Antikörper gegen Essen

Noch gar nicht so lange her, da bin ich an einem Bericht hängen geblieben, der mich tatsächlich absolut faszinierte und erschütterte zugleich. Es ging darum, dass Immunologen herausgefunden hatten, dass Antikörper tatsächlich auf unser westliches Essen oder Essverhalten so anspringen, wie eben bei einer Erkrankung.

Mit westlichem Essen oder Essverhalten meine ich jetzt, dass man sich oft und häufig das Frühstück, Mittagessen oder den Snack für zwischendurch beim Bäcker oder einem anderen Anbieter am Wegesrand holt. Und das erbeutete Nahrungsmittel dann oft auch noch in Eile oder zumindest im Stehen zu sich nimmt. Kurz, die Zeit des Kochens und des gemeinsamen Mahls in Ruhe und mit voller Aufmerksamkeit für das, was da auf dem Teller liegt, kommt nur noch selten vor. Das andere aber um so öfter. Und das ist ungesund.

Danke Isabel Nowik für das Bild 😂 Entstanden nach dem ersten Jumping Fitness Refreshing Day in Berlin im September 2016. Ihr seht, auch ich muss mal zuschlagen 🤓

Leider mussten wieder Mäuschen herhalten, um zu zeigen was im Körper passiert. Ärzte sind ja schon seit geraumer Zeit darauf aufmerksam geworden, dass so manche Krankheit, wie Bluthochdruck oder Diabetes extrem zunimmt. Eben auch schon bei jungen Menschen. Bei diesen Tests kamen nun Immunologen darauf, dass die Sensoren auf unseren Immunzellen bei ungesunder Nahrung genauso reagieren wie bei Krankheitserregern. Sie identifizieren diese Art Nahrung als Eindringlinge. Damit werden unsere Abwehrzellen aktiviert und legen im ganzen Körper los. Was zu schmerzhaften Entzündungen und so zum Beispiel zu Gichtschüben führen kann. Die Mäuse bekamen vier Wochen Burger und Co. und nach einer Weile war es den armen Tieren hunde- oder eben mäuseelend. Dann wurden sie wieder auf Körnernahrung umgestellt und nach circa einem Monat ging es ihnen wieder gut. Soll heißen die Entzündungen waren abgeklungen. Schlimm war allerdings, dass die Forscher an der Uni Bonn feststellen konnten, dass sich ihr Immunsystem auf Dauer genetisch verändert hatte. Und es nun eben auf die ungesunde Nahrung immer gleich mit schlimmen Entzündungen reagieren wird.

Kurze Erklärung zur Gicht:

Früher ging man davon aus, dass Gicht vererbbar ist. Und wenn man eben einen ungesunden Lebensstil hegt, diese dann ausbricht. Heute reicht mitunter wohl der Lebensstil. Bei Gicht ist der Harnsäurespiegel im Blut zu hoch. Das kann daran liegen, dass man zu viel davon produziert. Oder eben die Nieren es nicht schaffen genügend davon auszuscheiden. Aus der Säure bilden sich dann kleine Kristalle, die sich dann gerne schmerzhaft in den Gelenken ablagern. Bei einem besonders hohen Wert der Harnsäure im Blut kommt es dann zu Gichtanfällen. Darunter kann man sich schmerzhafte, gerötete Schwellungen vorstellen.

Als ich als junges Huhn nach Berlin zog, war ich ehrlich gesagt, tatsächlich irritiert. Ich hatte das Gefühl in seinen eigenen vier Wänden wird gar nichts mehr zubereitet. Ich sah die Menschen ausschließlich Nahrung vom Würstchenstand, Dönergrill oder Bäcker konsumieren. Ich bin ja auch ein Landei. Daher fügte ich mich erst einmal, in dem Glauben das sei großstädtisch und machte es den Menschen gleich. Allerdings hatte ich irgendwann tatsächlich das Problem Vertrauen in das gekaufte und von anderen zubereitete Essen zu fassen. Ich hatte, glaube ich, schon einmal erwähnt, dass ich in der Hinsicht einen leichten bis mittelschweren Tick habe. Und als mir dann immer öfter belegte Brötchen, die durch ihre Glasscheibe beim Bäcker ach so gesund daher kamen, auch noch mit Salatcreme serviert wurden, schob ich den Gang rückwärts ein. Ich kann und konnte das nicht. Es ekelte mich. Auch muss ich nicht per Zeitungsbericht wissen, dass zum Beispiel bereits gefärbte Eier im Supermarkt, die laut EU-Recht keinen Stempel brauchen, dann natürlich aus der immens günstigen Käfighaltung stammen. Dafür braucht man ja eigentlich nur Menschenverstand. Und muss eins und eins zusammen zählen. Kurz der Mensch möchte verdienen. Nicht nur die großen Konzerne, sondern auch der Bäcker neben an. Am schnellsten geht das durch günstig erworbene Nahrungsmittel, die man dann hübsch anrichtet und mit Gewinn verkauft. Hier kommt nun mein Tick voll zur Geltung. Ich kann das nicht essen. Es tut mir leid. Und all das verleitet mich zum selber machen, soweit es eben möglich ist. Auch mir sind da natürlich die Hände gebunden. Aber diesen Drang ständig etwas auf der Straße kaufen und essen zu müssen, den hab ich nun mal nicht.

