Schüttel deinen Speck

Im MED-Konzept, sowie im Kids-Konzept begegnete mir häufig ein Begriff. Adipositas. Zum einem bei Kids, da das Phänomen und die daraus resultierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen besorgniserregend anstiegen und ansteigen. Bei MED kam Adipositas als medizinischer Befund bei Erwachsenen vor. Also kurz gesagt, im Kids-Konzept fand man Wege zur Vermeidung und im MED-Programm ging es darum, dass bereits bestehende Krankheitsbild auf gesunde Weise anzugehen. Bei der Konzeptarbeit zu MED hatten wir fein säuberlich Übungen zu jedem Befund erarbeitet und notiert, die zur Linderung dessen führen sollten. Bei Adipositas stand lediglich Bewegung.

Nun möchte ich hiermit nicht die Damen und Herren der Hexenverbrennungsabteilung, die eh schon bei jedem dicken Menschen mit der Heugabel unterwegs sind, in ihrem Motto: Sagen wir doch, die müssen sich nur mehr bewegen! unterstützen. Denn mir persönlich ist klar, solange solche unterwegs sind, hätte ich gar keine Lust mich zu bewegen. Da wird der Sport nur zum Spießrutenlauf. Und wenn man sich in Sportklamotten zeigt, dann hat diese Gruppe leider auch wieder etwas zu mosern. Zum anderen möchte ich darauf hinaus, dass es bei einer gewissen Körpermasse auch gar nicht so leicht und selbstverständlich ist, jetzt mal so nebenbei 10 Runden zu Joggen. Auch wenn man unbedingt möchte. Wir, mit etwas weniger Kilos, stellen uns das zu einfach vor.

Hier kommen wir zu einem weiteren Problem. Ich denke jede oder jeder der Kilos verlieren möchte, möchte das schnell. Dadurch geschieht es leider allzu häufig, dass man sich zu viel vornimmt oder zu hart mit sich ins Gericht geht. Das führt unweigerlich zu einer Demotivation. Das sollte man sich nicht antun. Langsam ist eh viel besser. Für sich mental und auch letztendlich für den Körper. Und dessen Straffheit.

Viele die jetzt ein wenig mehr als nur ein paar Kilo mehr haben, werden jetzt vielleicht sagen, was will sie denn nu? Sie kann doch eigentlich gar nicht mitreden. Das stimmt. 100 Kilo wog ich nur in meiner Schwangerschaft. Und mehr waren es auch nicht. Dennoch bleibt mir unvergessen, wie ich schwanger schwimmen ging und wie mich das zusätzliche Gewicht mit jedem Schritt, den ich aus dem Becken heraus trat, nach unten zog. Oder wie schwer es mir fiel beim Yoga mein Gewicht zu halten. Was hatte das zur Folge. Ich stoppte den Sport. Es lief körperlich einfach nicht mehr. Und mein Kopf forderte zu viel. Nämlich das was er gewohnt war. Schön blöd von mir. Denn ich sollte es eigentlich besser wissen.

Daher lehne ich mich ein wenig aus dem Fenster und behaupte: Doch ein bisschen kann ich doch mitreden. Und wenn schon nicht als runde Schönheit, dann doch als Frau, die wenigstens eine frustrierende Diät hinter sich gebracht hat.

Was bedeutet Adipositas eigentlich?

Eine kurze Erklärung:

Als Adipositas wird eine krankhafte Fettleibigkeit bezeichnet. Meist spielen einige Faktoren zusammen, die dazu führen. Wir können ganz vorne anfangen und sagen, auch die Gene bestimmen die Fettverteilung im Körper. Heutzutage wird viel „bewegungslos“ gearbeitet. Häufig im Sitzen. Zudem haben wir immer Zugang zu Nahrungsmitteln. Das soll heißen, die Gefahr besteht, dass wir uns durch Lebensmittel Energie zuführen, die dann aber nicht verbraucht wird und sich dann als Fettreserven speichert. Sind wir gute „Speicherer“, was in der Jäger und Sammler-Zeit durchaus von Vorteil war, dann haben wir heute das Problem, dass wir immer dicker werden. Bevor jetzt wieder mit den Heugabeln gewinkt wird. Man kann auch durch Stoffwechselkrankheiten zulegen. Zum Beispiel einer Schilddrüsenunterfunktion. Heutzutage die häufigste Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis ist eine solche. Man kann sie vererbt bekommen. Es wird aber auch vermutet, dass bei der derzeitigen Häufung, ebenfalls Umwelteinflüsse und vor allem die Aufnahme von zu viel Jod, dazu führen können. Also Vorsicht, wer gerne dicke Menschen stigmatisiert. Das ist übrigens auch ein Leiden, dass mit Adipositas in Verbindung gebracht wird. Adipöse Menschen leiden nicht nur an ihren körperlichen Einschränkungen, sondern auch mental an den Stigmatisierungen der Außenwelt. Wenn wir also alle ein bisschen netter zu einander wären, so wäre schon allen geholfen. Und anderen Menschen wegen ihrem Aussehen ’nen Spruch an den Kopf zu klatschen, ist eh voll Stulle.

