ganze halbe Stunde und spielt mit Puppi. Auch mein Sohn kann mal 20 Minuten seine Pokemon-Karten sortieren. Aber dieses am Morgen vor die Tür setzen und „zum Abendbrot seid ihr wieder daheim“, das ist nicht mehr up to date.

Luxus. Auch für meine Kinder. Mein selbstgebauter Trainings-Abreagier-Raum.

Klar, habe ich schon von Kinder gehört, die sich den ganzen Tag beschäftigen können. Das ist dann meist „medialer“ Art. Mein Sohn wusste bis vor zwei Tagen noch nicht einmal was der Begriff „zocken“ bedeutet und hat ihn bisher auch noch nicht praktisch umsetzen können. Ich meine, so in Matsch und Natur spielen den ganzen Tag. Aber wahrscheinlich liegt das am mindergeringen Angebot hier mitten in der City. Wenn ich das Wort Garten in den Mund nehme, dann bekommt mein Großer einen akut monstermäßigen Abturn, den er in lauten Stöhn- und Grunzlauten wiedergibt. Wenn das Angebot also da ist, dann ist es unbeliebt. Der Ladenhüter sozusagen. Und da muss ich auch nicht verromantisieren, in dem ich mir vorstelle, wie ich mit meinem Siebenjährigen Tomatensetzlinge einpflanze und ihnen beim wachsen zugucke. Nö.

Aber gut, damals, habe ich auch gehört, hat man auch schreiende Kinder in ihrem Kinderwagen auf dem Balkon geparkt, weil die musste man halt mal ausschreien lassen. No comment.

Also habe ich jetzt Homeoffice mit zwei Kindern, die sich mit mir gerne durchweg austauschen möchten oder sich zumindest mit mir beschäftigen wollen. Und das ja gar nicht böse gemeint, denn sie möchten, dass ich mit ihnen mitspiele. Aus kindlicher Sicht würde ich jetzt sagen: eine Ehre, ein Spaß und ein Zeichen von „Hey, Mum, du bist voll der Kumpeltyp, spiel‘ doch ma‘ mit!“. Toll, oder? Nur haben meine Kollegen scheinbar keine Kinder oder sie haben sie auf dem Balkon stehen. Siehe oben. Beziehungsweise, wenn ihre Kinder schon größer sein sollten, dann haben sie diese wohl auf dem Balkon geknebelt und gefesselt.

Ich hoffe, jeder versteht jetzt, dass das ein Spaß war. Ich schreibe das heute dazu, da wir Eltern, erst in der ersten schul- und kitafreien Woche sind. Da kommen noch ein paar auf uns zu. Und ich möchte nachher nicht irgendwo lesen oder hören müssen, dass sich jemand verteidigt, wenn er seine Kinder auf diese Art still gestellt hat, dass da aber eine Jumping Mum geschrieben hätte, man könne seine Kinder auf dem Balkon fesseln und knebeln. Nein, macht das bitte nicht! Macht das auch nicht, liebe Eltern, selbst wenn ihr euch jetzt schon kurz vor der Zombieapokalypse fühlt. Nicht wegen Corona, sondern weil jemand denkt, man könne arbeiten und zeitgleich auf Kinder aufpassen.

Aber meine Kollegen können in der Tat nichts dafür, denn um das ganze aufzulösen. Wir sind ein recht junges Team und die meisten haben einfach keine Kinder. Sie sind also unwissend. Außerdem kam ich ja auf die herrliche Idee, meinem Mann vorzuschlagen, als klar wurde, dass alle Einrichtungen zu machen müssen, dass ich morgens für meinen mentalen Ausgleich Sport mache und dann abends arbeite, wenn er von der Arbeit, die er tagsüber erledigt, nach Hause kommt und die Kinder schlafen. Lacht schon jemand laut?

Oder „Schön blöd!“ wird jetzt jede wissende Mutti sagen. Ich auch. Aber ich fühle mich anfangs immer so stark, voller Tatendrang und enthusiastisch, dass ich mich langsam mal selbst fragen sollte, wann denn bei mir mal die Realität einzieht und ich nicht immer mit solchen Vorschlägen die Tür einrenne. Mein Mann, ein typischer Mann, hält sich natürlich an meinen Vorschlag. Und nun ist es so, dass ich, sobald er nach Hause kommt, einfach den Stecker ziehe. Nachtschicht gestrichen. Kreativität nach Kinderbetreuung? Was ist das? In meinem Handy kann ich tagsüber sehen, was ich an Nachrichten reinbekomme. Seit gestern gucke ich einfach nicht mehr drauf.

Ok, ich muss meinem Mann gutschreiben, dass er gestern, nachdem er nur fünf Minuten daheim war, fragte, ob ich den Freitag zum arbeiten haben möchte. Danke! Danke! Danke! JAAAAAAAA! Da hilft auch kein Sport zum mentalen Ausgleich. Und wenn mir jetzt jemand mit „Damals haben wir das auch geschafft!“ kommt. Dem muss ich einfach sagen: „Jo, entweder stoppt jemand meine Emailflut oder nimmt mir die Kids ab, damit ich das abarbeiten kann!“ Ihr damaligen Schlaumeierchen.

