Jaaa-haaa! Naaa-haaain!

Gleich mal vorne weg. In meinem Mutti-Vertrag stand nur etwas von Trotzphase und Pubertät. Oder habe ich mal wieder das Kleingedruckte nicht gelesen? Von all den anderen Wachstumsphasen, ich nenne sie jetzt mal einfach so, wird einem nichts gesagt.

Da läuft man mit einer Kullerkugel durch die Gegend und ab diesem Zeitpunkt berichten einem wildfremde Frauen von ihren 237 qualvollen Stunden im Kreißsaal unter nicht auszuhaltenden Schmerzen. Schmerz, ok, nicht zu leugnen. 237 Stunden, nein! Andere geben schon einmal gerne Ratschlägen, falls das Kind Blähungen hat. Hatten meine nicht. Oder was alles auf einen zukommt, wenn sie Zähne bekommen. Geschenkt. Und klar, alle nennen das ganz böse Wort mit einem gurgelnd, grollendem Unterton und stumpfem Blick: Trotzphase!

Aber tatsächlich hat mir keiner gesagt, was da zwischen Trotzphase und Pubertät kommt! Und mal ehrlich, da wünsche ich mich manchmal in meine 15 Stunden Kreißsaal zurück. Ok, vielleicht ist das ein wenig übertrieben. Aber das Beispiel zeigt eventuell auf, wie sehr einen diese unbenannten Anfälle fordern. Ich weiß, man wächst ja an seinen Aufgaben. Aber an manchen Tagen fühle ich mich wie ein kleines verschrumpeltes Gänseblümchen, das kurz unter dem Kopf gepflückt wurde und nun in einem Schnapsglas seinem Lebensabend entgegen blümelt. Wahnsinn. Denn eins muss ich doch mal sagen, in der Trotzphase sind die Kids verbal noch nicht so gut drauf und äußern sich vermehrt in Tobsuchtsanfällen, in denen sie sich mit lautem Geschrei auslassen. Abgesehen von den eh‘ immer genervten Leuten, sagen die anderen: „A-ha, Trotzphase!“ Und im besten Fall noch zu mir: “ Sie Arme!“ In der Pubertät, habe ich gehört, wird äußerst bis eigentlich gar nicht mehr mit den Eltern gesprochen. Auch ganz schön fordernd und ich stelle mich seit circa sieben Jahren schon auf das, was kommen mag ein. Aber derzeit wird bei uns lautstark diskutiert, dann geschrien, um dann Türen zu knallen und den zurückgelassenen Elternhaufen endgültig anzuschweigen.

Hey, Leute, da ist wirklich alles dabei! Warum erfährt man davon nichts, wenn man ein Kind zeugt? Wieviele Kreißsaalgeschichten musste ich als Erstgebärende ertragen. Aber diese Geburtserinnerungen schwinden doch und werden irgendwann unkonkret. Viele Mamis, die mir über ihre Geburt berichtet hatten, hatten oft Kids, in dem Alter, in dem mein Sohn jetzt ist. Da hätten sie doch sagen müssen: „Hey, die Geburt ist nicht schön. Aber die überstehst du. AAAAABEEER das Alter jetzt!!! Zieh dich warm an!“

Mein Großer und ich haben uns mal eine Zukunftsversion erstellt. Und hatten Spaß. Auch wenn ich vor so einer Realität etwas Angst hätte 😅

Ich hatte ja schon einmal geschrieben, dass ich nicht so der Ratgeberlesetyp bin und ich bisher nur einen gelesen hätte. Ich wurde darauf aufmerksam, dass ich doch noch einen anderen mein Eigen nennen kann. Einen, den ich total vergessen hatte. Und zwar das allgemein sehr bekannte Buch unter Mamis „Oje, ich wachse!“ Gut ich gebe zu, bei meinem Sohn stieg ich verspätet ein, weil ich den Tipp erst bekam, als er schon fünf Monate alt war. Und irgendwann dachte ich: ok, ist irgendwie oft oder immer dasselbe. Hatte aber das Prinzip verstanden. Das Kind muss bei Mama Energie tanken! Und muss sich in allen Wachstumsphasen geborgen, verstanden, beschützt und in Ordnung fühlen. Check. Dieser Rat ist wirklich ganz toll und ich habe ihn mir auf die Mami-Fahne getackert. Und sitze nun, um diese schöne Weisheit reicher, hier und frage mich, warum geht dieses Buch nicht bis zum 18. Lebensjahr?