Nun steht Adipositas tatsächlich bei uns in den Konzepten und dennoch bekomme ich oft auch die Info: „Wir trauen uns nicht rauf. Hält uns das Ding denn?“ Zur Beruhigung: Ja, das tut es. Bellicon hat tatsächlich unterschiedliche Seilstärken. Beim Jumping nutzen wir tatsächlich die Seilstärke, die wir auch bei The Biggest Loser verwenden. Und soll ich euch mal etwas sagen. Seit wir dieses speziell entwickelte Seil drauf haben, kommen unsere Teilnehmer und fragen: „Was ist anders? Puh, ich finde die neuen Geräte sind viel anstrengender!“ Da sieht man mal was geleistet wird. Auch mit Übergewicht.

Auch bei der letzten Staffel wieder dabei. Unsere bellicons ❤️

Etwas anderes darf allerdings auch nicht vergessen werden und nimmt eventuell auch die Angst, dass das Gerät den Körper nicht trägt. Schwungmasse ist nicht gleich Körpermasse.

Kurz zur Erklärung:

Wir nehmen mal als Beispiel einen Fußballspieler. Ich habe mal gehört, dass das der beliebteste Sport in Deutschland sei. Da wir ja gleich klotzen, nehmen wir uns jetzt mal einen aus dem Leistungssportbereich. Also stellt euch einfach euren Lieblingsspieler aus der Bundesliga vor und ich behaupte jetzt, der Kerl wiegt ungefähr 80 Kilo. Wenn nun unser 8o Kilo – Mann mit seiner ganzen Kraft und ordentlich Wumms ins Trampolin tritt, kann er locker eine Schwungmasse erzeugen, die 300 Kilo gleichkommt. Wer jetzt wirklich exakte Zahlen möchte, muss das leider mit teuren Gerätschaften austesten. Das wurde schon mal gemacht. Aber ich kann mir leider für mein Beispiel keinen Boateng und so leisten. Daher müsst ihr mein Zahlenbeispiel zur Anschauung leider so schlucken. Wenn nun aber jemand kommt, mit immens Übergewicht. Sagen wir mal 240 Kilo. Und der- oder diejenige möchte damit anfangen sich zu bewegen und stellt sich auf das Trampolin, so beginnen wir mit einfachem Schwingen. Das ist irre anstrengend. Auch wenn jetzt vielleicht ein paar Stimmen wieder murren: Laaangweeeiiilig! Auf die geben wir nichts und bleiben bei unserem Beispiel. Dadurch, dass wir durch das höhere Körpergewicht gezwungen sind sanftere, kleinere und weniger intensive Bewegungen zu machen, erzeugen wir also nicht die Schwungmasse eines Leistungssportlers. Klingt irgendwie logisch. Und wenn wir so weit sind, dass wir intensiver in die Matte gehen können, dann wiegen wir auch schon weniger.

Warum? Wenn wir doch nur schwingen? Das werden jetzt vielleicht ein paar fragen. Vielleicht erinnern sich manche, ich hatte im HEALTH-Beitrag ein Video eingefügt, dass ich zur Erklärung noch einmal einbringe.

was passiert mit unseren zellen wenn wir trampolin springen

Was ihr hier seht, nennt sich Sphere-Ball. Ist gerade ungemein angesagt bei meinen Kids. Und ein super Instrument, um zu verdeutlichen, was mit unseren Körperzellen passiert, wenn wir auf dem Trampolin sind. Auch wenn wir nur schwingen!!!

