Sixpack bar jeder Vernunft?!

Vor zwei Wochen wurde ich auf einen sehr interessanten Beitrag aufmerksam, über den ich auf der Facebook-Seite einer Kollegin stolperte. Der eigentliche Beitrag war von SPORTBLOG.CC . Und es ging um Körperfett. Ich blieb daran hängen, weil ein prägnanter Satz lautete: Muss man sich als Fitnesstrainerin für 28 % Körperfettanteil schämen? Die Bloggerin Bernadette Hörner aus Österreich tut es nicht. Ich auch nicht mehr.

Eigentlich muss ich ja zugeben, dass ich mich nie mit meinem Körperfettanteil bewusst beschäftigt hätte. Trotzdem habe ich mir natürlich öfter mal die Frage gestellt, ob ich mit meinem nicht-drahtigen Körper vor die Leute treten kann. Und das ein ums andere mal habe ich mich auch auf Diät gesetzt. Also habe ich mich um meinen Körperfettanteil doch irgendwie gekümmert, ohne ihn eben bewusst zu benennen. Zum Glück habe ich dieses unsichere Alter hinter mich gebracht. Und auch Kolleginnen, denen ich im Laufe der Zeit begegnete, und die meinten, man müsse eben körperlich ein Vorbild für die trainierende Gemeinschaft sein, bewegen sich nicht mehr in meinem näheren Umfeld.

Zu der Sache mit der Vorbildfunktion fällt mir nur ein, dass ich einmal eine Phase hatte, in der ich meine strammen Beinchen in kunterbunte Sportleggings kleidete. Mit dem Endergebnis, dass auf einmal Mädels in ebenso bunten Hosen bei mir im Kurs auftauchten. Und sich bei mir bedankten. Dafür, dass ich ihnen gezeigt hätte, dass, wenn man Lust auf bunt hätte, dass auch tragen kann/ darf/ muss. Von wegen schwarz macht halt schlank. Sieht voll trist aus. Sei drauf gepfiffen. – Bäm! Vorbild!

Eine meiner Lieblingshosen aus meiner „bunten Schaffensperiode“.

Heute reiche ich mir selbst als Vorbild. Hey, ich bin die Schwangerschaftskilos wieder los. Bei der Masse und in dem Alter macht mich das stolz. Und ich glaube, der Rest ist Ausstrahlung. Und dennoch bleibe ich bei dem Post hängen. Denn klar ist, es ist nur in deinem Kopf! Das Problem. Aber allein diese Frage, war die ganze Zeit mein Problem gewesen. Bei jeder Convention, wenn ich mal auf großer Bühne ran musste, dann verfolgte mich der Gedanke: Bin ich zu massig?

Nie ging es darum, ob ich etwas nicht könnte. Nein. Ich wusste, dass ich kann, was ich tue. Und das gut. Es ging um das Kacka-Aussehen und um das angesprochene Vorbildfunktionsaussehen im Kopf mancher Kolleginnen. Dieses irre Denken, dass man einer Trainerin ihr Können nur abnimmt, wenn sie aussieht, als würde sie 24 Stunden trainieren und am besten nur ein Salatblatt essen. Ziemlich crazy. Und super ungesund. Ob nun körperlich. Oder mental. So war mir mit dieser Frage absolut ins Herz getroffen. Und ich blieb dran hängen. An der Frage, dem Beitrag zum Körperfettanteil.

„Kreisch! Aufgewacht! Sixpack weg! Was mach ich jetzt nur???… Nüscht!“ -Mit Humor geht’s immer 😄 warum hatte ich den bloß nicht schon früher?

Denn mental brauchte ich doch wohl noch eine Antwort. Obwohl ich sie mir eigentlich selbst schon lang gegeben hatte. Aber meinem jungen Ich war ich sie wohl noch schuldig. In meinem Kopf. Schon in jungen Jahren war ich ein „kompakter“ Typ. Ich weiß nicht, on das der richtige Ausdruck ist. Heute sage ich, ich finde mich schön und suche eigentlich keinen Ausdruck mehr für meinen Körper. Damals hielt ich mich grundsätzlich immer für etwas zu dick. Nicht muskulös. Nicht gut geformt. Nicht kompakt halt. Ne, das böse Wort. Das mistige Wort, dass immer einen ultranegativen Beigeschmack hat. Nun fiel mir beim Lesen dieses Beitrags, in dem es auch um Sixpacks geht, auf, dass ich ein solches vor ungefähr zwanzig Jahren besaß. Natürlich in Zeiten, in denen – HAHA – ich mich für zu dick hielt. Das Teil futterte ich mir mit Eis in einer Abschlussprüfungslernphase weg. Sehr zur Trauer einiger männlicher Zeitgenossen. Und natürlich auch ich trauerte. Die Jungs hatten damals doch immer so bewundernd gesagt: „Hey, du hast ja n Sixpack! Und das als Frau! Das geht doch eigentlich gar nicht!“

Man horche auf. Vor zwanzig Jahren war man sich sicher, dass es für Frauen, wenn sie nicht gerade Bodybuilderinnen waren, ziemlich unmöglich sei, so ein Ding zu bekommen. Und ehrlich, ich habe mehr Zeit mit meiner Trauer verbracht, als mir wieder ein Sixpack anzutrainieren. Weil, das ist in der Tat gar nicht so einfach. Vor allem, wenn man …. isst!

