Mum goes Heilfasten

„Beginnen sie Sport zu machen!“ und „Sie trinken wenig, nicht wahr?“

Das waren die Sätze, die die Ernährungsberaterin nach der Körperfettanalyse in meinem Heilfasten-Resort zum Start zu mir sagte. Wäre mein Mann an meiner Seite gewesen, hätte er wohl laut und hysterisch angefangen zu lachen. Ich warf nur einen Blick, bevor ich antwortete: “ Ich mache täglich Sport und mein Mann lacht mich aus, weil ich Gläser unter einer Größe von 0,5 Liter als Schnapsgläser bezeichne!“ Das Ausrufezeichen hätte ich am liebsten mit ausgesprochen.

Aber ich bin ehrlich, ich war noch nicht einmal über ihre Mutmaßungen beleidigt, denn genau aus diesem Körpergefühl heraus, bin ich hier. Das etwas nicht stimmt. Nicht funktioniert. Und keiner kommt darauf was es sein kann. Und das nervt mich tatsächlich. Nicht nur, weil kein anderer darauf kommt, sondern ich auch nicht.

Ich überlege tagein, tagaus, warum ich mich so ernähre, wie ich es tue. Warum ich mich so viel bewege, wie ich es tue. Und warum ich so viel Flüssigkeit zu mir nehme für meinen Flüssigkeitshaushalt. Wenn nicht nur die Werte, sondern auch mein Körpergefühl sagen, dass ich prinzipiell den Sport ganz lassen, das Trinken minimieren und meinen Gesunde-Nahrung-Wahn aufgeben könnte. Gut, wir wissen ja nicht, wie ich mich fühlen würde, wenn ich das täte. Und ganz ehrlich nur beim Gedanken daran wird mir leicht übel. Also ist prinzipiell erstmal alles gut so wie es ist. Nur, dass es nicht sichtbar ist.

Zurück zu meinem Heilfasten-Trip. Zehn Tage auf Null. Und dann ist hoffentlich die Reset-Taste bei der Mutter gedrückt. So dass mein Körper wieder normale Abläufe läuft. So mein Gedanke.

Schon zu Beginn fielen allerdings auch zwei Punkte, über die ich nachdenken sollte. Und über die sich mein Mann nicht so freuen wird.

Der erste Punkt: Stress!

Darüber wird er nicht so happy sein, denn er ist mein Chef. Doch das war der Punkt auf den die Ernährungsberaterin kam, nachdem ich ihr aufgezeigt hatte, dass ihr Körperfettmess-Orakel nicht weise gesprochen hatte. Auf diesen Faktor war auch schon ein paar Wochen zuvor mein Personaltrainer gekommen. Ja, den habe ich auch noch … so viel zu meiner sportlosen Lebensweise. Nur konnte ich in dem Moment mit seiner Aussage: „Wenn du Stress hast, dann hält dein Körper alles fest.“ überhaupt nichts anfangen.

Der andere Punkt: ein großes Abendessen

Für meinen Mann fast heilig, denn da kommen wir alle zusammen. Sind nicht im Stress, weil wir in Kita,Schule, Arbeit müssen und können erzählen, was so am Tag los war. Liebe andere Eltern, bitte glaubt nicht, dass das so bei uns abläuft. Das ist nur in unserem Kopf. Die Kids sind meist nach zehn Minuten schon aufspring-bereit, weil sie noch irgendwas spielen oder ja, auch gucken müssen.

Ich persönlich sollte eher gut frühstücken, um damit meine Körpermaschine für den Tag gut ins rollen zu bringen. Nur ist es da bei mir wahrscheinlich auch wie in vielen elterlichen Haushalten. Ich vergesse das immer im morgendlichen Stress (haha), wenn die Kinder für Schule und Kita fertig gemacht oder angetrieben werden müssen.

Aber zurück zum Heilfasten.