Denn eins ist absolut klar. Mein Sohn wächst. Und jede Wachstumsphase ist bemerkbar. Äußert sich sozusagen in immens schlechter Laune und Überempfindlichkeit. Jedenfalls bei meinen Kindern. Wenn man „Oje, ich wachse!“ liest, dann kommt ja auch immer zum Ausdruck, dass sich die ganz Kleinen noch nicht anders äußern können, als durch schreien und jammern. Daher sind die Minis unter Welpenschutz gestellt.

Leider sind wir Erwachsenen ja dazu geneigt, sobald sich Kinder verbal gut verständigen können, nicht mehr so viele Hühneraugen zudrücken zu wollen. Und ganz ehrlich, was mein Großer in der Außenwelt manchmal „sprachscheu“ daher kommt, das macht er zuhause wieder wett. Bis einem das Hirn unter der Schädeldecke köchelt. Dann steh ich da, hör mir das Gemotze an, auch das Türen schlagen und ertrage auch noch das „Lass mich in Ruhe!“ und das darauf folgende Schweigen. Allerdings an ganz schlechten Tagen, an denen ich selbst wie ein wildes Huhn durch die Gegend gehetzt bin und mir der Stress zu der Nase herauskommt, motze ich zurück.

Mir ist bewusst, dass das die vollkommen falsche Reaktion auf meinen Großen ist. Ich aber auch viel zu leicht in sie hinein trudele, weil der Zwerg vor mir ja in klaren Sätzen spricht. Und er dadurch von meinem Verstand in eine geistige Entwicklungsstufe angehoben wird, die er eigentlich noch nicht ganz erreicht hat. Er arbeitet noch daran. Momentan wohl vermehrt. Denn er ist noch ein Kind. Das wächst. Daher hat er ein ganz anderes Verständnis für Dinge als ich. Und zieht ganz andere Schlüsse. Und dann steh ich da und kann seine Schlussfolgerungen in meinem Erwachsenengehirn nicht nachvollziehen und knall ihm eine Mamamotztirade vor die Füße. Ganz ehrlich, das Kind hat gar keine andere Chance als sauer abzuziehen und die Tür zu knallen. Gegen meine Argumente ist er machtlos, weil sie nicht greifen. Weil ich mir gar nicht die Mühe mache, das zu verstehen, was ihn eigentlich gerade so mitnimmt. Was er eigentlich gerade meint. Und wahrscheinlich noch gar nicht in Worte fassen kann. Und deshalb quatsche ich aufgebracht vollkommen an ihm vorbei. Ich seh‘ ihn zu sehr mit Erwachsenenaugen.

Vielleicht sollte ich es in einem Beispiel formulieren. Mein Sohn ist Klimaforscher und ich bin Donald Trump. Und mein Sohn versucht mir zu erklären, dass es einen Klimawandel gibt. Und ich antworte als Trump auf seine Darlegungen. Ich möchte diese Geschichte nicht weiterspinnen, aber ich denke, ich konnte veranschaulichen, was ich sagen wollte. Bart Simpson würde Trump sagen: „Friss meine Shorts.“ Mein Sohn gibt auf, geht, knallt halt die Tür und schweigt.

