Kindergeburtstag

Ich bin ehrlich. Alle Jahre wieder sage ich mir danach: „Puh! Geschafft!“ Den Tag danach bin ich nur ein träges, vor mich hin brummelndes Murmeltier, dass sich irgendwann, irgendwie, irgendwo total verausgabt hat und deshalb die Augen kaum aufkriegt. Dieses Jahr standen wenigstens schon zwei Flaschen Prosecco auf meiner Einkaufsliste. Mama ist ja lernfähig. Ich frage mich wie viele Flaschen davon ich weghauen muss, wenn meine Tochter auch ins feierwütige Alter kommt. Noch habe ich ein bis zwei Jahre Aufschub. Dann blühen mir zwei dieser Parties im Jahr. Noch guckt meine Tochter uns nur seltsam an, wenn sie Geburtstag hat und denkt sich wahrscheinlich, wenn ich ihren Blick richtig deute: „Aha, die Großen sind wieder komisch und ich soll irgendso’n buntes Papier zerreißen. Na gut, wenn es ihnen Spaß macht.“

Zwischen Wasserkocher, Kuchenteig und Hamburgerbrötchen habe ich dieses Jahr vorgesorgt. Prösterchen!

Das soll sie ruhig denken. Bei meinem Sohn sieht die Sache nämlich schon ganz anders aus. Er weiß schon wenigstens drei bis sechs Monate vorher, dass er „bald“ wieder Geburtstag hat. Und zwei Wochen vor dem großen Tag wird der Countdown eröffnet. Mein Mann und ich dürfen gespannt sein, wie sich das später mal bei Nummer Zwei abspielen wird. Auf jeden Fall bekommen wir schon jetzt ganz feuchte Hände und trockene Münder bei dem Gedanken daran. Ist es doch auch heute schon so, dass sie ihre Wünsche in, wie mein Mann es nennt, „epische Ausbrüche“ verpackt. Hier meint er nicht die Epik und unsere Tochter trägt Gedichte ihres Unmutes vor. Nein, er denkt bei diesem Ausspruch viel eher an Epizentrum. In diesem Fall unsere Tochter. Erst kürzlich wurde sie von zwei Restaurantbesitzerinnen gefüttert, weil sie einen Ausbruch bekam, da ihre Nudeln zu heiß waren. Sie hatte halt JETZT Hunger. Die beiden italienischen Ladies sprangen daher meinem Mann und eben auch ihren belästigten Gästen zur Hilfe. Meinten dann aber noch zu ihm, dass sie jetzt verstünden, warum er eigentlich immer das Essen zum Mitnehmen bei ihnen bestellt. Was ja eigentlich in ihrem sizilianischen Wesen voll als Unsitte gilt, weil Essen wird frisch gekocht und dann serviert und dann gegessen. Punkt. Und das war jetzt nur die Kurzversion der Geschichte. Nun gut, mein Mann und ich hoffen nun eben, dass unsere Tochter einmal verstehen wird, dass Geburtstag nicht JETZT ist, wann sie es will, sondern ein ganz bestimmter Tag. Unverrückbar.