Aber wie schon gesagt, das Wort „Körperfettanteil“ hat mich nicht tangiert und hätte ich ihm schon früher mehr Beachtung geschenkt, dann wäre mir klar gewesen, dass ich mit meinem alleinigen Bauchmuskeltraining hätte zu hause bleiben können. Ich hätte dazu einfach auch strikt auf Diät gehen müssen. Bei dem Wort bekomme ich ja heute nur noch ein Würgen. Aber fangen wir ganz von vorne an,

mit einer kleinen Erklärung:

Nämlich bei der Erklärung, was denn dieser Körperfettanteil überhaupt bedeutet. Zu erst einmal hängen alle medizinischen Normwerte vom Alter, Geschlecht und Körperbau ab! Mit zunehmendem Alter steigt in der Regel der Körperfettanteil an. Bei den Männern ist der Körperfettanteil generell geringer als bei uns Frauen. Das liegt daran, dass wir von der Natur her für Zeiten wie Schwangerschaft oder Stillzeit mehr Energiereserven brauchen!! So kommen wir auf folgende Normalwerte. Wobei gesagt wird, dass ein gesunder Körperfettanteil bei Frauen in der Regel bei circa 30 % und bei Männern bei circa 25 % liegt.

  • Männern von 20 – 39 Jahren = 8 – 20 %
  • Männern von 40 – 59 Jahren = 11 – 22 %
  • Männern von 60 – 79 Jahren = 13 – 25 %
  • Frauen von 20 – 39 Jahren = 21 – 33 %
  • Frauen von 40 – 59 Jahren = 23 – 34 %
  • Frauen von 60 – 79 Jahren = 24 – 36 %

Wenn wir uns erinnern, Sixpack- tragende Männer gab es schon recht früh zu sehen. Das liegt daran, dass sie eine geringere Fettschicht über den Bauchmuskeln tragen. Wenn sie ihre Muckis also trainieren, so sind sie eben schneller zu sehen. Weil dünnere Schicht. Wir Frauen haben eben von Natur aus am Bäuchlein etwas mehr an Fettgewebe, dass unser Training versteckt hält. Um nun unsere sportliche Arbeit zur Schau tragen zu können, müssen wir unseren Körperfettanteil von den gesunden!!! Normalwerten runter reduzieren. Auf einen Wert von etwa 11- 14 %. Klingt ganz schön gruselig. Und ist es auch. Bei meiner Recherche fand ich einen Bericht über eine Bodybuilderin, die sich vor dem Wettkampf derartig den Körperfettanteil runter gehungert hatte, dass sie kurz vor der Ohnmacht auf der Bühne stand.

Wer sich auf Instagram und Konsorten bewegt, weiß dass ein Sixpack bei den Ladies nicht erst seit einigen Tagen ziemlich in ist. Und ich gebe ehrlich zu, als ich damals einen hatte, war ich auch stolz wie Bolle. Heute sage ich allerdings als „schlechte Verbrennerin“: „Was soll die Qual?“ Vor allem, wenn es doch für uns Mädels vollkommen ungesund ist. Klar, gibt es die, die genetisch superschlank sind. Aber viele tun sich eben eher was an. Weil sie so schlecht verbrennen wie ich. Und wenn sie sich eben ein paar Tage hintereinander ein Eis gönnen, wie ich, dann ist der Sixpack auch ruckizucki wieder verschwunden.

Kurze Erklärung zur „schlechten Verbrennerin“:

In der Steinzeit gab es nicht jeden Tag was zu futtern. Daher waren die überlebensfähigen Körper darauf ausgerichtet schön lange Energie in Form von Fettreserven zu speichern. Heutzutage sind aus den Überlebensgarantien von damals leider die unliebsamen Fettpölsterchen geworden, die wir uns in unserer Gesellschaft vehement weghungern wollen.

Vielleicht sollte man sich heute wieder viel mehr über seine körperliche Fitness freuen. Sich freuen, wenn man merkt, dass man heute eine Übung schon viel besser besteht, als noch gestern. Das ist natürlich schwer in einer Zeit, in der alles in hübschen Bildern dokumentiert wird. Nun gut, jeder darf machen, was er möchte. Aber vielleicht denkt man trotzdem noch einmal darüber nach, ob das Sixpack jetzt wirklich sein muss, wenn man doch auch mit ein paar Pölsterchen so toll aussehen kann. Und sich dazu noch vollkommen gesund fühlt. Und nicht die ganze Zeit das Gefühl hat, dass man für sein Aussehen ständig nur verzichtet.

J’Lo hat es vorgemacht. Ich mach es nach. Popo geht immer!

Ich turne mir meinen schwerfälligen Stoffwechsel auf dem Trampolin in einen Fettverbrennungsrausch. Das muss reichen. Und meine Power als Trainerin auch. Am besten hole ich mal wieder die bunten Hosen aus dem Schrank.

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Ob als Leser oder Teilnehmer.


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