Zum Glück steh ich nicht unter Dauerstress. Und zum Glück, -hört, hört, ihr Ratgeber-Freunde-, habe ich mir das „Gewünschteste Wunschkind Teil 2“ geholt. Als mein Sohn in die „Vorschulpubertät“ kam, ja-haa, dafür gibt es tatsächlich doch einen Namen, und ich mich tatsächlich oft machtlos diesen Anfällen gegenüber stehen sah. Denn für die Pubertät war er eindeutig zu jung. Und es hatte mich ja keiner vorbereitet. Oder wenigstens mal ne Andeutung gemacht, dass da noch so einige Phasen kommen zwischen Trotz- und Monstertrotzphase. So stand ich also oft mit großem Fragezeichen überm Haupt total entnervt vor dem zürnendem Kind und stolperte zufällig in einem Buchladen über diese Lektüre. Ich las sie brav und zog mir das beste heraus. Man darf ja dabei nicht vergessen, dass jedes Kind individuell ist. Letztendlich aber kam es, im groben übersetzt, aufs gleiche heraus wie schon beim Baby-Ratgeber: Das Kind wächst und braucht Liebe, Geborgenheit und Verständnis. Und Geduld!

„Aus der Ratlosigkeit hilft nur ein Ratgeber“, hab ich mir gesagt. Und „hoppla“, stolpere ich über ein passendes Werk.

Wenn ich also die Ruhe weg habe, dann setze ich mich zu ihm. Spreche in einem ruhigen Ton und frage, was ihn bedrückt. Manchmal will er nicht rausrücken. Dann nehme ich ihn in den Arm. In „Oje, ich wachse!“ heißt das „Mama tanken“. Das müssen die größeren ja auch. Und oft, wenn er sich eine Weile an mich rangekuschelt hat, kommt auch das erste Wort. Und dann das zweite und so weiter. Manchmal reicht ihm auch einfach nur in den Arm genommen zu werden. Da fällt mir immer wieder ein, dass wenn ich so einen echt doofen Tag hatte, ich eigentlich auch nur in den Arm genommen werden will. In dem Fall von meinem Mann. Aber trotzdem, auch noch als Erwachsene geht es einem doch so. Daher versuche ich mir nun auch an Stresstagen immer zu sagen: Einmal durchatmen, selbst runterkommen, den Hebel von rechter Hirnhälfte auf die linke stellen, Kuschelalarm ausrufen und dir ein wenig Zeit für deinen Großen nehmen. Fast zehn Tage Grundschulpubertät sind schon geschafft. Aus Unwissenheit kann ich jetzt nicht sagen, wie lang das dauert. Aber ich werde sehen. Ich hoffe stark, dass das nicht die 1.Klasse-Pubertät ist, auf die jetzt die 2.Klasse-, 3.Klasse und so weiter -Pubertät folgt.

Inspiration fürs Titelbild hole ich mir aus dem Alltag. „Grummel, Mami verschwindet nicht schnell genug von der Faschingsparty. Voll uncool!“

Aber wie habe ich so schön gesagt, man wächst an seinen Aufgaben. Ich trainiere gerade meinen größten Mami-Muskel, meinen Geduldsfaden. Dann werde ich mir noch angewöhnen keine Ja-/Nein-Fragen mehr zu stellen, um die Antworten, die bereits schon den Titel zieren, zu vermeiden. Nebenbei sammle ich viele Erfahrungen, die ich dann ganz locker bei meiner Tochter aus dem Handtäschchen ziehen kann. Dann bin ich für Kind Nummer Zwei wenigstens gewappnet. Wobei, wenn man ein Mädchen bekommt, gibt es tatsächlich auch ganz viele, die dir bereits mit Kugelbauch sagen: „Hui, Mädchen sind so zickig!“ Aber Blähungen hatten meine Kids ja auch nicht, daher warte ich einfach mal ganz entspannt ab. Außerdem muss ich ja sowieso erst einmal die Trotzphase überstehen. 😉

In diesem Sinne freue ich mich auf eure Begleitung. Ob als Leser oder als Teilnehmer, wenn ich mir mal wieder den Mami-Wachstumsphasen-Stress aus dem Leib hüpfe.


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