Bis zu diesem Zeitpunkt widmen wir uns Piraten- und Drachenparties, Einladungskarten, Gästelisten, Geburtstagsgeschenken, Papageienkuchen, Minionmuffins, Pommes und so weiter. Na gut, eigentlich mache ich das. Mein Mann muss dafür zum Ausgleich den Kinderbespaßer geben. Wenn der Termin naht, bekommt er dann immer einen so komischen Ausdruck im Gesicht. Fast so etwas wie Angst. Auf seine Hinweise, dass er doch mal die Vorbereitungen machen kann, gehe ich nur mit einem Fingerzeig auf den Kuchenteig ein. Spätestens dann ist die Aufgabenverteilung wieder geklärt. Er kann zwar wunderbar kochen. Doch mit dem backen müssen wir noch einmal üben. Und ich stelle mich keiner Kindermeute wenn die Muffins verbrannt sind. Er auch nicht, deshalb haben wir uns eben so aufgeteilt. Denn, jetzt kommt es, ganz schrecklich, ich liebe backen. Jedenfalls denke ich das mit felsenfester Überzeugung vor jedem Kindergeburtstag. Da kann ich meiner Kreativität in grellbunten Kuchenteigfarben freien Lauf lassen. Ich bin der Meinung, dass ich beim Backen entspanne. Und es darf mir keiner rein quatschen. Es ist ein Tick. Der bis zum Backofen oder mit Glück bis zur Deko anhält. Der Backofen und ich können manchmal nicht so miteinander. Und er backt dann entweder zu schnell, also schwarz oder zu langsam, also noch flüssig. Oder der Kuchen, der in meinem „Dekogeist“ ganz flach aus dem Ofen kommen soll, hat plötzlich einen Krater in seiner Mitte. Da muss man dann eben weiter kreativ bleiben. Ich bin ja auch der Meinung, ich wäre der Verzierdegott. Spätestens, wenn ich den Kuchen dann vom Blech haben will, bereits verziert oder eben frisch aus dem Ofen, hört man lautes Fluchen, passend zu der Piratenparty, aus unserer Küche. Aber ehrlich, Schokolade in Massen klebt alles wieder zusammen. Ein Sorry an alle Eltern, deren Kinder jemals bei uns eingeladen waren und diese mit fahrlässig weit geöffneten Pupillen von unserer Party abholen mussten. Vielleicht ist es ein kleiner Trost, dass ich die Nachwirkungen auch noch bis um Mitternacht in Form eines aufgeregt wachen Kindes hatte. Ein Hoch auf alle Zuckerstreusel dieser Welt.

Aber apropos Pupillen, wir waren ja bei meinem Mann, der dann an Tag X den Partyanimateur macht. Und das ziemlich gut. Ich muss gestehen, ich unterstelle ihm Spaß. Trotz seiner angstgeweiteten Pupillen vor der Feier. Dieses Jahr haben wir uns den Tag mit 38 Grad Außentemperatur ausgesucht. Kann man das vorher ahnen? So wurde aus der geplanten Drachenparty eher eine Wasserparty. Und schon als Orga-Mum einen Tag vorher mit den politisch vollkommen unkorrekten Wasserpistolen in aller Größe in die Wohnung marschierte, waren zwei Jungs ganz aufgeregt. Meine Tochter guckte sich das an und schien rein nach Gesichtsausdruck zu denken: „Jetzt spinnen sie wieder, der Dada und der Papa!“ Wir Mädels wechselten einen wissenden Blick und ich suchte erst einmal ein geeignetes Versteck für die Spritzpistolen. Gar nicht so leicht, wenn man einkalkulieren muss, dass auch ein „Kind“ mit 1,83m Körpergröße da ran will. Zum Glück mussten sie ja nur noch einmal schlafen.

Und zum Glück kamen fast alle Partyjungs mit der gleichen Wasserspritzausstattung, wie gerade erwähnt an. Überall das gleiche. Blöd nur, dass denen der Kuchentisch auch vollkommen Latte war. Und Begrüßung der Gäste wird auch überbewertet. Wusch, ein Strahl ins Gesicht. Ist eh zu heiß. So trug ich im Slalom meine Kuchen auf. Und es gab wohl keinen, der sich nicht eine Dusche abholte. Mein Mann stellte sich wie ein Held und wurde klitschnass. Und machte klitschnass. Ein voller Erfolg. Und trotzdem mussten wir erstmal abends unsere schmerzenden Füße hochlegen. Na ja, bis auf unsere Kids. Mein Großer immer noch voll wach, komisch, warum nur? mit seinen Geschenken beschäftigt. Und unsere anderthalb Jährige auf dem neuen Skateboard ihres Bruders unterwegs. Sitzend! Zwischendrin wir, die mit hochgelegten Füßen nur flüstern konnten: „Seid ihr denn gar nicht müde? Wollt ihr nicht schlafen?“ Wir wurden gekonnt ignoriert. Wahrscheinlich dachten sich unsere zwei: „Muah har har, die beiden haben wir heute müde gekriegt. Die schlafen durch!“ Huch, ertappe ich meine Kinder bei einem Gedankengang, den mein Mann und ich uns öfter mal austauschen?

Wie dem auch sei, wir hatten es geschafft. Und den Tag überlebt. Kindergeburtstag ist einfach Ausnahmezustand. Und um 23 Uhr war dann auch die ganze Meute im Bett. Und hat durchgeschlafen. Muah har har.

In diesem Sinne freue ich mich nun voll ausgeschlafen auf euch. Ob als Teilnehmer oder Leser.


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