Manchmal daneben

Das man als Mami manchmal daneben ist, das ist ja kein Geheimnis. Mit „daneben“ meine ich jetzt, das die Konzentration und auch die Koordination so manchen Tag auf Null gesetzt sind. Gut, die Koordination würde ich im Alltag als Motorik beschreiben. In Kursen bemerke ich es immer, wenn meine Arme nicht das tun wollen, was mein Kopf sich für sie vorgenommen hat. Am schlimmsten ist es immer, wenn ich bei anderen Trainern mitmache und sie eine Choreo zaubern, die mein Hirn einfach nicht greifen will. Zum Glück habe ich mittlerweile die Altersweisheit, dass ich mich deshalb nicht mehr stresse und ich dann den Körperklaus mache, bis ich mich wieder soweit konzentrieren kann, dass ich dieselben Bewegungen wie die anderen an der richtigen Stelle setze.

Aber genau darauf möchte ich hinaus. Nicht nur wir Mamis sind heutzutage unter einem gernzenlosen Stresslevel. Der Alltag wird allgemein immer schneller. Immer hektischer. Und dann will man sich nach der Arbeit noch sportlich betätigen. Nimmt seine letzte restliche Energie zusammen um zu einem Kurs zu watscheln und dann wird man über den Haufen geturnt. Nicht im körperlichen Sinne. Der Körper macht den Spaß ja noch mit. Im geistigen Sinne. Was war das für eine Drehung? Wie in welche Richtung geht das jetzt? Was macht das rechte Bein, wenn der linke Arm oben ist? Wie jetzt, das ganze gedoppelt? Und ja, kein Scherz auch mir als Trainerin geht das manchmal so. Früher habe ich das nur noch sportlicher gesehen. Da bin ich nach einem anstrengenden Arbeitstag extra in einen abgefahrenen Step-Aerobic-Kurs gegangen, denn wenn ich am Ende alle drei Blöcke ohne Fehler zusammenbekommen habe, dann gab mir das einen Kick zusätzlich zu der körperlichen Bewegung. Heute lass ich sowas. Mit der Erkenntnis, mein Hirn is eh‘ immer auf Touren mit der ganzen Kinder-Orga, den Spaß gönn ich mir wieder, wenn es nichts anderes zu tun hat. Also in vielleicht 18 Jahren.

Was mich aber generell ein bisschen nervt, ist dieser sportliche Leistungskampf der generell über alle Medien verbreitet wird. Und der dann doch nicht nur das Hirn sondern den Körper betrifft. Man hat das Gefühl, es gibt bald keinen Unterschied mehr zwischen bezahltem Leistungssportler und Heinzchen Müller, der nach seinem Bürojob noch 9 Stunden trainieren geht. Was theoretisch ja ganz gut ist, weil wir eh zu viel sitzen. Aber ein bis zwei Stunden würden reichen. Und so bekomme ich auch das Gefühl, dass Trainer heute ganz anders drauf sind. Manchmal denke ich, es wird immer mehr Drill als Motivation.

Nach der Geburt meines Großen hatte ich mich auch in einem Studio angemeldet und es wurde mir ein Personaltrainer vor die Nase gesetzt, der mich nach meiner sportlichen Erfahrung vor der Schwangerschaft fragte. Das fand ich alles sehr gut. Trainer sollten das fragen und wissen. Blöd nur, wenn ich sage, ich habe auch als Trainerin gearbeitet und der dann denkt, na dann nehmen wir die mal so richtig ran!

Sorry!!! Mein Körper ist noch voll aufgeweicht! Da turnen noch Hormone rum, Junge, von denen kannst du nur träumen. Außerdem wiege ich mal n paar Kilos mehr. Und ich habe schlaflose Nächte. Und Muckis, die vorher an der Stelle waren sind ganz einfach nicht mehr dort.

Die Idee, dass er mir zeigen wollte, wie sehr er es drauf hat, ging ganz schön schief, denn der Effekt des ganzen war: ich hatte keinen Bock mehr! Und habe selbst trainiert. Weil ich es kann. Aber ich denke nun an all die Menschen, die das nicht können und sich vertrauensvoll an Trainer wenden.

Was ist da los? Hier finde ich ja Deepwork ganz toll. Hier werden gleich drei Level als Vorgabe gesetzt. Man steht vor seiner Gruppe und beginnt mit dem einfachsten Level. Durchläuft den bis sich der Körper eingestellt hat, um dann auf Level 2 zu gehen. Macht den Spaß noch einmal und erhöht auf Level drei. Um sich dann als Trainer rauszuziehen, seinen Leuten zu sagen, dass sie die Übung jetzt in ihrem, für sie perfekten Level machen sollen. Und geht dann rum, um den Teilnehmern unterstützend zur Seite zu stehen. Klar, als ich die Ausbildung mitgemacht habe und gesagt wurde, dass dies ein Kursformat ist, bei dem man als Trainer nicht selbst mitmacht, dachte ich: Oh nein! Immerhin wollte ich das machen, weil ich Deepwork als Teilnehmer so toll fand. Aber es ist so sinnig. Trainer sind ja dafür da, auf ihre Teilnehmer zu achten und nicht, um sich selbst so geil zu finden.

Wie schon einmal beschrieben habe ich das Leveling auch für mich in meine Kurse integriert. Wenn ich dann eine Gruppe habe mit unterschiedlichen Fitnessleveln hilft es wunderbar alle zu motivieren und voll dabei zu haben.

In letzter Zeit habe ich eine ziemlich homogene Gruppe. Auf jeden Fall körperlich. Daher setze ich wieder bei meinem eigenem Schwachpunkt an. Koordination. Als Mami steckt das Leben zwar ständig und immer voller Überraschungen. „Huch, es läuft! Huch, es spricht! Huch, es macht freiwillig Hausaufgaben!“ Aber dennoch ist ein Mami-Leben von den Bewegungsabläufen ziemlich ritualisiert und routiniert. Da muss man mal was neues machen. Und sich herausfordern, denn:

Das mit der Koordination ist Training. Unsere Synapsen brauchen circa 50000 Wiederholungen bis sie sich so ausgerichtet haben, um eine Kombi ohne Probleme und allzu viel Nachdenken hinzubekommen. Wobei ich der Meinung bin, sobald man zu viel nachdenkt, ist man raus. Paradox. Ich gehe dem dann mal in nächster Zeit auf die Spur und sage nur: Arme vor, hoch, Butterfly.

Wie? Was? Wo? Ach keine Latschen! Klar! Manchmal gibt es diese Tage da bekomm‘ ich mein Oberstübchen nicht angeschmissen.

In dem Sinne, ergebe ich mich meinem mütterlichen Körperklaus-Dasein, hoffe auf Besserung und freue mich auf euch. Ob als Teilnehmer oder Leser.


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