Geht ja auch alles selbst gemacht. Schmeckt dann halt nicht so intensiv. Meint mein Sohn. Aber wenigstens liegt das Ding auf nem Teller und wir essen in Ruhe.

Aber erschreckend fand ich den Bericht über die Antikörper-Sache eben trotzdem. Deshalb, weil meine Kinder, und wahrscheinlich nicht nur die, auf dieses ganze „geschmacksverstärkte“ Zeug stehen. Ich war ja tatsächlich mal so naiv zu glauben, dass ich nie mehr Fischstäbchen zu Gesicht bekommen würde. Diesen Glauben hatte ich natürlich wie so vieles bevor(!) ich Kinder bekam. Wer einmal Fischstäbchen der bekannten Firma mit dem netten Seemann-Onkel mit denen aus dem Biomarkt vergleicht, wird feststellen: Hui, die aus dem Biomarkt haben gar keinen Geschmack. Ich habe den Test gemacht, weil mir der Seemann-Onkel eigentlich nicht ins Haus kommt. Es aber dann doch einmal durch ein Zusammenspiel unglücklicher Umstände schaffte. Daher landeten beide Produkte in der Pfanne. Und auch ich muss sagen, ja die haben mir viel besser geschmeckt. Mein Verstand sagte dann nur sofort: Ok, ich will das Rezept gar nicht wissen, dass mein Belohnungssystem so nach der Panade von diesen Stäbchen mit der viel intensiveren Farbe gieren lässt. Meine Kinder reagieren eben ganz intuitiv. Und überall wo ihr Belohnungssystem sagt: Yummy. Da schlagen sie zu.

Klar, bin ich dafür zuständig was meine Kinder zu sich nehmen. Allerdings sehe ich auch schon die größeren Kids, die sich von ihrem Taschengeld beim Späti eine Tüte Gummibärchen, eine Tüte Chips und eine 0,5l Dose Irgendwas-Zuckerblubbersaft-mit-Coffein kaufen. Wenn Überwachungs-Mum eben nicht dabei ist. Das dürfen sie gerne machen. Auch ich habe das getan. Wäre ja doof zu behaupten, bei mir wäre das nie vorgekommen. Und daher weiß ich, auch meine Kinder werden das irgendwann mit ihren Freunden nach der Schule machen. Genervt bin ich dann nur von den Typen, die den ganzen Mist in die Lebensmittel hauen. Und für die dann nur die Kohle zählt. Aber das ist ein anderes Thema. Also bleibt mir nun erst einmal die Frage, wie sorge ich dafür, dass ich meine Kids dafür sensibilisiere, dass man sich mal Gummibärchen reinpfeifen kann. Aber das Maß ausschlaggebend ist. Und das in einem Alter, in dem man das maßhalten ja erst lernt. Und zwar in Selbstversuchen.

Soll ich einfach vertrauen? Oder muss ich akzeptieren, dass wir eben alle in der Gefahr leben uns über unsere Ernährung eine krankhafte Reaktion unseres Körpers zu riskieren? Schon die Frage an sich bringt mich ehrlich gesagt auf. Und noch habe ich keine Antwort. Daher bleibt mir als Mami wohl nur mein Spleen. Während ich dem fröhne, harke ich lustig in meinem Gemüsebeet die Erde um meine Tomaten und Co. Und wenn ich selbst wieder eine Gummibärchen-Phase habe, versuche ich meinen Kids wenigstens zu vermitteln, dass ich mir danach als Ausgleich eine Runde Bewegung auf dem Trampolin gönne. Ein bisschen hege ich für mich auch die Hoffnung das die anregende Wirkung aufs Lymphsystem dafür sorgt, dass ich mir die meisten Giftstoffe wieder aus meinem Körper jumpe.

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Ob als Teilnehmer oder Leser.


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