Dafür habe ich mir ein Wellness Resort in Rheinland-Pfalz ausgesucht, dass wirklich sehr schön gelegen ist und ich bin nun bereits bei Tag 7 ohne feste Nahrung angekommen. Und eigentlich geht es mir ganz gut. Manchmal verstören mich die Hungerattacken. Ja, genau, der Hunger kommt in Phasen, auch nach der berüchtigten Darmspülung. Die ist zwar gewöhnungsbedürftigt, tut aber ganz gut. Und hilft natürlich die Fastenphase besser durchzustehen. Zudem werden dort viele alte Ablagerungen ausgespült, so dass sich der Darm erholen kann/soll. Darm mit Charme eben. Das ist jetzt auf jeden Fall eine Lektüre, die ich mir nach meinem Aufenthalt einmal holen möchte.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich zwar am ersten Tag leichte Kopfschmerzen in der Stirnhöhle hatte. Die schiebe ich aber auf den Kaffee-Entzug. Ansonsten ging es mir bis Tag drei erstaunlich gut. So gut, dass ich mich selbst voller Misstrauen beäugte. Nur mein Leistungslevel sank ein wenig. Am Montag habe ich noch fleißig ein HIIT Workout eingebaut und die Tage darauf stellte ich mich auf ein sanftes bellicon Training und Schwimmen ein. Mein Fokus oder ein weiteres Ziel meines Fastenaufenthaltes war auch sehr auf meinen Lymphfluss gerichtet. Da bieten sich beide Bewegungsarten förmlich aufdringlich an. Am vierten Tag hatte ich dann meine „Murkellaune“. Oder anders als Fastenkrise bezeichnet. Stolz muss ich aber sagen, hier lebt noch alles. Denn am Abend besuchte ich eine Yoga Klasse und „Plopp“, weg war das miese Gefühl. Grandios. Und seitdem ist soweit alles fein. Sowieso begegne ich auch immer einer Hungerattacke mit Bewegung, ob nun auf dem bellicon oder im Pool. Das tut gut, lenkt ab und lässt die Attacke verschwinden.

Womit ich mich bisher gar nicht anfreunden kann:

Ich vermisse hier die Individualität. In der Tat habe ich mir gesagt, ich möchte Heilfasten unter Aufsicht. Und erst während meines Aufenthaltes hier, wird mir klar, dass so ein Resort natürlich auch eine wirtschaftliche Maschinerie ist. Schön doof von mir. Hätte ich ja mal vorher drauf kommen können. Mein Bild im Kopf dachte, ich werde schön an der Hand genommen und durch diese Fastentage geführt. Dem ist nicht so.

Zudem ist dieses Resort eindeutig auf Anti-Gluten (in bestimmten Getreidesorten zu finden ) und Anti-Kasein ( in Milchprodukten ) eingestellt. Aber ich bin der Meinung ohne eingehende Untersuchung, die hier nicht stattfindet, sondern man füllt nur selbst einen Anamnesebogen aus, ist das NICHT die Patentlösung. Ich möchte keine Probleme der Menschen schmälern, die unter diesen Unverträglichkeiten leiden. Und ich möchte selbst etwas von beidem reduzieren, aber ganz weglassen, gerade als Sportler, dazu bin ich in der Tat nicht bereit. Daher war ich aber dankbar, dass das Thema Stress doch einmal kurz in ein paar Worte gefasst wurde. Aber noch einmal zu den Einstellungssachen. Solche Hotels gibt es viele und sie verfolgen ihren eigenen Weg. Da sollte man sich vielleicht vorher schlau machen. Das habe ich nicht getan. Und um noch einmal auf den vorher erwähnten Wirtschaftsfaktor zu kommen, ich denke, dass kein Resort eine individuelle Begleitung gewährleisten kann. Dazu sollte man dann wohl eher in eine Fastenklinik gehen.

Da es natürlich ein Wellness Resort ist, gibt es auch andere Gäste, die einem ständig etwas vorkauen. Wo man geht und steht bietet die wundervolle Küche hier ihre Künste an und wird von den anderen Gästen natürlich auch sehr gerne genutzt und genossen. In der Tat macht mir das nicht viel aus, aber trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich das jetzt so optimal finden möchte.