Hierfür sollte man sich erst einmal vorstellen unser gesamter Körper besteht aus Zellen. Um unsere Vorstellungskraft nun nicht zu überfordern, konzentrieren wir uns mal darauf, dass unsere Muskeln aus Zellen bestehen. Ihr könnt euch auch gerne nur einen Muskel als Beispiel nehmen. Von mir aus, den Quadrizeps femoris. Also euren vorderen Oberschenkelmuskel. Riesen Ding das Teil. Wenn man also auf einem Trampolin steht, so gibt man seinen Körper und sich automatisch einem Schwerkraftwechsel preis. Bedeutet schwinge/ springe hoch = Zelle/Ball geht auf. Ich lande auf der Matte, Druck wird erzeugt = Zelle / Ball geht zu. Das machen alle Zellen. Im ganzen Körper. Und ich schwinge nur auf dem Trampolin. Ich mache keine bestimmten Übungen dazu. Cool, oder? Das ist die Effektivität, die ihr dann spürt. Wenn ich jetzt ganz frech bin, könnte ich sagen: Bewusster Spaß, unbewusstes Training.

Eins meiner absoluten Lieblingsbilder eines damaligen Jumping-Marathons in NRW. Danke an die Teilnehmer für das wunderbare Foto. Und den Beweis: Gewicht ist uns Latte. Wir haben Spaß!

Klar hauen wir bei Jumping noch ein wenig mehr auf die „Kacka“. Aber vielleicht wird so klar, dass egal welches Konzept auf dem Trampolin geübt oder trainiert wird, immer ein großartiger Effekt mitschwingt.

Dieser „Zellen-Effekt“ ist auch in dem Sinne wunderbar, da das Trampolin so den selben Druck erzeugt und erzielt wie Wasser. Das heißt bei Problemen mit den Lymphen oder gar einem Lipödem erzielt man durch den entstehenden Druck eine Verbesserung derer. Lymphflüssigkeit kann besser fließen und die krankhaften Fetteinlagerungen eines Lipödem werden perfekt massiert und dadurch auch etwas wegtrainiert.

Das kann ich tatsächlich sagen. Nach der Geburt meines Sohnes war ich wegen eines Lipödem in Behandlung. Es war kein schwerwiegender Grad. Aber nervig. Jede, die unter einem Lipödem leidet, wird mir hier zustimmen. Das ist was, dass braucht man alle Tage nicht. Nun war es zu der Zeit so, dass ich in der Regel nur einmal die Woche aufs Trampolin kam. Wie furchtbar. Allerdings ergab es sich, dass ich eine Woche ziemlich viele Kurse vertreten musste und lag danach schön zur Lymphdrainage bei meiner Physio. Die kam, wie gewohnt mit dem Maßband. Und wie gewohnt mit der Frage: „Warst du schwimmen?“ Leider musste ich ihr gestehen, dass ich das mit dem Schwimmbad mal wieder nicht geschafft hatte. Sie zuckte mit den Schultern und begann zu messen. Stille. Dann die Frage: „Was hast du gemacht???“ Meine Antwort: „Ich stand sechs Mal auf dem Trampolin!“ Und hatte so 4 cm Umfang an den Beinen verloren.

Ich weiß auch, sechsmal die Woche ist schon für mich als Trainerin mit Kind fast unmöglich. Aber ich bemerke auch, dass mir schon dreimal die Woche helfen. Die bellicons gibt es ja zum Glück auch in einem kleineren Durchmesser. Und ja, ich bin so irre nach den Dingern, dass ich auch eins daheim hab. Einfach mal nur so zum schwingen.

Was soll ich also sagen. Schwingen bringt’s schon. Die Seile tragen alle. Auf dem Trampolin zu stehen macht Spaß und motiviert. Jetzt muss man also nur noch den inneren Schweinehund überzeugen.

Hier möchte ich noch einen respektvollen Gruß an die Teilnehmer von The Biggest Loser rauschicken. Die bei Hitze auf unseren Geräten Vollgas geben mussten. Auch mit knappen 70 Kilo mach ich im Sommer schon ein paar Kreuze, wenn ich weiß, dass ich heute jumpen muss. Da freuen sich alle Teilnehmer und ich nur auf meinen Cool Down-Song von Peter Fox.

„Es bebt und wankt. Alle drehen sich um. Sehen sie an. Sie ist zwei Tonnen pure Eleganz! … Schüttel dein Speck!“

In diesem Sinne freue ich mich auf euch. Ob als Teilnehmer oder Leser.


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