Am besten sind ja auch die Leute, die einem derzeit begegnen, wenn man mit seinen Kinder unterwegs ist. Mit „unterwegs“ meine ich, wenn man von A nach B geht. Es ergab sich, dass unser Klavierlehrer bei uns, ergo meinem Mann, anrief, dass er in dem Raum noch Unterricht geben würde. Der Anruf kam zu einem Zeitpunkt, in dem es noch einigermaßen entspannt zuging. Da mein Mann der Klavierunterricht-Beauftragte ist, hat er dooferweise auch allein und einzig die Nummer des Klaviermannes. Zum Unterrichtstag hatte sich die Lage schon geändert und ich fand das alles recht unvernünftig. Dann doch lieber Online-Unterricht. Also rief ich bei meinem Mann an. Nicht erreichbar. Klar, macht ja auch gerade alles übers Telefon und den Laptop. Also Nachricht. Nüscht. Nochmal. Nüscht. Nerv. Dann kam zurück, er könne gerade nicht. Meeting. Ich noch mal Nachricht: „Du Kontakt. Klavier. Unterricht? Wirklich? Doof!“ Nüscht. Doppelnerv. Nach einiger Zeit die Antwort: „Hat gesagt, meldet sich, wenn ausfällt. Unterricht ist.“ Ich zurück: „??? Obwohl die Lage jetzt eine andere ist?“ Nüscht. Dreifachnerv.

Ich muss, bevor ich fortfahre dazu sagen, es gibt für mich nichts respektloseres und unvertretbareres als einen Termin ohne Absage verstreichen zu lassen. Vor allem gerade auch jetzt, wenn sich der Klavierlehrer vielleicht gerade wegen uns allein aufgemacht hat, um in den Proberaum zu kommen.

Also weiter im Text. Mein Mann beschäftigt. Mein Schatz und alle anderen Männer an dieser Stelle, es tut mir leid, aber hier schlug voll das Anti-Multitasking-Gen bei meinem Mann zu. Männliches kategorisieren: Meeting vs Anfrage Frau?! Prio: Meeting! Antwort Frau: später. Faktor Zeit: zweitrangig. Schon etwas aufgewühlt schrieb ich nur: „Seh schon, dann geh‘ ich mit der Bagage mal los!“ Jetzt kommt die Überraschung. Oder doch nicht? Der Klavierlehrer war nicht da.

Dafür standen wir vor der Tür und eine Anwohnerin, die gerade aus dem Baumarkt zu kommen schien, hatte nichts besseres zu tun, als mich nonchalant im Vorbeigehen auf meine Blödheit hinzuweisen, dass doch mal ALLE Schulen geschlossen wären.

Ich explodierte! Danach schimpfte ich wie ein Rohrspatz auf die Mailbox meines Angetrauten und brachte mich alleinig mit dem Gedanken wieder runter, dass die „allwissende“ Dame, die wahrscheinlich noch vor zehn Minuten ihren eiskalten Atem in den Nacken ihres Vordermanns in der Kassenschlange gehaucht hatte, nun mit ihrer Sperrholzplatte einen Atombunker in ihrer Dachgeschosswohnung baute. Ich weiß, mein Mann würde mich nun einen garstigen, kleinen Hobbit nennen. Und ja, hat er recht.

Es ist gerade sowieso alles Ausnahmesituation. Uns bleibt nur das beste daraus zu machen. Wir müssen uns alle erst einmal umstellen. Zum Beispiel, dass wir lieber auf unseren Bauch hören und Anstand, in dem Fall auch mal zur Seite schieben, wie im Klavierunterrichtsfall. Oder, dass wir uns auf die Kids inklusive Arbeit erst einmal einstellen müssen. Und eben nicht jede Mail mal schnell bearbeitet wird. Und wahrscheinlich kommt da noch einiges mehr. Positiv bleiben, ist das Motto. Sonst drehen wir noch alle am Rad und treten einen Kiesel los, wie die, sorry, das muss ich jetzt noch tun, „Sumpfkuh“ gestern bei mir. Jetzt ist es raus und ich hole mir wieder meine positive Vibes zurück. Aber ganz ehrlich, konstruktive Hinweise sind ja durch aus sinnvoll, aber lassen wir doch unsere Mitmenschen mit unsachlichen Kommentaren in Ruhe. Gerade jetzt. Kurz, lasst uns lieb zu einander sein. Und liebe Kollegen, bitte auch nicht sauer sein, dass bei mir gerade etwas Zeit verstreicht, bis eine Reaktion kommt. Ich habe Kinder!Die leider nicht alleine in Wald und Flur herumturnen. Weil sie es a) nicht gewohnt sind. und b) es uns hier an Wald und Flur mangelt.

Entspannt bleiben.

Aber meine Hoffung, nach dreißig Tagen zuckerfrei, hatte ich auch keine Lust mehr auf den Stoff. Mal sehen, wie es meinen Kids nach dreißig Tagen im Garten spielen geht? Vielleicht findet mein Sohn es dann auch gut den Tomaten beim wachsen zu zu sehen. Wir dürfen gespannt sein.

Jetzt habe ich aber noch ein klein wenig Zeit, um aufs bellicon zu gehen. Ja, ich weiß, ich könnte jetzt auch die Mails beantworten. Aber ich versuche heute Abend nicht umzufallen und zu arbeiten. Und ganz ehrlich, wenn ich mich jetzt nicht bewege, dann bin ich heute Abend mit dem Hackebeilchen unterwegs. Bewegung ist nämlich gut für die mentale Ausgeglichenheit. Hach ja, und stärkt auch das Immunsystem.

My new castle. Für die kommende Zeit. Auch perfekt, um die Kinder in Bewegung zu halten. Die restlichen Räume machen wir zur Malwerksatt.

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Als positive Leser.

Bleibt gesund, stay positive, keep calm, be sporty & think pink. Und viel Spaß mit euren Kids und beim spielen.


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