Ein Herausstellungsmerkmal meines Aufenthaltsorts ist das Lehmbad. Auch hier hätte ich mich wirklich mehr informieren müssen. Ich dachte Schlammbad. So wie meine Mutter mal erzählt hat, schön auf der Liege in warme Tücher und Schlamm gewickelt. Also auch voll meine Schuld, dass ich nun vor eine Art „Grab“ stehe. Klingt gruselig und sieht auch so aus. Es gibt hier viele, die darauf schwören. Aber meins ist es nicht, diese in die Erde eingelassenen Gruben, mit Lehm und Wasser gefüllt. Und kalt. Nach dem zweiten Mal dachte ich, ich bekomme eine Blasenentzündung. Und darauf hatte ich, wenn ich schon hungern würde, gar keine Lust. Nach zwei Tagen Pause wollte ich es noch einmal probieren. Als ich dann aber ein paar Tierchen, wie tote Fliegen und etwas Wurmartiges aus meinem „Bad“ fischen musste, war mir klar: Sorry, der Naturtyp bin ich nicht! Aus einer sauberen Stelle holte ich mir dann den Lehm und rieb mich nur damit ein, um mich dann in der Sonne trocknen zu lassen. Ich weiß für alle Fans werde ich jetzt blasphemisch, aber sollte ja so auch eine Wirkung haben, oder?

Was ich bisher echt gut fand:

Man kommt zu sich. Kann Gedanken fassen. Ich nehme nun keinen der zum Beispiel Anti-Kasein-Ratschläge mit, aber habe für mich viel an Lösungsansätzen gefunden, um manche Körperfunktionen wieder zum Laufen zu bringen. Eine davon ist, lockerer werden. Ich habe durch den Alltag schon genug Stress, auch positiven. Wenn ich nicht alles so verbissen sehen würde und manches einfach entspannter hinnehmen und angehen könnte, dann wäre schon viel gewonnen.

Das Sitzreibebad ist der Knaller. Ich liebe es. Zur Anreise war genau das mein großer Angstpunkt. „Was ist das jetzt?“, werdet ihr euch fragen. Es ist eine Wanne ( jeder bekommt eine eigene ), die mit kaltem Wasser gefüllt wird. Natürlich steht sie draußen, damit das Wasser über Nacht auch noch einmal schön abkühlen kann. Dann macht man sich nackig. Klopft sich mit den Händen etwas warm und steigt zu erst mit den Füßen ein. Läuft auf der Stelle. Bis man sich setzt. Die Füße ragen dabei über den Wannenrand und man schaufelt das Wasser über seinen Bauch und seine Brust. Dann kommen die Füße wieder rein und man legt sich mit dem Rücken in die Wanne. Danach reibt man sich noch die Arme und das Gesicht mit dem Wasser ab. Und … ES IST FANTASTISCH! Das alles macht man natürlich früh morgens und dann ist man so klar für den Tag. Es ist einfach wunderbar und ich bin ein absoluter Fan geworden. Und es geht alles, im Gegensatz zum Lehmbad, so schnell, dass man auch nicht unterkühlt.

Man bekommt irgendwann ( bei mir ab Tag 6 ) einen tollen Tagesrhythmus. So für sich. Natürlich ist das im Alltag schwer umzusetzen, aber daher ist das Heilfasten an einem anderen Ort wiederum gut. So kann ich sehen, wie ich über den Tag hinaus gut funktioniere bzw. im Alltag am besten funktionieren würde. Zum Beispiel, dachte ich immer, dass ich am Morgen ganz viel Zeit für mich brauche. Ich bin in der Tat keine Frühaufsteherin, aber dennoch bin ich spätestens um 7 Uhr wach, mache mich dann kurz fertig und gehe dann entweder aufs bellicon oder 50 Bahnen schwimmen. Danach gehe ich duschen und „frühstücken“. Gut, klar, so etwas geht bisher in meinem Alltag schwer, aber vielleicht lässt sich doch ein Weg finden, meinen Alltag auf MICH anzupassen. Und nicht immer andersherum: Ich passe mich dem Alltag an. Denn ich bin überzeugt, wenn man diesen für sich angenehmen und passenden Tagesrhythmus mal gefunden hat, dann hat man auch die unendliche Muse, daran zu arbeiten, um ihn zu sich nach Hause zu holen. Sicher mit Kompromissen, aber die macht man sowieso im Familienalltag und warum sollte da nicht noch ein Tagesrhythmus-Kompromiss drin sein?

Ich habe sehr viele, unglaublich nette und sehr inspirierende Menschen kennengelernt, die mit mir gemeinsam gefastet haben oder mir auch einfach nur so begegnet sind. Zum Beispiel eine ältere Damen, die auf das Lehmbad schwört und nur so vor Lebensfreude sprüht. „Sie lässt den Tag immer so kommen, wie er kommt.“ sagt sie. „Ja, bitte mehr davon!“ denke ich. Und lasse mich von ihr anstecken. Dann eine Mitfasterin, die mit mir in einem Gespräch noch einmal auf das Thema Stress einging und mir wunderbare Tipps gab. Dann die Masseurinnen hier. In der Tat sind mir noch nie auf einem Haufen so viele kompetente und irre gute Masseure und Masseurinnen begegnet. Der Wahnsinn. Und natürlich auch die Lady, die für die Darmspülungen zuständig ist und einen mit ihrem wunderbaren Humor währenddessen begleitet.

Nun bin ich bei Tag 7 angekommen.

Und lese mir meine Ziele durch, die ich mir zu Beginn dieser Reise für diese Zeit notiert hatte.

  • Hashimoto etwas in den Griff bekommen ( ja, ja ich weiß, Gluten. Und trotzdem stelle ich mich erstmal nur auf eine Reduktion ein. Ich ziehe mir ohnehin nicht jeden Tag glutenhaltige Produkte ohne Maßen rein. )
  • Entschlackung
  • Entgiftung
  • Reset der Körperfunktionen, um dann zu Hause an einem Gewichtsverlust bzw. Aufbau der Muskelmasse zu arbeiten
  • Stress bewältigen
  • zu mir kommen und Ruhe

Prinzipiell könnte ich sagen, dass ich alle Punkte angegangen bin und auch weiter ihre Umsetzung verfolgen werde. In der Tat ist der ehemalige Punkt 5 nun zu Punkt 1 geworden.

Was bringt mir Tag 7 ?

Tatsächlich verspüre ich so etwas wie Gelassenheit. Na ja, gut, und Hunger. Aber mit dem heutigen Tag verbleiben ja nur noch vier Tage und ich werde wohl schon am vorletzten Tag abfasten. Das heißt, ich gewöhne meinen Körper wieder an normale Nahrung. Was ganz wichtig ist.

Tatsächlich hatte ich darüber nachgedacht noch etwas weiter zu fasten. Aber nun habe ich mich auf das Thema Stress fixiert und dem kann ich mich nur mit vollem Magen widmen. Warum? Das schreibe ich im nächsten Blog und danke schon jetzt Anna für die wundervollen Tipps, die ich von ihr bekommen habe. Und natürlich auch meinem Personaltrainer Kai, der schon viel früher auf das Stress-Thema kam und den ich nur nicht verstanden hatte.

In dem Sinne waren die letzten Tage wirklich voller Erkenntnisse.

Erkenntnisse, die mich jetzt weitertragen.

Mein Lomi Lomi Massagen Souvenir. Die Muschel durfte ich vor meiner Massage ziehen und behalten.

Ach ja, und wer sich jetzt fragt: „Was hat sie denn an Gewicht verloren?“ 3Kilo! Wasser und Muskelmasse. Aber darum geht es auch nicht, wenn man zum Heilfasten geht. Gewichtsreduktion hat damit nichts zu tun. Also geht bitte nie zum abnehmen zum Heilfasten.

Und wenn sich jemand fragt: „Würde sie noch einmal dort hingehen?“ Dann denke ich: „Eher Nein!“ Es ist wirklich wunderschön gelegen. Es gibt hier ein tolles Angebot und ein noch tolleres für Essende. Das ist tatsächlich ein Punkt, den ich trotz meines Gleichmuts essender Menschen gegenüber, nicht optimal finde. Und als Heilfasten im Schlaraffenland bezeichnen würde. Das muss eigentlich nicht sein. Dann ist für mich der Punkt Individualität sehr ausschlaggebend. Allerdings bezweifle ich, dass das ein Wellness Hotel mit Heilfasten-Angebot generell hinbekommen kann. Und ja, auch wenn ich als Hashimoto Patientin sicher in die Gluten Schublade gehöre, mag ich es nicht, wenn Dinge als Dogma gepredigt werden. Da bin ich voll raus und es treibt mich dann eher an einen anderen Ort.

So, dass sind nun meine Erfahrungswerte von sieben Tagen Heilfasten und vielleicht können mache unerfahrene oder auch erfahrene Heilfasten-Interessierte ein paar Infos daraus ziehen. Ich genieße nun meine letzten vier Tage und wünsche allen eine wunderbare und schwungvolle Zeit.


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